Achtsamkeitstraining verbessert psychische Gesundheit

Gesundheitsnews, Medizin und Forschung, Psychische Gesundheit

M.A. Dirk de Pol, aktualisiert am 20. April 2024, Lesezeit: 8 Minuten

In der heutigen stressigen Welt ist es wichtiger denn je, sich um unsere geistige Gesundheit zu kümmern. Viele Menschen wenden sich dem Achtsamkeitstraining zu, um ihr allgemeines Wohlbefinden zu verbessern und inneren Frieden zu finden. Achtsamkeit, eine Praxis, die ihre Wurzeln in alten buddhistischen Traditionen hat, beinhaltet die Aufmerksamkeit für den gegenwärtigen Moment mit nicht wertendem Gewahrsein. Sie hat in den letzten Jahren stark an Popularität gewonnen, und das aus gutem Grund. Neurowissenschaftler untersuchen zunehmend die Auswirkungen von Achtsamkeitstraining auf die psychische Gesundheit, und die Ergebnisse sind vielversprechend.

Die Kraft des Achtsamkeitstrainings

Achtsamkeitstraining ist im Wesentlichen ein Aufmerksamkeitstraining. Indem wir lernen, unsere Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment zu richten, können wir unser Gehirn darauf trainieren, unsere Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen besser wahrzunehmen. Erika Nyhus, eine kognitive Neurowissenschaftlerin vom Bowdoin College, erklärt, dass Aufmerksamkeitstraining ein Mechanismus ist, mit dem wir unser Gehirn trainieren können, um die Wahrnehmung zu verbessern. Sie betont jedoch, dass es keine Abkürzungen gibt, um die Vorteile der Achtsamkeit zu erreichen – es braucht Übung.

Aufdeckung der neuronalen Mechanismen

Forscher auf dem Gebiet der kognitiven Neurowissenschaften arbeiten kontinuierlich daran, die neuronalen Mechanismen aufzudecken, die den Veränderungen zugrunde liegen, die durch das Achtsamkeitstraining im Gehirn auftreten. Sie erhoffen sich davon Erkenntnisse über die besten Praktiken für Menschen, die Achtsamkeit in ihr tägliches Leben einbauen wollen. Wenn die Wissenschaftler verstehen, wie sich Achtsamkeit auf das Gehirn auswirkt, können sie wirksamere Maßnahmen zur Behandlung von psychischen Erkrankungen wie Depression, Angst und Stress entwickeln.

Einstimmung auf die Interozeption

Eine wichtige Komponente des Achtsamkeitstrainings ist die Einstimmung auf die Interozeption, d. h. die Art und Weise, wie wir den inneren Zustand unseres Körpers wahrnehmen. Norman Farb, Forscher an der University of Toronto Mississauga, erklärt, dass die Interozeption bei Depressionen eine Rolle spielt, weil unsere Emotionen sowohl von viszeralen Körperempfindungen als auch von unserer kognitiven Bewertung dieser Empfindungen beeinflusst werden. Indem man die Aufmerksamkeit auf die inneren Empfindungen lenkt, kann Achtsamkeit helfen, Stimmungsstörungen wie Depressionen zu bewältigen.

Farb und seine Kollegen untersuchen, wie das Gehirn interozeptive Signale verarbeitet. Sie haben herausgefunden, dass ein Training, das sich auf die innere Aufmerksamkeit konzentriert, Menschen helfen kann, sich von tief verwurzelten Bewertungsgewohnheiten zu lösen und neue Empfindungen und Gefühle zu integrieren. Dieser Perspektivwechsel kann den Menschen helfen, ihre Beziehung zu sich selbst und zu ihrer Umwelt zu verbessern. In einer Neuroimaging-Studie wurde festgestellt, dass Personen, die die sensorische und motorische Verarbeitung hemmten, eine höhere Rückfallquote bei Depressionen aufwiesen. Bei denjenigen, die diese Verarbeitung beibehielten, war die Rückfallquote dagegen wesentlich geringer, was auf eine größere psychische Belastbarkeit hindeutet.

Achtsamkeit mit dem Atem

Die Achtsamkeit auf den Atem ist eine zentrale Übung im Achtsamkeitstraining. Farb und sein Team führten Studien durch, die speziell die Auswirkungen der Achtsamkeit auf den Atem auf das Gehirn untersuchten. Sie fanden heraus, dass die Aufmerksamkeit auf die äußeren Sinne die entsprechenden sensorischen Kortexe aktiviert, während die Aufmerksamkeit auf den Atem eher die Großhirnrinde deaktiviert, einschließlich der Regionen, die für das Urteilsvermögen und die kognitive Kontrolle zuständig sind. Dies deutet darauf hin, dass Achtsamkeitsübungen den Menschen dabei helfen können, ihren Geist zu beruhigen und sich von Grübeln und Urteilen zu befreien.

Anwendung von Achtsamkeit in der Technologie

Während die Forscher weiter erforschen, wie sich Achtsamkeit auf das Gehirn auswirkt, suchen sie auch nach Möglichkeiten, dieses Wissen in technologiegestützten Anwendungen einzusetzen. David Ziegler und sein Team von Neuroscape an der University of California, San Francisco, haben ein von der Meditation inspiriertes digitales Spiel namens MediTrain entwickelt. Die App basiert auf der Forschung zur Neuroplastizität und Aufmerksamkeitskontrolle. Klinische Studien und Tests haben gezeigt, dass die App die Aufmerksamkeit fördert und die Stressreaktivität verringert.

Yoga, Meditation und Entspannung
Symbolbild/Foto: Pixabay

MediTrain verwendet einen adaptiven Algorithmus, der den Schwierigkeitsgrad der Sitzungen auf der Grundlage der individuellen Leistung des Benutzers anpasst. Dieser personalisierte Ansatz gewährleistet, dass jeder Nutzer ein auf seine Bedürfnisse zugeschnittenes Training erhält. In einer Studie mit jungen Erwachsenen stellten die Forscher Verbesserungen der anhaltenden Aufmerksamkeit und des Arbeitsgedächtnisses fest, die in früheren Untersuchungen nur schwer zu erreichen waren. Diese Verbesserungen gingen mit positiven Veränderungen der neuronalen Signaturen der Aufmerksamkeitssteuerung einher.

Die Zukunft von Achtsamkeit und Meditation

Die Forscher, die ihre Ergebnisse auf der Jahrestagung der Cognitive Neuroscience Society vorstellten, sind begeistert von den potenziellen Vorteilen des Achtsamkeitstrainings für Einzelpersonen und Forscher gleichermaßen. Sie glauben, dass Achtsamkeitspraktiken auf breite Bevölkerungsgruppen ausgedehnt werden können und sich positiv auf die psychische Gesundheit auswirken. Als Praktiker haben sie die transformative Wirkung der Achtsamkeit selbst erfahren.

Es gibt zwar noch viel darüber zu lernen, wie der Einzelne auf Achtsamkeit reagiert und wie die optimale „Dosis“ der Praxis aussieht, aber die Technologie spielt eine entscheidende Rolle bei der Beantwortung dieser Fragen. Laufende Studien, wie z. B. eine landesweite Dosis-Wirkungs-Studie zu MediTrain bei älteren Erwachsenen, werden wertvolle Erkenntnisse über die Vorteile der digitalen Meditation liefern.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Achtsamkeitstraining ein wirkungsvolles Instrument zur Verbesserung der psychischen Gesundheit ist. Durch den Blick nach innen und die Kultivierung eines nicht wertenden Bewusstseins kann der Einzelne seine kognitiven Funktionen verbessern, Stimmungsstörungen bewältigen und Stress abbauen. Die laufende Forschung im Bereich der kognitiven Neurowissenschaften bringt Licht in die neuronalen Mechanismen, die diesen Veränderungen zugrunde liegen, und ebnet den Weg für wirksamere Achtsamkeitsinterventionen. Mit der fortschreitenden technologischen Entwicklung bieten digitale Anwendungen wie MediTrain zugängliche und bequeme Möglichkeiten, Achtsamkeit in unseren Alltag einzubauen. Die Zukunft von Achtsamkeit und Meditation sieht vielversprechend aus und hat das Potenzial, die psychische Gesundheit auf breiterer Ebene positiv zu beeinflussen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist Achtsamkeitstraining?

Achtsamkeitstraining ist eine Methode, die darauf abzielt, das Bewusstsein für den gegenwärtigen Moment zu schärfen, indem man sich auf die eigenen Gedanken, Gefühle, körperlichen Empfindungen und die Umgebung konzentriert, ohne sie zu bewerten oder zu beurteilen. Es stammt ursprünglich aus der buddhistischen Tradition, wurde aber in den letzten Jahrzehnten auch als therapeutische Technik in der westlichen Psychologie weit verbreitet.

Das Achtsamkeitstraining beinhaltet verschiedene Übungen und Techniken. Bei der Atemmeditation konzentriert man sich auf den Atem, indem man die Bewegung des Atems beobachtet und sich bewusst macht, wie er durch den Körper fließt.

Die Körper-Scan-Übung beinhaltet das systematische Scannen des Körpers von Kopf bis Fuß, um sich bewusst zu werden von körperlichen Empfindungen, Spannungen oder Unbehagen.

Beim achtsamen Essen wird die Aufmerksamkeit bewusst auf das Essen gerichtet, indem man die Farben, Texturen, Aromen und den Geschmack wahrnimmt und langsamer isst, um die Nahrungsaufnahme zu genießen und bewusster mit Hunger- und Sättigungssignalen umzugehen.

Achtsame Bewegung umfasst Übungen wie Yoga, Tai Chi oder einfache Dehnübungen, bei denen man sich auf die Bewegungen des Körpers und die Empfindungen während der Bewegung konzentriert.

Beim Alltagstraining können auch im Alltag achtsame Praktiken integriert werden, indem man sich bewusst auf jede Aktivität konzentriert, sei es das Gehen, das Zähneputzen oder das Geschirrspülen.

Die Vorteile von Achtsamkeitstraining umfassen eine verbesserte Stressbewältigung, erhöhte emotionale Ausgeglichenheit, verbesserte Konzentration und Aufmerksamkeit, eine gesteigerte Selbstakzeptanz und ein allgemeines Gefühl des Wohlbefindens. Es wird auch erfolgreich in der Behandlung von Angstzuständen, Depressionen, Essstörungen, chronischen Schmerzen und anderen psychischen und physischen Gesundheitsproblemen eingesetzt.

Wie wirkt sich das Achtsamkeitstraining auf die psychische Gesundheit aus?

Achtsamkeitstraining hat nachweislich positive Auswirkungen auf die psychische Gesundheit. Es kann helfen, Stimmungsstörungen wie Depressionen und Angstzustände zu bewältigen, das Stressniveau zu senken und die kognitiven Fähigkeiten zu verbessern. Durch die Kultivierung eines nicht wertenden Bewusstseins kann der Einzelne eine gesündere Beziehung zu seinen Gedanken und Gefühlen entwickeln.

Welche neuronalen Mechanismen liegen dem Achtsamkeitstraining zugrunde?

Forscher auf dem Gebiet der kognitiven Neurowissenschaften untersuchen die neuronalen Mechanismen, die den Veränderungen zugrunde liegen, die im Gehirn als Folge des Achtsamkeitstrainings auftreten. Sie haben herausgefunden, dass Achtsamkeit die sensorische und kognitive Verarbeitung beeinflussen kann, was zu einer Verbesserung der psychischen Belastbarkeit und des emotionalen Wohlbefindens führt.

Kann Achtsamkeitstraining in technologiebasierten Anwendungen eingesetzt werden?

Ja, Achtsamkeitstraining kann in technologiebasierten Anwendungen eingesetzt werden. Forscher haben digitale Plattformen und Apps wie MediTrain entwickelt, die Achtsamkeitsübungen enthalten. Diese Anwendungen bieten ein personalisiertes Training und haben vielversprechende Ergebnisse bei der Verbesserung der Aufmerksamkeit und der Verringerung der Stressreaktivität gezeigt.

Was ist die Zukunft von Achtsamkeit und Meditation?

Die Zukunft von Achtsamkeit und Meditation sieht vielversprechend aus. Laufende Forschungen und technologische Fortschritte werden auch in Zukunft wertvolle Erkenntnisse über den Nutzen von Achtsamkeitstraining liefern. Mit zunehmender Zugänglichkeit und personalisierten Ansätzen haben Achtsamkeitspraktiken das Potenzial, die psychische Gesundheit auf breiterer Ebene positiv zu beeinflussen.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Cognitive Neuroscience Society, 2024.
  2. Mindfulness, Wikipedia 2024.

ddp


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Wichtiger Hinweis: Der Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

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