Forscher bringen Schlaganfall-Risiko mit Umgebungslärm in Verbindung

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Torsten Lorenz, aktualisiert am 4. Oktober 2022, Lesezeit: 3 Minuten

Wann macht Lärm krank, welche Krankheiten können durch Lärm verursacht werden?

Gesundheitliche Auswirkungen von Lärm

Mit jedem Anstieg des Außenlärms um 10 Dezibel (dBA) erhöht sich das Schlaganfallrisiko für Menschen über 45 Jahren um sechs Prozent.

  • Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Wissenschaftlern der Université de Montréal in Kanada, die in der Zeitschrift Noise & Health veröffentlicht wurde.

Durchgeführt wurde die Längsschnittstudie von Larisa Inès Yankoty unter der Leitung von Professorin Audrey Smargiassi von der University of Montreal’s School of Public Health (ESPUM).

Gesundheitsdaten mit Lärmmessungen abgeglichen

Die Gesundheitsdaten einer Bevölkerungsgruppe von fast 1,1 Millionen Einwohnern von Montreal aus den Jahren 2000 bis 2014 wurden mit Lärmmessungen abgeglichen, die im selben Zeitraum von rund 200 Schallpegelmessern auf der Insel aufgezeichnet wurden.

Laut Inès Yankoty von der Université de Montréal haben zahlreiche Studien, vor allem in Europa, gezeigt, dass sich Lärm nachteilig auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit auswirkt.

In einigen dieser Forschungsarbeiten wurde ein Zusammenhang zwischen Lärmbelastung und der Häufigkeit von Herzinfarkten hergestellt, so die Wissenschaftlerin.

  • Die vorliegende Studie sei jedoch eine der wenigen, die einen Zusammenhang zwischen Lärm und dem Auftreten von Schlaganfällen herstelle.

Stärkerer Zusammenhang bei ischämischem Schlaganfall

In dem untersuchten Zeitraum wurden auf der Insel Montreal mehr als 25.000 Menschen wegen eines Schlaganfalls ins Krankenhaus eingeliefert, das sind 2,5 Prozent der Bevölkerung im Alter von 45 Jahren und älter.

Dabei gab es mehr als fünfmal so viele ischämische Schlaganfälle (mehr als 21.000) wie hämorrhagische Schlaganfälle (4.000). Ein ischämischer Schlaganfall entsteht, wenn ein Blutgerinnsel ein Blutgefäß im Gehirn verstopft, während bei einem hämorrhagischen Schlaganfall ein Blutgefäß im Schädel reißt.

In Montreal ist der Umgebungslärm in der Nähe von stark befahrenen Straßen am höchsten; die Studienergebnisse deuten daher darauf hin, dass Menschen, die in der Nähe von Hauptverkehrsadern leben, ein höheres Schlaganfallrisiko haben.

Smargiassi gibt zu bedenken, dass es sich um einen Zusammenhang zwischen Lärm und dem Risiko eines ischämischen Schlaganfalls handelt und nicht um eine Ursache-Wirkung-Beziehung.

Die statistischen Analysen sind unvollkommen und lassen nicht den Schluss zu, dass ein Schlaganfall speziell auf den Umgebungslärm zurückzuführen ist.

Diese Studie ergänzt einen internationalen Bericht, der im Juni vom Health Effects Institute veröffentlicht wurde.

Darin wurden 353 wissenschaftliche Artikel ausgewertet, die zwischen 1980 und 2019 zu den gesundheitlichen Auswirkungen der verkehrsbedingten Luftverschmutzung veröffentlicht wurden.

Wie beeinflusst Lärm den Körper und die Psyche?

Studien haben ergeben, dass Lärm über 40 dBA in der Nacht und 55 dBA am Tag zu Müdigkeit, Stress, Schlafstörungen, Stimmungsstörungen und/oder Herz-Kreislauf-Problemen führen kann.

Chronische Lärmbelastung zwischen 85 und 105 dBA birgt ein langfristiges Risiko für Hörverlust. Ab 105 dBA besteht ein unmittelbares Risiko von Tinnitus oder sogar Taubheit.

Quellen

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