Vasovagale Synkope: Wirkung von Yoga zur Vorbeugung von Ohnmachtsanfällen

Medizin News, Gesundheit und Forschung, Yoga

Torsten Lorenz, Beitrag vom 28. Dezember 2021

Was ist eine Vagovasale Synkope? Bei einer Ohnmacht oder vasovagalen Synkope handelt es sich um einen kurzen Bewusstseinsverlust, der durch eine verminderte Durchblutung des Gehirns verursacht wird.

Auslöser können langes Stehen, Angst, Schmerzen, der Anblick von Blut sowie eine schwüle, unangenehme Umgebung sein. Schätzungen zufolge erleidet etwa die Hälfte der Allgemeinbevölkerung im Laufe ihres Lebens einen solchen Schwindelanfall.

Wiederkehrende Ohnmachtsanfälle verursachen psychischen Stress, Angst, Depressionen und eine ständige Angst vor dem nächsten Anfall. Aufgrund der Unvorhersehbarkeit wird die Lebensqualität beeinträchtigt. In einigen Ländern ist es den Patienten außerdem nicht erlaubt, Auto zu fahren.

Ohnmachtsanfälle: Vasovagale Synkope verhindern

Wie lässt sich eine vasovagale Synkope verhindern? Geführte Yogaübungen sind zur Vorbeugung von Ohnmachtsanfällen bei Wiederholungspatienten wirksamer als herkömmliche Behandlungen.

Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsbericht, der in EP Europace, einer Zeitschrift der European Society of Cardiology (ESC), veröffentlicht wurde. Die geführte Yogatherapie war auch hinsichtlich der Verbesserung der Lebensqualität wirksamer als die Standardbehandlung.

Zur Vermeidung einer vasovagalen Synkope wird unter anderem empfohlen, ausreichend zu trinken, heiße, überfüllte Räume zu meiden, die Muskeln anzuspannen und sich hinzulegen.

Leider haben die meisten dieser Maßnahmen nur einen begrenzten Nutzen, was sich für die Patienten als sehr belastend erweist, so die Forscher.

Die vorliegende Studie war die erste randomisierte Studie, die geführte Yoga-Übungen als Behandlung für Patienten mit vasovagaler Synkope untersuchte.

Insgesamt wurden 100 Patienten mit mindestens drei Vorfällen von vasovagaler Synkope innerhalb des letzten Jahres in die Studie aufgenommen. Keiner der teilnehmenden Patienten wurde wegen einer Synkope behandelt, und keiner der Studienteilnehmer praktizierte zum Zeitpunkt der Teilnahme an der Studie Yoga.

Die Studienteilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip der Yoga- oder der Standardbehandlungsgruppe zugeteilt. Der Gruppe mit konventioneller Behandlung wurde geraten, täglich 6 bis 9 Gramm Salz und mehr als 3 Liter Wasser zu sich zu nehmen.

Bei den ersten Anzeichen einer Synkope sollten die Probanden körperliche Gegenmaßnahmen wie das Übereinanderschlagen der Beine und das Anspannen der Oberschenkel- und Gesäßmuskeln ergreifen.

Die Yogagruppe erhielt keine spezifischen Ratschläge zu Salz, Flüssigkeit oder körperlichen Gegendruckmaßnahmen. Sie wurden stattdessen in fünf bis sieben Sitzungen von einem zertifizierten Yogalehrer angeleitet, um ein 60-minütiges Yoga-Programm durchzuführen.

Das Yoga-Programm bestand aus Pranayama (Atmung), Asanas (Körperhaltungen) und Dhyana (Meditation). Anschließend wurden die Studienteilnehmer aufgefordert, in den folgenden 12 Monaten an mindestens fünf Tagen pro Woche 60 Minuten lang Yoga zu praktizieren.

Anschließend wurden die Studienteilnehmer gebeten, die Anzahl der Ohnmachtsanfälle während der Nachbeobachtung aufzuzeichnen. Die Lebensqualität der Probanden wurde zu Beginn der Studie sowie nach 3, 6 und 12 Monaten mit Hilfe des Fragebogens zum funktionellen Status der Synkope ermittelt.

In dem Fragebogen wurden die Teilnehmer gefragt, wie sich die synkopische Ohnmacht auf alltägliche Aktivitäten wie Autofahren, Einkaufen, Sport und die Beziehungen zu Familie und Freunden auswirkt, und sie wurden gebeten, ihre Ängste/Sorgen auf einer Skala von 1 bis 8 zu bewerten.

Das durchschnittliche Alter der Studienteilnehmer lag bei 33 Jahren, und mehr als die Hälfte waren Frauen. Vor der Studie betrug die durchschnittliche Dauer der synkopalen Erscheinungen 17 Monate, in denen die Patienten durchschnittlich 6,4 Blackouts hatten.

Im Vergleich zur konventionellen Behandlungsgruppe hatte die Yoga-Gruppe weniger Ohnmachtsanfälle und bessere Lebensqualitätswerte nach 3, 6 und 12 Monaten. Die Standardbehandlungsgruppe meldete 3,8 Ohnmachtsanfälle während der 12-monatigen Nachbeobachtungszeit, während die Yogagruppe 1,1 Anfälle verzeichnete.

Laut Studienautor Professor Jayaprakash Shenthar vom Sri Jayadeva Institute of Cardiovascular Sciences and Research zeigen sich die Vorteile des angeleiteten Yoga-Programms sich bereits drei Monate nach Beginn der Therapie und blieben auch nach sechs und zwölf Monaten erhalten.

Vorläufige Belege deuten darauf hin, dass die Atem- und Meditationsaspekte des Yoga eine positive Wirkung auf das autonome System haben, während die Asanas den Gefäßtonus verbessern – beides könnte demnach die Ansammlung von Blut in den unteren Körperregionen durch Schwerkraft verhindern.

Quellen: European Society of Cardiology / Jayaprakash Shenthar et al, A randomized study of yoga therapy for the prevention of recurrent reflex vasovagal syncope, EP Europace (2021). DOI: 10.1093/europace/euab054

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