Zysten verstehen und behandeln

Krankheiten und Krankheitsbilder

M.A. Dirk de Pol, aktualisiert am 08.08.2023, Lesezeit: 9 Minuten

Zysten sind ein verwirrendes medizinisches Phänomen, das Ärzte seit Jahrhunderten beschäftigt. In diesem Beitrag befassen wir uns mit den Feinheiten von Zysten und erforschen ihre Natur, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten. Indem wir dieses Thema beleuchten, hoffen wir, ein umfassendes Verständnis von Zysten und ihrer Behandlung zu vermitteln.

Was sind Zysten?

Zysten sind abnormale sackartige Strukturen, die sich in verschiedenen Geweben des Körpers entwickeln können. Die Größe dieser mit Flüssigkeit gefüllten oder halbfesten Wucherungen kann von winzig bis beträchtlich reichen und ihr Aussehen und ihre Konsistenz können je nach Standort und Zusammensetzung variieren. Obwohl sie überall im Körper auftreten können, kommen Zysten häufig in der Haut, den Eierstöcken, den Nieren und der Leber vor.

Eine Zyste kann als ein ausgeprägter, abgegrenzter Hohlraum beschrieben werden, der sich klar vom umliegenden Gewebe abhebt. Dieser Hohlraum ist das Resultat einer Zellaggregation, die einem Sack gleicht – vergleichbar mit der Formierung von Wassermolekülen zu einer Blase. Ein signifikantes Merkmal einer Zyste ist die Abweichung der das „Gehäuse“ bildenden Zellen von den normalen Zellen in derselben Region, sowohl in ihrer morphologischen Gestalt als auch in ihrem Verhalten. Eine Zyste kann verschiedene Inhalte aufweisen, darunter Luft, Flüssigkeiten oder halbfeste Substanzen. Eine Ansammlung von Eiter hingegen wird als Abszess und nicht als Zyste bezeichnet.

Nach ihrer Bildung kann eine Zyste auf natürliche Weise verschwinden. Sollte dies nicht der Fall sein, kann eine chirurgische Entfernung notwendig sein. Dies ist jedoch abhängig von der Art und Position der Zyste.

Zysten, die im Zusammenhang mit Krebs entstehen, sind das Resultat eines körperlichen Abwehrmechanismus, der nach der Entstehung von Mutationen in Gang gesetzt wird. Diese Mutationen führen zu einer unregulierten Zellteilung. Nach der Mutation teilen sich die betroffenen Zellen kontinuierlich und nehmen eine krebsähnliche Form an, was zur Bildung eines Tumors führt. Der Körper versucht, diese Zellen einzukapseln, um eine weitere Teilung zu verhindern und den Tumor zu isolieren – eine solche Kapsel wird als Zyste bezeichnet. Es besteht jedoch das Risiko, dass die Krebszellen weiter mutieren und die Fähigkeit entwickeln, eigene Blutgefäße zu bilden, aus denen sie Nahrung beziehen, bevor sie vollständig eingekapselt sind. Wenn dies eintritt, wird die Kapsel ineffektiv und der Tumor kann sich von gutartig zu bösartig entwickeln.

Manche Zysten sind neoplastisch und werden daher als zystische Tumoren klassifiziert. Es gibt jedoch auch viele Zystenarten, die nicht neoplastisch, sondern dysplastisch oder metaplastisch sind. Pseudozysten teilen zwar die Charakteristik eines mit Flüssigkeit gefüllten Sacks, besitzen jedoch keine epitheliale Auskleidung.

Die verbreitetsten Arten von Zysten

Zu den häufigsten Arten von Zysten ghehören:

  1. Bakerzyste: Charakterisiert als flüssigkeitsgefüllte Ausbuchtung in der Kniekehle, entsteht eine Bakerzyste durch eine erhöhte Produktion von Synovialflüssigkeit innerhalb der Kniegelenkskapsel. Diese kann durch chronische Krankheiten wie Rheuma oder vorherige Verletzungen des Kniegelenks ausgelöst werden. Patienten können eine tastbare Schwellung in der Kniekehle wahrnehmen, die zunächst asymptomatisch ist. Wenn die Zyste jedoch auf Blutgefäße und Nerven drückt, kann dies schmerzhafte Bewegungen verursachen. Ambulante Behandlungsmöglichkeiten wie entzündungshemmende Salben, Physiotherapie und bewusste Ruhephasen können helfen. Bei fortgesetzter Schwellung können jedoch eine Punktion oder eine Operation erforderlich sein, um die Zyste zu entfernen.
  2. Ovarialzyste: Medizinisch als Eierstockzyste bekannt, handelt es sich dabei um eine harmlose Kapselbildung an den Eierstöcken, die ab der Pubertät bis zur Menopause auftreten kann. Oft bleibt diese wenige Zentimeter große, symptomfreie Zyste unbemerkt und bildet sich normalerweise selbst zurück. Sie wird meist bei Routineuntersuchungen in gynäkologischen Praxen entdeckt. Schmerzen im Unterbauch können jedoch auf eine vergrößerte Zyste hindeuten, die auf umliegende Organe drückt. Einige dieser Verkapselungen können Hormone ausscheiden, was zu Durchblutungsstörungen und einem unregelmäßigen, schmerzhaften Menstruationszyklus führen kann.
  3. Atherom: Eine Atheromzyste, auch als Grützbeutel bekannt, entsteht durch verstopfte Drüsen unter der Kopfhaut. Diese halbkugelförmige Ausbuchtung kann die Größe eines Hühnereis erreichen und ist mit abgestorbenem Hornmaterial gefüllt. Sie kann sich oft selbst zurückbilden, aber bei Schmerzen oder kosmetischen Bedenken kann sie durch einen kleinen chirurgischen Eingriff entfernt werden.
  4. Hirnzysten: Diese sind abgegrenzte Hohlräume im Hirngewebe, die leer oder mit Flüssigkeit gefüllt sein können. Sie sind in der Regel gutartig und bedürfen nur in seltenen Fällen einer Behandlung. Zysten, die aufgrund einer Hydrozephalus-Entwicklung entstehen, erfordern eine sofortige Operation, um eine Anstauung von Zerebrospinalflüssigkeit zu verhindern.
  5. Leberzysten: Diese werden meist bei einer Ultraschalluntersuchung entdeckt, da sie in der Regel asymptomatisch sind. In seltenen Fällen können sie Schmerzen verursachen. In der Regel weisen sie auf mögliche Krankheiten hin, wie z.B. den Fuchs- oder Hundebandwurm. Eine Zystenleber besteht aus mehreren genetisch bedingten Zysten innerhalb der Leber. Diese angeborene Form der Verkapselung muss stets medizinisch behandelt werden.
  6. Nierenzyste: Solche Zysten entstehen durch Flüssigkeitsansammlungen im Nierengewebe. Sie sind normal und bilden sich oft selbst zurück. Zystennieren hingegen sind eine der häufigsten vererbbaren Nierenerkrankungen und erfordern immer eine medizinische Behandlung.
  7. Brustzyste: Diese ist ein tastbarer Knoten, der meist ein gutartiges Geschwulst ist. Sie kann sich durch Milchstau während der Stillzeit oder hormonelle Veränderungen während der Pubertät oder Menopause bilden. Sie ist meist schmerzfrei und bildet sich oft selbst zurück. Jeder tastbare Knoten sollte jedoch von einem Gynäkologen untersucht werden.
  8. Kieferzysten: Entzündungen im gesamten Mundraum können zur Bildung einer oder mehrerer Zysten im Kiefer führen. Diese verursachen oft keine Schmerzen oder Beschwerden, müssen aber bei Entdeckung durch einen Zahnarzt chirurgisch entfernt werden.

Ursachen von Zysten

Zysten können durch eine Vielzahl von Faktoren entstehen und ihre Entstehung hängt oft mit Grunderkrankungen oder genetischen Veranlagungen zusammen. Zu den häufigsten Ursachen gehören Verstopfungen der Kanäle oder Drüsen, Infektionen, chronische Entzündungen oder Anomalien während der Entwicklung des Fötus.

Es gibt eine Vielzahl von Zystentypen, von denen jeder seine eigenen Merkmale und möglichen Komplikationen aufweist. Talgzysten entstehen beispielsweise, wenn die Talgdrüsen verstopfen und sich dadurch ölige Substanzen ansammeln. Andererseits sind Eierstockzysten mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen, die sich in den Eierstöcken entwickeln können, oft als Folge von hormonellen Ungleichgewichten oder strukturellen Anomalien.

Behandlungsmöglichkeiten bei Zysten

Die Behandlung von Zysten hängt in erster Linie von ihrer Größe, Lage und möglichen Komplikationen ab. In den meisten Fällen erfordern kleine, asymptomatische Zysten keine Behandlung und können unter Beobachtung belassen werden. Bei größeren oder unangenehmen Zysten ist jedoch ein ärztlicher Eingriff notwendig.

Ein häufig angewandter Behandlungsansatz ist die Aspiration, bei der ein medizinisches Fachpersonal mit einer feinen Nadel die Flüssigkeit oder den Inhalt der Zyste absaugt. Diese Technik ist häufig bei Zysten wirksam, die leicht zugänglich sind und keine festen Bestandteile enthalten. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Aspiration in manchen Fällen nicht verhindern kann, dass die Zyste erneut auftritt.

Die chirurgische Entfernung ist eine weitere Option für Zysten, die hartnäckig sind, wiederkehren oder das Risiko von Komplikationen bergen. Bei diesem Verfahren wird die Zyste und bei Bedarf das umliegende Gewebe herausgeschnitten. Es gewährleistet eine vollständige Entfernung und verringert die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Auftretens. Abhängig von der Größe und Lage der Zyste können minimalinvasive Techniken wie die Laparoskopie eingesetzt werden, die eine schnellere Genesung und minimale Narbenbildung ermöglichen.

Zysten bei Mukoviszidose

Die Mukoviszidose wurde im Jahr 1938 initial als „mikroskopisches Phänomen von Zysten in der Pankreas“ charakterisiert. Dennoch stellt sie ein Paradebeispiel einer genetischen Störung dar, deren Bezeichnung in Verbindung mit der Fibrose des Ductus cysticus steht (welcher die Gallenblase versorgt), obwohl keine Zysten an dem Prozess beteiligt sind. Dies illustriert, wie die griechische Wurzel „cyst-„, welche „mit Flüssigkeit gefüllter Beutel“ bedeutet, auch in medizinischen Terminologien verwendet wird, die sich auf die Harnblase und die Gallenblase beziehen, trotz der Tatsache, dass es sich bei beiden nicht um Zysten handelt.

Fazit

Zysten sind faszinierende Entitäten, die die Aufmerksamkeit von Medizinern auf der ganzen Welt auf sich gezogen haben. Indem wir ihre Natur, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten verstehen, können wir ihre Komplexität entmystifizieren und fundierte Entscheidungen über ihre Behandlung treffen. Ob durch Beobachtung, Aspiration oder chirurgische Entfernung, der Behandlungsansatz sollte immer auf den Einzelfall zugeschnitten sein, um das bestmögliche Ergebnis für den Patienten zu gewährleisten.

Während wir weiterhin die Geheimnisse rund um Zysten lüften, werden medizinische Fortschritte und Forschung zweifellos den Weg für wirksamere und innovativere Behandlungen ebnen. Indem wir informiert bleiben und offene Diskussionen fördern, können wir gemeinsam zur fortlaufenden Erforschung dieser Entwicklungen beitragen und letztendlich die Qualität der Pflege und die Ergebnisse für die Betroffenen verbessern.

Quellen und weiterführende Literatur


Dieser Beitrag wurde auf der Grundlage wissenschaftlicher Fachliteratur und fundierter empirischer Studien und Quellen erstellt und in einem mehrstufigen Prozess überprüft.

Wichtiger Hinweis: Der Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

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