Dr. Amalia Ionescu, aktualisiert am 26. März 2024, Lesezeit: 4 Minuten

Rauchen wird seit langem mit zahlreichen Gesundheitsrisiken in Verbindung gebracht, darunter Lungenkrebs, Herzerkrankungen und Atemwegserkrankungen. Jüngste Forschungsergebnisse haben jedoch eine weitere besorgniserregende Auswirkung des Rauchens ans Licht gebracht: den Zusammenhang mit der Zunahme von Bauchfett. Eine in der Fachzeitschrift Addiction veröffentlichte Studie hat ergeben, dass sowohl der Beginn des Rauchens als auch das lebenslange Rauchen zur Ansammlung von Bauchfett beitragen kann, insbesondere von viszeralem Fett – dem ungesunden Fett tief im Bauch, das mit einem höheren Risiko für verschiedene chronische Krankheiten wie Herzkrankheiten, Diabetes, Schlaganfall und Demenz in Verbindung gebracht wird.

Das Paradoxon von Rauchen und Körpergewicht

Es ist allgemein bekannt, dass Raucher im Vergleich zu Nichtrauchern ein geringeres Körpergewicht haben. Das bedeutet jedoch nicht, dass Raucher gegen die negativen Auswirkungen einer übermäßigen Fettansammlung immun sind. Tatsächlich haben Raucher häufig einen höheren Anteil an Bauchfett, einschließlich viszeralem Fett. Viszerales Fett ist nicht leicht sichtbar und kann selbst bei Personen mit einem scheinbar flachen Bauch vorhanden sein. Dieses versteckte Fett stellt ein erhebliches Risiko für die allgemeine Gesundheit dar.

Entschlüsselung des Zusammenhangs zwischen Rauchen und Bauchfett

Um den Zusammenhang zwischen Rauchen und Bauchfett besser zu verstehen, führten Forscher des NNF Center for Basic Metabolic Research der Universität Kopenhagen eine Studie durch, bei der eine statistische Analysemethode namens Mendelsche Randomisierung (MR) zum Einsatz kam. Bei diesem Ansatz werden die Ergebnisse verschiedener genetischer Studien kombiniert, um kausale Zusammenhänge zwischen einer Exposition (in diesem Fall Rauchen) und einem Ergebnis (Zunahme von Bauchfett) zu ermitteln.

In dieser Studie analysierten die Forscher genetische Daten aus europäischen Abstammungsstudien, in denen der Zusammenhang zwischen Rauchgewohnheiten und Körperfettverteilung untersucht wurde. Sie identifizierten spezifische Gene, die mit dem Rauchen in Verbindung stehen, und untersuchten, ob Personen mit diesen Genen unterschiedliche Muster der Körperfettverteilung aufwiesen. Die Forscher berücksichtigten auch andere Faktoren wie den Alkoholkonsum und den sozioökonomischen Hintergrund, um sicherzustellen, dass alle beobachteten Zusammenhänge zwischen Rauchen und Bauchfett ausschließlich auf das Rauchen selbst zurückzuführen sind.

Die Ergebnisse: Rauchen und Bauchfett

Die Studie ergab, dass sowohl der Beginn des Rauchens als auch das lebenslange Rauchen zu einer Zunahme des Bauchfetts führen kann, wie die Messung des Verhältnisses von Taille zu Hüfte zeigt. Außerdem handelt es sich bei der Art von Fett, die tendenziell zunimmt, in erster Linie um viszerales Fett und nicht um subkutanes Fett, das sich direkt unter der Haut befindet.

Der Hauptautor Dr. Germán D. Carrasquilla unterstreicht die Bedeutung dieser Studie und erklärte, dass frühere Studien anfällig für Verwechslungen waren, die auftreten, wenn eine unabhängige Variable die Ergebnisse beeinflusst. Durch die Verwendung genetischer Variationen im Studiendesign waren die Forscher jedoch in der Lage, diese Variablen besser zu kontrollieren. Der Einfluss des Rauchens auf das Bauchfett scheint unabhängig von anderen Faktoren wie dem sozioökonomischen Status, Alkoholkonsum, ADHS oder Risikoverhalten zu sein.

Implikationen für die öffentliche Gesundheit

Aus Sicht der öffentlichen Gesundheit unterstreichen diese Ergebnisse die Bedeutung groß angelegter Bemühungen zur Verhinderung und Reduzierung des Rauchens in der Allgemeinbevölkerung. Auf diese Weise kann nicht nur die Prävalenz rauchbedingter Krankheiten verringert werden, sondern es kann auch dazu beitragen, das viszerale Bauchfett zu reduzieren und das Risiko damit verbundener chronischer Krankheiten zu mindern. Die Bekämpfung eines großen Gesundheitsrisikos, wie z. B. des Rauchens, kann indirekt zur Verringerung eines anderen großen Gesundheitsrisikos beitragen.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Carrasquilla, G. D., et al. (2024) Estimating causality between smoking and abdominal obesity by Mendelian randomization. doi.org/10.1111/add.16454.
  2. https://en.wikipedia.org/wiki/Health_effects_of_tobacco
  3. https://en.wikipedia.org/wiki/Tobacco_smoking

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