Schluckangst: Was ist Phagophobie und wie kann man sie überwinden?

Krankheiten und Krankheitsbilder, Psychische Gesundheit

Medizin Doc Redaktion, aktualisiert am 16. Juni 2023, Lesezeit: 7 Minuten

Schluckangst überwinden und besiegen: Was ist Phagophobie?

Phagophobie, auch Schluckangst genannt, ist die Angst vor dem Essen und genauer vor dem Schlucken. Es ist eine Erkrankung, die der Gruppe der spezifischen Ängste zuzuordnen ist (in Angrenzung zu Panikstörung, der generalisierten Angststörung und der Anorexia nervosa).

  • Die Angst vor dem Ersticken: Menschen mit Schluckangst befürchten häufig, dass sie bei der Einnahme von Medikamenten, Lebensmitteln oder Flüssigkeiten ersticken könnten.

Phagophobie – eine spezifische Phobie

Phagophobie (Schluckangst) ist eine der spezifischen Phobien. Das Wort Phagophobie leitet sich von den griechischen Wörtern Phagein, was „essen“ bedeutet und von Phobos, was Angst bedeutet ab.

Von einer Phagophobie betroffene Menschen haben große Angst vor dem Essen (Schluckangst beim Essen) oder vielmehr vor dem Schlucken. Patientinnen und Patienten mit einer solchen Störung haben Angst davor zu Ersticken, wenn sie Lebensmittel, Medikamente oder Flüssigkeiten (Schluckangst beim Trinken) zu sich nehmen wollen.

Was sind die Ursachen einer Phagophobie?

Wie entsteht Schluckangst? Eine Phagophobie (Schluckangst) kann durch viele verschiedene Faktoren verursacht werden.

Die Ursachen dieser Phobie zu bestimmen kann schwierig sein, da einige Patienten nicht mit Bestimmtheit sagen können, welches Ereignis oder welche Erlebnisse die Angst vor dem Schlucken ausgelöst hat oder haben.

Es kommt vor, dass die Symptome einer Phagophobie bei Patienten auftreten, die traumatische Erfahrungen hinter sich haben, beispielsweise ein durch das Verschlucken eines Gegenstandes durchlebtes Erstickungsgefühl oder andere belastende Lebensereignisse wie Kindheitserinnerungen von Opfern häuslicher Gewalt.

Die Angst vor dem Schlucken kann auch auf eine Erkrankung zurückgehen, die eng mit Schluckproblemen zusammenhängt. Phagophobie oder Schluckangst ist nicht selten Zwängen, Angststörungen oder Panikstörungen assoziiert, die die Psyche betreffen..

Symptome: Wie erkennt man Schluckangst?

Die Symptome der Phagophobie können physischer, kognitiver oder verhaltensbezogener Natur sein. Patienten mit körperlichen Symptomen können unter Beschwerden wie etwa Atemnot, Schwindel, Kopfschmerzen, Schwitzen, Erbrechen, erhöhtem Muskeltonus und/oder Bauchschmerzen leiden.

Auf der kognitiven Ebene treten bei einer Schluckangst leicht unterschiedliche Symptome auf. Menschen mit Phagophobie versuchen Essen oder Trinken möglichst zu vermeiden, da sie die Angst vor dem ersticken lähmt.

  • Die Betroffenen befürchtet, durch das Schlucken beziehungsweise Verschlucken von Gegenständen zu ersticken.

Symptome einer Schluckangst auf Verhaltensebene beinhalten üblicherweise das Vermeiden von Schlucken von Tabletten, fester oder flüssiger Nahrung aber auch Getränken. Betroffene vermeiden es, in ein Restaurant zu gehen, Familienfeiern abzuhalten oder gemeinsam mit Freunden zu Abend zu essen.

Weitere Symptome bei Schluckangst können beispielsweise sein: Probleme mit dem Würgereflex, erhöhter Speichelfluss, häufiges Räuspern und/oder das Gefühl, einem „Kloß im Hals“ im Hals zu haben.

Diagnose und Behandlung bei Phagophobie

Wie lässt sich Schluckangst besiegen? Der Diagnose und Behandlung von Phagophobie (Schluckangst) muss ein ausführliches, sorgfältiges und zuverlässiges medizinisches Gespräch (Anamnese) vorausgehen.

Die Aufgabe des Spezialisten besteht darin, festzustellen, ob der Patient oder die Patientin nicht mit Essstörungen, wie beispielsweise Bulimie oder Magersucht, zu kämpfen hat und ob er nicht an affektiven Störungen leidet, die häufig zu Essstörungen führen.

  • Andere Ursachen wie eine Schluckstörung (Dysphagie) sollten ebenfalls ausgeschlossen werden. Was kann man tun, um die Angst vorm Schlucken zu überwinden?

Schluckangst überwinden: Was kann man gegen Phagophobie tun?

Tipps um Schluckangst zu besiegen: Bei der Behandlung von Phagophobie (Schluckangst) wird eine geeignete psychotherapeutische Therapie und eine ernährungstherapeutische Behandlung empfohlen, vorzugsweise ein kognitiv-verhaltensbezogener Ansatz.

Zusätzlich können Betroffene eventuell von einer Expositionstherapie- und Entspannungstechniken profitieren.

Die wissenschaftliche Forschung über Schluckangst (Phagophobie) ist nur sehr spärlich, und es gibt keine spezifischen Behandlungsmethoden für diese lebensbedrohliche Erkrankung.

Erfahrungsberichte zur Überwindung von Schluckangst

Erfahrungsbericht eines 15-jährigen Mädchens, dem es gelungen ist, ihre Schluckangst zu überwinden: In der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Clinical Neuropharmacology beschreiben Forschende einen Fall von Schluckangst (Phagophobie) bei einem 15-jährigen Mädchen.

Das Kind konnte erfolgreich mit einem niedrig dosiertem atypischen Neuroleptika (angezeigt zur Behandlung von Schizophrenie, von mäßigen bis schweren manischen Phasen der Bipolar-I-Störung und zur Vorbeugung vor neuen manischen Episoden) als Augmentationstherapie behandelt werden.

Auslöser: Die Schluckangst begann nachdem das Mädchen mit ansehen musste, wie ihr Vater beim Essen einer Portion Hühnchen erstickte (Titel des Berichts: Phagophobia Successfully Treated With Low-Dose Aripiprazole in an Adolescent: A Case Report).

In einem zweitem Erfahrungsbericht/Fallbericht litt eine 25-jährige Frau aus Sri Lanka wiederholt unter Schluckbeschwerden und Schluckstörungen (Phagophobie, Angst vor dem Schlucken).

  • Nach der ersten Episode, die ein Jahr dauerte, stellte sie sich den Ärzten des National Hospital of Sri Lanka, University Psychological Medicine Unit in Sri Lanka vor, weil sie eine Woche lang nicht schlucken konnte.

Sie war auf flüssige und halbfeste Nahrung angewiesen. Das Ärzteteam konnte eine organische Ursache sicher ausschließen. Die Patientin hatte Schwierigkeiten, feste Nahrung zu schlucken und zeigte ein ähnliches Verhalten beim Schlucken von Wasser und kleinen Mengen.

Die Patientin hatte auch Schwierigkeiten, in Gegenwart anderer zu essen. Sie beschäftigte sich mit Vorurteilen (Irrtümern, Missverständnissen) gegenüber Lebensmitteln und Magen-Darm-Erkrankungen wie Gastritis.

Die Symptomatik wurde bald zu einem ungünstigen (maladaptiven) Bewältigungsmechanismus, da das Symptom auftrat, wenn die Patientin gestresst war und Schwierigkeiten hatte, ein Problem zu lösen.

Die Patientin wurde mit abgestufter Exposition (Expositionstherapie für Ängste) und kognitiven Verfahren behandelt.

Auch wenn selten, sollte die Möglichkeit einer psychologischen Ursache für Dysphagie (Schluckstörung, Schluckangst) nach Ansicht der Ärztinnen und Ärzte des National Hospital of Sri Lanka nicht außer Acht gelassen werden.

Obwohl keine klar definierten Behandlungsmethoden für Phagophobie (Schluckangst) beschrieben sind, können kognitiv-verhaltenstherapeutische Techniken erfolgreich zur Behandlung und Überwindung von Schluckangst eingesetzt werden.

Bewältigungsstrategien bei Schluckangst (Phagophobie)

Neben fachärztlicher Hilfe bei Phagophobie können Betroffene gegebenenfalls zusätzlich versuchen, ihre Ängste durch Bewältigungstechniken selbst zu überwinden.

Aufgrund der Verkrampfung der Rachenmuskulatur (Kehlkopfmuskulatur) während eines Angstanfalls konzentrieren sich die meisten Bewältigungsstrategien darauf, Ruhe zu bewahren.

Was kann man also tun?

  • Suchen Sie nach einer Möglichkeit der Ablenkung: Für einige Menschen ist es eine willkommene Ablenkung, während des Essens fernzusehen oder Musik zu hören, wodurch das Kauen und Schlucken zu einer weniger intensiven Erfahrung wird.
  • Kleine Bissen zu sich nehmen: Bei kleinen Bissen von Speisen oder kleinen Schlucken von Flüssigkeit fällt das Schlucken leichter als bei großen Portionen.
    Die Nahrung sorgfältig kauen: Wer sein Essen gut kaut, kann es leichter schlucken, was wiederum dazu beitragen kann, die Ängste zu verringern.
  • Verzehren Sie weiche Lebensmittel: Weiche Lebensmittel reizen den Hals weniger als harte, kratzende Lebensmittel. Durch ausprobieren kann man herausfinden, welche Lebensmittel man am besten verträgt.
  • Zwischen den einzelnen Bissen Flüssigkeit trinken: Wenn man bei jedem Bissen einen Schluck Flüssigkeit zu sich nimmt, wird der Schluckvorgang erleichtert.

Was ist eine Phobie?

Phobie (griechisch phóbos) ist ein Wort, das aus der griechischen Sprache stammt. Wörtlich übersetzt bedeutet es Angst oder Furcht. Eine Phobie ist eine neurotische Störung und ihr Symptom ist die anhaltende Angst vor bestimmten Situationen, Phänomenen oder Objekten.

Beispielsweise kann eine Spinne (Arachnophobie), eine Katze (Ailurophobie ) oder ein Hund (Zynophobie) ein Auslöser sein. Leider ist noch nicht bekannt, was tatsächlich zur Entwicklung einer phobischen Reaktion genau beiträgt.

Quellen

  • Çolak Sivri, Rukiye MD*; Hizarcioğlu Gülşen, Hayriye MD; Yilmaz, Arzu MD. Phagophobia Successfully Treated With Low-Dose Aripiprazole in an Adolescent: A Case Report. Clinical Neuropharmacology 41(4):p 148-150, 7/8 2018.  DOI: 10.1097/WNF.0000000000000288
  • Suraweera C, Hanwella R, de Silva V. Phagophobia: a case report. BMC Res Notes. 2014 Aug 27;7:574. doi: 10.1186/1756-0500-7-574

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

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