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Interview-Reihe „Yoga, Meditation und Achtsamkeit“ (Teil 1)

Interview-Reihe „Yoga, Meditation und Achtsamkeit“ (Teil 1)

Meditation, Medizin News, Gesundheit und Forschung

Ein Beitrag der Medizin Doc Redaktion vom 5. Dezember 2020

Ein Gespräch mit Miko Ramelow, Yogalehrerin und Mindfulness Coach.

Was bedeutet meditieren?

Im Wesentlichen ist Meditation eine Möglichkeit, sein überstimuliertes Nervensystem zu beruhigen, sich von seinen Gedanken zu lösen, das Ego loszulassen und sich mit Energien innerhalb und außerhalb seines physischen Körpers zu verbinden.

Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass während der Meditation der Geist frei von Gedanken sein soll. Das ist kein Ziel, das man verfolgen sollte. Vor allem nicht wenn man mit dem Meditieren gerade erst angefangen hat. Am Ende wird man sich sonst meist nur noch gestresster und frustrierter fühlen als vor der Meditationsübung, da man das Gefühl haben könnte, „gescheitert“ zu sein.

Beim Meditieren geht es nicht darum, all seine Gedanken loszuwerden. Man lernt stattdessen wie man die Kontrolle über sie gewinnt. Oft reagiert man im Leben auf die Emotionen die in einem aufsteigen. Diese Kurzschlussreaktionen werden durch regelmäßige Meditationensequenzen und Achtsamkeitsübungen drastisch reduziert. In der Gegenwart reagiert man somit weniger impulsiv, fühlt sich von der Zukunft nicht mehr so sehr gestresst und man grübelt seltener über die Vergangenheit nach. Man lernt das hier und jetzt in vollen Zügen zu genießen.

Bildhaft gesprochen, kann man Meditation so beschreiben: Stell dir vor, du sitzt in einem kleinen Boot, blickst auf die aufgewühlte Oberfläche eines Sees und versuchst dein Spiegelbild auf der unruhigen Wasseroberfläche des Sees zu betrachten. Du wirst deine Gesichtszüge nicht erkennen und vielleicht nicht einmal dich selbst. Damit man sein eigenes Spiegelbild deutlich sehen und erkennen kann, muss sich das Wasser beruhigen. Die Wellen stellen dabei die eigenen tosenden Gedanken und Gefühle dar, während das Spiegelbild das zufriedene, gelassene und glückliche Selbst zeigt. Diese ausgleichende und entspannte Seite von sich kann man erst dann wirklich sehen, wenn sich der Geist beruhigt hat.

Warum soll ich meditieren?

Meditation ist für mich mittlerweile so wichtig für den Geist, wie Sauerstoff für Zellen. Es belebt, gibt einem Kraft und Vitalität, entspannt, verschafft einem mehr Klarheit, beruhigt und kann sogar die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren. Diese positiven Auswirkungen auf Geist und Körper wurden in einer Vielzahl von wissenschaftlichen Studien belegt (unter anderem von Max-Planck-Institut und der Harvard Universität), die die positive Wirkung von Meditation und Achtsamkeit untermauern. Egal welche Art der Meditation man praktiziert, nicht nur das eigene Wohlbefinden und die eigene innere Zufriedenheit wird durch Meditation gesteigert sondern auch die zwischenmenschlichen Beziehungen können eine deutliche Verbesserung erleben.

Wie fühlt man sich wenn man meditiert?

Man fühlt sich immer anders. Mal hat man einen Tag, an dem man von Gedanken überströmt wird und während der Meditation mehr das Gefühl hatte, mit seinen Alltagsproblemen beschäftigt gewesen zu sein, als das man wirklich meditiert hat.

An anderen Tagen wiederum fällt es einem leicht, seine Gedanken los zu lassen. Durch eine regelmäßige Meditationsroutine, lernt man jedoch, mit beiden Situationen umzugehen und wird immer entspannter. Man lernt Erwartungen los zu lassen, geduldig mit sich selbst und anderen zu sein, das zu akzeptieren worüber man keine Kontrolle hat und mehr den jetzigen Moment zu leben und zu genießen.

Solange man den Fluss der Meditation einfach fließen lässt und sich keine Ziele setzt, kann jede Sitzung zu tiefer Entspannung, Ausgeglichenheit und sogar zu einer Art Bewusstseinserweiterung führen.

Kann man im Bett meditieren?

Ja, jedoch ist es empfehlenswert sich bei der Meditation aufrecht hin zu setzten, damit man nicht mitten drin einschläft. Für Menschen die Schwierigkeiten haben zu schlafen, kann eine geführte Meditation im Liegen aber sehr vorteilhaft sein.

Was benötigt man zum Meditieren?

Nichts. Theoretisch kann man sich zu jeder Zeit in Meditation versetzen. Ob man steht, geht, liegt, sitzt oder tanzt. Man braucht nichts außer einen sicheren und bestenfalls ruhigen Platz. Praktisch ist es aber ganz nützlich einen Wecker mit sanften Weckton oder eine Meditations-App zur Hand zu haben, die man auf wenige Minuten einstellen kann. Das befreit einen vom dem Bedürfnis, ständig auf die Uhr schauen zu wollen, um zu kontrollieren ob die Zeit schon verstrichen ist.

Wie lange und wie oft sollte man meditieren?

Es gibt mehrere Studien die eine deutliche Wirkung von Meditation zeigen, wenn die Dauer circa 10 Minuten beträgt. Für jeden der mit Meditation anfängt, ist es jedoch wichtig, sich langsam an das Thema heranzutasten, da man sonst schnell die Geduld verlieren kann.

Dieser Prozess kann mehrere Monate dauern. Das wichtige ist, dass man eine Routine entwickelt und das macht man am besten in kleinen Schritten. Anfangs kann es auch nur eine Minute sein, die man jeden Morgen meditiert. Später fängt man dann an, sich täglich zweimal am Tag für eine Minute hin zu setzen und zu meditieren oder man steigert die Zeit einer Meditation auf zwei Minuten.

Beständigkeit ist hierbei der wichtigste Aspekt, weshalb es wichtig ist sich realistische Ziele zu setzen. Auch motivieren kurze Meditations-Sequenzen eher, da es sehr viel einfacher ist, sich täglich ein bis zwei Minuten Zeit zum meditieren zu nehmen. Dabei kommt noch ein zusätzliches Erfolgserlebnis hinzu: Oft überschreitet man automatisch die Zeit die man sich vorgenommen hat.

Was man vor allem beachten sollte, wenn man meditiert, ist, dass man es in Kombination mit Achtsamkeit ausüben sollte. In seinem Buch: “A monks guide to happiness” erklärt Gelong Thubten wie wichtig es ist, auch im Alltag mehr im Hier und Jetzt präsent zu sein. 10 Minuten morgens meditieren bringen seiner Meinung nach, herzlich wenig, wenn man die restliche Zeit des Tages wie ein Roboter durch die Welt spaziert. Wenn man sich jedoch immer wieder auch der Gegenwart mit all einen Sinnen bewusst wird und ohne zu Urteilen das Hier und Jetzt erlebt, verlängert man die Wirkung der morgendlichen Meditation.

Wie integriere ich Meditation in meinen Alltag?

Um Meditation in seinen Alltag einzubauen, braucht man eine Routine. Das heißt nicht, dass der ganze Tag durchgeplant werden muss, man sollte sich jedoch ein Zeitfenster im Tag fest einplanen welches eingehalten wird. Wie groß dieser Zeitrahmen ausfällt, ist dir überlassen. Fang klein an, aber bleib regelmäßig dabei und nutze deine neu erschaffene “Me-Time” um Dinge zu tun die dir dabei helfen zu wachsen, mehr zur Ruhe zu kommen, die dir Energie geben, dich glücklich machen und/oder dich mehr zu dir zurück holen. Wenn du ganz neu mit meditieren anfängst, kannst du zunächst auch mit einer kurzen einminütigen Meditationen starten. Achte auch darauf, über den Tag verteilt, Achtsamkeit zu üben. Stell dir dafür einen Timer und jedes Mal wenn er klingelt, achte genau auf deine jetzige Situation.

Ist Meditation spirituell?

Ob Meditation spirituell ist oder nicht, ist jedem selbst überlassen. Es gibt einige Formen von Meditationen, die man als spirituell betrachten kann aber auch viele, die überhaupt nichts mit Spiritualität zu tun haben. Man kann Meditation rein zum Stressabbau, gegen Panikattacken oder Depressionen einsetzen aber auch sehr viel tiefer in die seelische/spirituelle Welt eintauchen. Das entscheidet im Endeffekt jeder für sich.

Katia Miko Ramelow, Yogalehrerin und Mindfulness Coach

Miko Ramelow, Yogalehrerin und Mindfulness Coach

Miko Ramelow, Yogalehrerin und Mindfulness Coach, lebte lange Zeit in Indien und lernte bei zahlreichen Yogalehrern und ayurvedischen Ärzten unterschiedliche traditionelle indische Meditations- und Yogatechniken. Aus diesen Erfahrungen entwickelte sie das Opportyounity Life Program als auch ein Selbsthilfe Journal. Diese helfen dabei, durch die Integration alter und zeitgenössischer Selbstpflegetechniken in einen modernen Lebensstil Stressfaktoren zu reduzieren. Durch individuell angepasste Yoga-Sequenzen und visuellen Chakra-Meditationen konnte Miko bereits zahlreichen Menschen bei deren Schmerzproblemen, Schlafstörungen oder ihren stressbedingten Symptomen helfen.

Der Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

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