Vitamin D-Mangel erhöht das Risiko für Muskelschwund um bis zu 78 Prozent erhöhen

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Torsten Lorenz, aktualisiert am 21. Dezember 2022, Lesezeit: 5 Minuten

Vitamin D ist maßgeblich an der Regulierung der Kalzium- und Phosphoraufnahme durch den menschlichen Organismus beteiligt.

  • Darüber hinaus trägt Vitamin D zur Funktionsfähigkeit des Gehirns und des Immunsystems bei.

Auswirkung von Vitamin D-Mangel: Wissenschaftler der Federal University of São Carlos (UFSCar) in Brasilien und des University College London (UCL) im Vereinigten Königreich konnten nun den Nachweis erbringen, dass eine Vitamin-D-Ergänzung das Risiko einer Muskelschwäche (Dynapenie) bei älteren Menschen um 78 Prozent reduzieren kann.

  • Unter Dynapenie versteht man einen altersbedingten Verlust an Muskelkraft.

Sie kann teilweise durch Muskelschwund erklärt werden und ist ein wichtiger Risikofaktor für körperliche Beeinträchtigungen in fortgeschrittenem Alter.

Menschen mit Muskelschwäche (Verlust der Muskelkraft) sind häufiger von Stürzen, Krankenhausaufenthalten, vorzeitiger Einweisung in Pflegeheime und Tod betroffen.

In der Studie wurden die Daten von 3 205 nicht-dynapenischen Personen im Alter von 50 Jahren und älter analysiert, die vier Jahre lang im Rahmen der English Longitudinal Study of Ageing, einer Langzeit-Multikohortenstudie, die 2002 begann und seit mehr als 15 Jahren durchgeführt wird, beobachtet wurden.

  • Vitamin D ist dafür bekannt, dass es an verschiedenen Funktionen des Organismus beteiligt ist.

Im Grunde ist es ein Hormon, und zu seinen zahlreichen Aufgaben gehören die Unterstützung der Muskelreparatur und die Freisetzung von Kalzium für die Muskelkontraktionskinetik.

Daher war laut Tiago da Silva Alexandre, Professor für Gerontologie an der Federal University of São Carlos, anzunehmen, dass es in irgendeiner Form zu Veränderungen der Muskelmasse führen würde. Und genau das hat diese Studie bewiesen.

  • Knochen- und Muskelgewebe sind nicht nur mechanisch und physikalisch, sondern auch biochemisch miteinander verbunden.

Endokrine Störungen wie Vitamin-D-Mangel oder -Insuffizienz können zu einem Verlust der Knochenmineraldichte sowie zu einer Abnahme der Muskelmasse, der Muskelkraft und der Muskelfunktionen führen.

  • Die Stichprobe der Studie umfasste Personen im Alter von 50 Jahren und älter ohne Muskelschwäche (Dynapenie).

Die Griffkraft (die als guter Indikator für die Gesamtmuskelkraft gilt) betrug bei Männern 26 Kilogramm oder mehr und bei Frauen 16 Kilogramm oder mehr.

Die zentrale Erkenntnis dieser Studie war, dass bei Menschen mit Vitamin-D-Mangel (definiert als weniger als 30 Nanomol pro Liter im Blut) das Risiko, bis zum Ende des vierjährigen Studienzeitraums eine Muskelschwäche zu entwickeln, um 70 Prozent höher war als bei Menschen mit einem normalen Vitamin-D-Spiegel (definiert als mehr als 50 nmol/L).

  • Dieses Ergebnis ist an sich schon von Bedeutung, da es zeigt, dass ein Vitamin-D-Mangel das Risiko einer Muskelschwäche um 70 Prozent vergrößert.

Da jedoch bekannt war, dass weltweit viele Menschen mit Osteoporose Vitaminpräparate einnehmen, war es nach Aussage von Maicon Luís Bicigo Delinocente notwendig, die Wirksamkeit der Vitamin-D-Supplementierung zu messen.

Die Studie von Forschenden der Federal University of São Carlos in Brasilien und des University College London im Vereinigten Königreich wurde in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Calcified Tissue International veröffentlicht.

Verbessert Vitamin D die Leistungsfähigkeit der Muskeln?

Ist Vitamin D im Allgemeinen gut für die Muskeln? Eine Analyse der verfügbaren Daten aus relevanten randomisierten, kontrollierten klinischen Studien ergab, dass eine Vitamin-D-Supplementierung keine positiven Auswirkungen auf Muskelfunktionen, Muskelkraft oder Muskelmasse hat.

  • Die Auswertung, die im Journal of Bone and Mineral Research veröffentlicht wurde, umfasste 54 Studien mit 8.747 Personen.

Insgesamt zeigte sich kein zusätzlicher Nutzen von Vitamin D gegenüber Placebo für die Verbesserung der Muskelkraft.

Im Gegenteil: Vitamin D schien sich nachteilig auszuwirken, indem es die Zeit für den so genannten Timed Up and Go-Test verlängerte, die maximale Kraft bei der Kniebeugung verringerte und tendenziell zu einer geringeren Punktzahl in der Short Physical Performance Battery führte.

Bei Menschen mit normalem oder nur leicht reduziertem Vitamin-D-Spiegel sollte eine Vitamin-D-Ergänzung zur Verbesserung der Muskelkraft und -funktion mit Vorsicht betrachtet werden, kommentiert die Hauptautorin Dr. Lise Sofie Bislev vom Universitätsklinikum Aarhus in Dänemark.

  • Die Frage, ob die Muskeln von Menschen mit schwerem Vitamin-D-Mangel davon profitieren können, muss jedoch noch weiter untersucht werden.

Quellen

  • Maicon Luís Bicigo Delinocente et al, Are Serum 25-Hydroxyvitamin D Deficiency and Insufficiency Risk Factors for the Incidence of Dynapenia?, Calcified Tissue International (2022). DOI: 10.1007/s00223-022-01021-8
  • Lise Sofie Bislev et al, Vitamin D and Muscle Health: A Systematic Review and Meta‐analysis of Randomized Placebo‐Controlled Trials, Journal of Bone and Mineral Research (2021). DOI: 10.1002/jbmr.4412

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Vitamin D3 wissenschaftlich geprüft

Quelle: Youtube/maiLab

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