M.A. Dirk de Pol, aktualisiert am 3. Februar 2024, Lesezeit: 8 Minuten

In einer bahnbrechenden Leistung haben Forscher an der University of Wisconsin–Madison erfolgreich funktionales menschliches Gehirngewebe im 3D-Druckverfahren hergestellt. Diese bemerkenswerte Errungenschaft hat bedeutende Auswirkungen auf das Gebiet der Neurowissenschaften und verspricht, unser Verständnis von neurologischen und neuroentwicklungsbedingten Störungen wie Alzheimer und Parkinson voranzutreiben.

Die Herausforderung beim Drucken von Gehirngewebe

Unter der Leitung von Professor Su-Chun Zhang entwickelte das Team innovative Druckverfahren, die es den Gehirnzellen ermöglichen, zu wachsen und miteinander zu kommunizieren und so das Verhalten von typischem Gehirngewebe nachzuahmen. Frühere Versuche, Gehirngewebe im 3D-Druckverfahren herzustellen, waren mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert. Traditionelle 3D-Druckverfahren umfassten das stapelweise Aufeinanderschichten von Schichten, was sich als begrenzend erwies, um funktionales Gehirngewebe zu erzeugen. Die Forscher an der UW–Madison gingen jedoch einen anderen Weg. Anstatt Schichten zu stapeln, arrangierten sie die Gehirnzellen horizontal, was ihnen ermöglichte, besser zu wachsen und miteinander zu interagieren.

Das innovative 3D-Druckverfahren

Das Team an der UW–Madison verwendete induzierte pluripotente Stammzellen (iPSCs), um Neuronen wachsen zu lassen, die dann in ein spezielles „Bio-Tinten“-Gel eingebettet wurden. Im Gegensatz zu früheren Versuchen bot dieses Gel eine weiche und unterstützende Umgebung für das Wachstum der Neuronen und die Bildung von Verbindungen. Die Zellen wurden nebeneinander angeordnet, ähnlich wie Bleistifte auf einem Tisch. Diese Anordnung ermöglichte einen optimalen Austausch von Sauerstoff und Nährstoffen zwischen den Zellen und erleichterte so ihr Wachstum und ihre Kommunikation.

Funktionales Gehirngewebe: Eine Revolution für die Neurowissenschaften

Die Ergebnisse dieses innovativen 3D-Druckverfahrens sind erstaunlich. Das gedruckte Gehirngewebe ist in der Lage, Verbindungen innerhalb und zwischen den Schichten zu bilden und Netzwerke zu schaffen, die denen im menschlichen Gehirn ähneln. Neuronen kommunizieren miteinander über Neurotransmitter und interagieren mit Stützzellen, was zur Bildung richtiger Netzwerke führt. Dieser Durchbruch bietet Forschern ein mächtiges Werkzeug, um zu untersuchen, wie Gehirnzellen und verschiedene Teile des Gehirns beim Menschen kommunizieren.

Potenzielle Anwendungen und zukünftige Auswirkungen

Die Präzision und Kontrolle, die dieses Druckverfahren bietet, übertrifft die von Gehirnorganoiden, die Miniaturorgane zur Erforschung des Gehirns sind. Die Möglichkeit, Gehirngewebe gezielt zu drucken, ermöglicht es Forschern, verschiedene Aspekte der Gehirnfunktion und -pathologie zu untersuchen. Das Gewebe kann verwendet werden, um die Signalübertragung zwischen Zellen bei Bedingungen wie dem Down-Syndrom, die Wechselwirkungen zwischen gesundem Gewebe und von Alzheimer betroffenem Gewebe und die Auswirkungen neuer Wirkstoffkandidaten zu untersuchen. Darüber hinaus eröffnet diese Technologie Möglichkeiten, das Wachstum und die Entwicklung des Gehirns in Echtzeit zu beobachten.

Zugänglichkeit und zukünftige Entwicklungen

Ein bemerkenswerter Aspekt dieses 3D-Druckverfahrens ist seine Zugänglichkeit. Die Verwendung von induzierten pluripotenten Stammzellen (iPSCs) ermöglicht es Forschern, menschliches Gehirngewebe in Laboren auf der ganzen Welt herzustellen. Dies eröffnet neue Möglichkeiten für die Zusammenarbeit und den Austausch von Wissen zwischen verschiedenen Forschungsgruppen. Darüber hinaus könnte diese Technologie in Zukunft dazu führen, dass personalisierte Gehirngewebe für individuelle Patienten hergestellt werden können, um Krankheiten besser zu verstehen und maßgeschneiderte Behandlungsansätze zu entwickeln.

In Bezug auf zukünftige Entwicklungen gibt es noch viel Raum für Fortschritte in der 3D-Drucktechnologie für Gehirngewebe. Forscher arbeiten daran, die Komplexität und Präzision des Druckverfahrens weiter zu verbessern, um noch realistischere Modelle des menschlichen Gehirns zu erzeugen. Die Integration von verschiedenen Zelltypen und die Nachbildung komplexer Gehirnstrukturen sind nur einige der Herausforderungen, die in den kommenden Jahren angegangen werden müssen.

Darüber hinaus könnten die Erkenntnisse aus der 3D-Drucktechnologie für Gehirngewebe auch dazu beitragen, neue Ansätze für die Behandlung von neurologischen Erkrankungen (wie zum Beispiel Parkinson, Multiple Sklerose, Meningitis oder Epilepsie) zu entwickeln. Durch die Untersuchung der Interaktionen zwischen Zellen und die Identifizierung von Schlüsselmechanismen könnten neue therapeutische Ziele identifiziert werden. Dies könnte zu innovativen Behandlungsansätzen führen, die das Potenzial haben, das Leben von Millionen von Menschen weltweit zu verbessern.

FAQ

Wie funktioniert der 3D-Druck von funktionalem menschlichem Gehirngewebe?

Beim 3D-Druck von funktionalem menschlichem Gehirngewebe werden induzierte pluripotente Stammzellen (iPSCs) verwendet, um Neuronen wachsen zu lassen. Diese Neuronen werden dann in ein spezielles Gel eingebettet, das eine unterstützende Umgebung für ihr Wachstum und die Bildung von Verbindungen bietet. Die Zellen werden horizontal angeordnet, um ein optimales Wachstum und eine optimale Kommunikation zu ermöglichen.

Welche Auswirkungen hat der 3D-Druck von funktionalem Gehirngewebe auf die Neurowissenschaften?

Der 3D-Druck von funktionalem Gehirngewebe hat bedeutende Auswirkungen auf die Neurowissenschaften. Er ermöglicht Forschern, die Kommunikation zwischen Gehirnzellen und die Bildung von Netzwerken genauer zu untersuchen. Dies kann zu einem besseren Verständnis neurologischer Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson führen und neue Ansätze für ihre Behandlung ermöglichen.

Welche potenziellen Anwendungen hat der 3D-Druck von funktionalem Gehirngewebe?

Der 3D-Druck von funktionalem Gehirngewebe hat vielfältige potenzielle Anwendungen. Es kann verwendet werden, um die Signalübertragung zwischen Zellen bei verschiedenen neurologischen Erkrankungen zu untersuchen, Wechselwirkungen zwischen gesundem und krankem Gewebe zu erforschen und die Auswirkungen neuer Medikamente zu testen. Darüber hinaus eröffnet diese Technologie die Möglichkeit, das Wachstum und die Entwicklung des Gehirns in Echtzeit zu beobachten.

Wie schneidet dieses neue 3D-Druckverfahren im Vergleich zu herkömmlichen vertikalen Schichtverfahren ab?

Die neue 3D-Druckmethode für Hirngewebe, bei der eine horizontale Schichtung und ein weicheres Biotintengel zum Einsatz kommen, bietet mehrere Vorteile gegenüber den herkömmlichen vertikalen Schichtungstechniken. Das 3D-Druckverfahren ermöglicht es den Neuronen, sich zu verflechten und Verbindungen zu bilden, wodurch die komplizierten Netzwerke im menschlichen Gehirn nachgeahmt werden. Im Gegensatz dazu bieten herkömmliche vertikale Schichtungstechniken möglicherweise nicht das gleiche Maß an Verbindungen zwischen Neuronen.

Das 3D-gedruckte Hirngewebe weist eine bemerkenswerte Funktionalität auf: Die Neuronen kommunizieren aktiv über Neurotransmitter, ähnlich wie bei natürlichen Gehirnprozessen. Dieser funktionelle Aspekt ist eine bedeutende Errungenschaft der neuen Methode. Die Präzision des 3D-Druckverfahrens ermöglicht die Kontrolle über die Anordnung und die Art der Zellen und bietet so ein genaueres Modell für Gehirnstudien als herkömmliche Hirnorganoide. Dieses Maß an Kontrolle ermöglicht es den Forschern, spezifische Aspekte der Gehirnfunktion und -kommunikation zu untersuchen.

Das 3D-gedruckte Hirngewebe bleibt dünn und gewährleistet eine optimale Nährstoff- und Sauerstoffzufuhr für das Wachstum und die Vernetzung der Neuronen. Dieser Aspekt ist entscheidend für die Lebensfähigkeit und Funktionalität des Gewebes. Die neue 3D-Druckmethode ist für viele Labore zugänglich und erfordert keine spezielle Ausrüstung oder Kulturmethoden, um das Gewebe gesund zu erhalten. Diese Zugänglichkeit erleichtert es den Forschern, die Technik in ihre Studien aufzunehmen und zu nutzen.

Wie könnte der 3D-Druck von Gehirngewebe in der Zukunft weiterentwickelt werden?

In Zukunft könnten Fortschritte in der 3D-Drucktechnologie dazu führen, dass noch realistischere Modelle des menschlichen Gehirns hergestellt werden können. Die Integration verschiedener Zelltypen und die Nachbildung komplexer Gehirnstrukturen sind nur einige der Herausforderungen, die angegangen werden müssen. Darüber hinaus könnten die Erkenntnisse aus dem 3D-Druck von Gehirngewebe neue Ansätze für die Behandlung von neurologischen Erkrankungen ermöglichen.

Welche zukünftigen Entwicklungen und Verbesserungen sind für diese Technologie geplant?

Die Forscher an der UW-Madison wollen ihre Biotinte und ihre Druckausrüstung weiter verbessern, um den Druck bestimmter Arten von Hirngewebe auf Anfrage zu ermöglichen. Sie planen auch, die Möglichkeit zu erforschen, andere Zelltypen einzubeziehen und komplexere Gehirnmodelle zu erstellen. Darüber hinaus wollen sie mit anderen Forschern und Institutionen zusammenarbeiten, um das Feld des 3D-gedruckten funktionellen Hirngewebes weiter voranzutreiben.

Schlussfolgerung

Die Errungenschaft des 3D-Drucks von funktionellem menschlichem Hirngewebe durch Forscher der University of Wisconsin-Madison stellt einen bedeutenden Meilenstein auf dem Gebiet der Neurowissenschaften dar. Dieser Durchbruch eröffnet neue Möglichkeiten für die Untersuchung von neurologischen Entwicklungsstörungen, die Erforschung von Zellsignalen, das Testen von Arzneimittelkandidaten und die Beobachtung von Wachstum und Entwicklung des Gehirns. Die vom Team entwickelte innovative Drucktechnik ermöglicht eine präzise Kontrolle über die Anordnung der Zellen und übertrifft damit die Grenzen herkömmlicher Gehirnorganoide. Die Weiterentwicklung dieser Technologie hat das Potenzial, unser Verständnis des menschlichen Gehirns zu revolutionieren und den Weg für neue Behandlungen und Therapien für neurologische Entwicklungsstörungen zu ebnen.

Quellen

  1. UW–Madison researchers first to 3D-print functional human brain tissue
  1. 3D bioprinting of human neural tissues with functional connectivity. Yuanwei Yan, Xueyan Li, Yu Gao, et al. Cell Stem Cell Journal, Feb 2024. DOI: https://doi.org/10.1016/j.stem.2023.12.009
  2. Revolutionary 3D-Printed Brain Tissue Mimics Human Function – Neuroscience News

ddp


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