Dirk de Pol, Beitrag vom 25. Dezember 2021

Oligomere Proanthocyanidine (OPC) kommen in den meisten Pflanzen vor und werden daher in der menschlichen Ernährung häufig verwendet. Vor allem die Schalen, Samen und Samenschalen von violett oder rot pigmentierten Pflanzen enthalten große Mengen an OPC. Sie sind zum Beispiel in Traubenkernen und -schalen und damit in Rotwein, Kakao, Nüssen und Zimtrinde enthalten. OPC sind auch in Äpfeln, Cranberries, Heidelbeeren, Weißdorn, Hagebutten und Sanddorn enthalten.

Geringe Bioverfügbarkeit

Die Bioverfügbarkeit von Proanthocyanidin ist grundsätzlich eher gering, da 90 % erst dann aus dem Darm aufgenommen werden, wenn sie von der Darmflora in die besser bioverfügbaren Metaboliten umgewandelt werden.

OPC  als Nahrungsergänzungsmittel

Gesundheitsaussagen zu OPC, das als Nahrungsergänzungsmittel angeboten wird, sollten differenziert betrachtet werden. Auf vielen Nahrungsergänzungsmitteln, die OPC und zum Teil auch andere Stoffe enthalten, findet sich ein Warnhinweis, dass Schwangere, Stillende und Personen, die regelmäßig Medikamente einnehmen, sowie Personen mit behandlungsbedürftigen Krankheiten vor dem Verzehr ihren Arzt konsultieren sollten.

Mögliche gesundheitliche Vorteile

Einigen Studien zufolge kann OPC verschiedene gesundheitliche Vorteile bieten.

Antioxidative und entzündungshemmende Wirkung bei Harnwegsinfektionen

Cranberries enthalten Proanthocyanidine (PACs) vom Typ A2, die möglicherweise für die Fähigkeit der PACs wichtig sind, sich an Proteine zu binden, wie z. B. Adhäsine, die auf den Fimbrien von E. coli vorhanden sind, von denen angenommen wurde, dass sie bakterielle Infektionen wie Harnwegsinfektionen (UTIs) hemmen.

Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2017 kam zu dem Schluss, dass Cranberry-Produkte die Häufigkeit von Harnwegsinfektionen signifikant reduzieren, was darauf hindeutet, dass Cranberry-Produkte bei Personen mit wiederkehrenden Infektionen besonders wirksam sein könnten.

Wirksamkeit gegen Krebs

Neben den antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften wurde auch beobachtet, dass OPC bei Darmkrebs das Wachstum von Dickdarmkrebszellen dosisabhängig hemmt. OPC können als Katalysatoren wirken, die die positiven Wirkungen der Vitamine A, C und E verstärken.

Wirksamkeit gegen Alzheimer

Forscher der Mount Sinai School of Medicine fanden heraus, dass Traubenkernextrakt die Plaquebildung als Vorstufe der Alzheimer-Krankheit und damit den typischen Gedächtnisverlust verhindern oder zumindest verzögern kann. Die Wirkung von OPC scheint durch das Vorhandensein anderer Substanzen günstig beeinflusst zu werden. Zu diesen Stoffen gehören neben Ascorbinsäure auch Taxifolin und Quercetin sowie weitere Bioflavonoide. Nur etwa 80 % reines Taxifolin enthält neben anderen Polyphenolen auch OPC und hat ein breites Spektrum an Wirkungen auf den menschlichen Organismus.

Noch unklarer Wirkmechanismus

OPC werden je nach Zusammensetzung in unterschiedlichem Maße resorbiert, unterliegen aber nach der Resorption einer teilweisen Metabolisierung, so dass nicht das gesamte zugeführte OPC in aktiver Form im Blut zur Verfügung steht. Die im Blut befindlichen OPC unterscheiden sich daher chemisch von den mit der Nahrung zugeführten OPC. So ist noch nicht abschließend geklärt, ob mögliche Metaboliten, die durch bakterielle Zersetzung im Darm oder durch den menschlichen Stoffwechsel gebildet werden, die eigentlichen Wirkstoffe sind.

OPC-Aufnahme über Lebensmitteln

Nahrungsergänzungsmittel sind als Darreichungsform nicht der Weisheit letzter Schluss. So kosten zum Beispiel 100 Gramm OPC in Form von Traubenkernkapseln im Durchschnitt 14 Euro. Das darin enthaltene Traubenkernmehl kostet im Kilo jedoch nur um die 30 Euro und lasst sich problem dem täglichen Smoothie hinzufügen.

Experten zufolge liegt der OPC Tagesbedarf je Gesundheitssituation zwischen 100 – 500 mg (letzteres im Krankheitsfall).  OPC kann natürlich auch ganz normal über die tägliche Nahrung aufgenommen werden.

Die folgende Tabelle gibt den ungefähren mg-Gehalt an.

Proanthocyanidine-Gehalt in mg pro 100g Lebensmittel
Erdbeeren 62
Granny Smith Äpfel mit Schale 85
Pflaumen (mit Schale) 153
Mandeln 96
Blaubeeren 332
Haselnüsse 501
Dunkle Schokolade mit mindestens 80% Kakaogehalt 430
Traubenkerne/Traubenkernmehl 3540
Kakaobohnen 6530
Zimtrinde 8108

Quellen: Verbraucherzentrale, Dezember 2021, Wikipedia

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