Brustkrebs – Hormonersatztherapie fördert nicht das erneute Auftreten von Brustkrebs

Gesundheitsnews, Medizin und Forschung, Krebsforschung

Torsten Lorenz, aktualisiert am 21. Juli 2022, Lesezeit: 4 Minuten

Wie hoch ist das Risiko eines erneuten Auftretens von Brustkrebs und wie hoch ist die Sterblichkeitsrate nach einer Hormonersatztherapie?

Östrogentherapie nach Brustkrebs?

Laut einer neuen Studie, die im Journal of the National Cancer Institute veröffentlicht wurde, steht die Hormontherapie für Frauen, die Brustkrebs überlebt haben in den Wechseljahren nicht im Zusammenhang mit dem Wiederauftreten von Brustkrebs, obwohl einige Wissenschaftler und Ärzte dies befürchten.

Frauen, die Brustkrebs überlebt haben, leiden häufig unter Hitzewallungen und nächtlichen Schweißausbrüchen sowie unter Scheidentrockenheit und Harnwegsinfektionen.

Solche Symptome verschlechtern die Lebensqualität und können Patientinnen dazu bewegen, die Therapie abzubrechen. Durch eine vaginale Östrogentherapie oder eine Hormontherapie in den Wechseljahren können diese Beschwerden gelindert werden.

Allerdings ist die Sicherheit der systemischen und vaginalen Östrogenanwendung bei Frauen, die ihren Brustkrebs überwunden haben, insbesondere bei Patientinnen mit Östrogenrezeptor-positiver Erkrankung, unklar.

Nachdem in zwei Studien in den 1990er Jahren ein erhöhtes Risiko für das Wiederauftreten von Brustkrebs nachgewiesen wurde, raten viele Ärzte Frauen, die Brustkrebs überwinden konnten, von einer Hormontherapie in den Wechseljahren ab.

Obwohl nachfolgende Studien keinen Anstieg des Rückfallrisikos nachweisen konnten, wiesen diese Studien schwerwiegende Einschränkungen auf, darunter kleine Stichprobengrößen und kurze Nachbeobachtungszeiträume.

Erneutes Auftreten von Brustkrebs

In der vorliegenden Studie untersuchten Forscher in Dänemark den Zusammenhang zwischen einer Hormonbehandlung und dem Risiko eines erneuten Auftretens von Brustkrebs sowie der Sterblichkeit in einer großen Gruppe von dänischen postmenopausalen Frauen, die wegen eines Östrogenrezeptor-positiven Brustkrebses im Frühstadium behandelt wurden.

Die Studie berücksichtigte Längsschnittdaten einer nationalen Gruppe postmenopausaler Frauen, bei denen zwischen 1997 und 2004 Brustkrebs im Frühstadium diagnostiziert wurde und die keine Behandlung oder eine fünfjährige Hormontherapie erhielten, wie sie im nationalen Verschreibungsregister Dänemarks ermittelt wurden.

Von den 8.461 Frauen, die vor der Brustkrebsdiagnose keine vaginale Östrogentherapie oder Hormontherapie in den Wechseljahren erhalten hatten, nahmen 1.957 beziehungsweise 133 nach der Diagnose eine vaginale Östrogentherapie oder Hormontherapie in den Wechseljahren in Anspruch.

Dabei fanden die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen kein erhöhtes Rückfall- oder Sterberisiko für diejenigen, die eine vaginale Östrogentherapie oder eine Hormontherapie in den Wechseljahren erhielten.

Die vorliegende, umfassende Patientenstudie von Forschenden der Odense University Hospital, des Copenhagen University Hospital und der Aarhus University ist den Wissenschaftlern zufolge hilfreich für differenzierte Diskussionen zwischen Ärzten und Patientinnen mit einer Brustkrebserkrankung über die Sicherheit der vaginalen Östrogentherapie.

Die Ergebnisse deuten den Forschenden zufolge darauf hin, dass Frauen, die und unter schweren genitalen Symptomen leiden, eine vaginale Östrogentherapie einnehmen können, ohne dass sich ihr Risiko für ein Wiederauftreten von Brustkrebs erhöht.

Gleichwohl ist Vorsicht geboten, wenn Frauen mit überstandenem Brustkrebs, die Aromatasehemmer einnehmen, eine vaginale Östrogentherapie in Erwägung ziehen, oder wenn sie eine Hormontherapie in den Wechseljahren in Betracht ziehen.

Quellen

Oxford University Press, Odense University Hospital, Copenhagen University Hospital, Aarhus University

Systemic or Vaginal Hormone Therapy After Early Breast Cancer: A Danish Observational Cohort Study / Søren Cold, MD, Frederik Cold, MD, Maj-Britt Jensen, MSc, Deirdre Cronin-Fenton, PhD, Peer Christiansen, MD, Bent Ejlertsen, MD / JNCI: Journal of the National Cancer Institute, djac112, https://doi.org/10.1093/jnci/djac112

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