M.A. Dirk de Pol, aktualisiert am 1. April 2024, Lesezeit: 8 Minuten

Cannabistropfen und -blüten können bei Krankheiten als Arzneimittel verschrieben werden. In der Regel werden sie zusätzlich zu den bereits bestehenden Medikamenten verschrieben. Studien legen nahe, dass Cannabistropfen bei chronischen Schmerzen, Muskelkrämpfen bei multipler Sklerose, Übelkeit und Erbrechen infolge einer Chemotherapie oder ungewolltem Gewichtsverlust wirksam sein kann.

Das neue Cannabisgesetz

Seit dem 1. April 2024 ist es nicht mehr möglich, Cannabistropfen und -blüten zu medizinischen Zwecken auf einem Betäubungsmittelrezept (BtM-Rezept) zu verschreiben. Stattdessen erfolgt die Verordnung jetzt viel einfacher auf dem „normalen“ Rezept, dem sogenannten eRezept oder einem Privatrezept. Diese Änderung wurde durch das Cannabisgesetz (CanG) ermöglicht, das eine Teil-Legalisierung vorsieht.

Hier sind die wichtigsten Informationen zu Cannabisblüten und -Tropfen auf Rezept und dem Wegfall des BtM-Rezepts:

Hintergrund

Das Cannabisgesetz (CanG) trat am 1. April 2024 in Kraft und ermöglichte eine Teil-Legalisierung. Medizinisches Mittel wurde die bisherigen Regelungen aus dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) in ein neues Medizinal-Cannabisgesetz (MedCanG) überführt und aus Anlage III des BtMG gestrichen.

Verordnung auf Rezept

Ärzte können medizinische Cannabisblüten oder -Tropfen jetzt auf einem Privatrezept oder einem eRezept verschreiben. Die Verordnung auf einem BtM-Rezept ist nicht mehr möglich. Die Gültigkeit von Kassenrezepten (eRezept) beträgt nun bis zu 28 Tage und Privatrezepte sind bis zu drei Monaten gültig.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Kostenübernahme für medizinisches Cannabis durch die Krankenkassen eine entscheidende Rolle spielt. Bei einer Genehmigung werden die Kosten für das medizinische Cannabis übernommen, jedoch sind gesetzliche Zuzahlungen durch die Patienten zu leisten.

Behandlung mit Cannabistropfen

Cannabistropfen, eine spezifische medizinische Darreichungsform, werden zunehmend als therapeutische Option für eine Vielzahl von Krankheitsbildern in Betracht gezogen. Zu den Krankheiten, bei denen Cannabistropfen potenziell Linderung verschaffen können, zählen chronische Schmerzen, Stress, Schlafprobleme und Migräne. Auch bei schmerzhafter Menstruation, Morbus Crohn, Tumorschmerzen sowie HIV-bedingter Kachexie, die oft mit Untergewicht und Appetitlosigkeit einhergeht, werden sie empfohlen. Darüber hinaus bieten sie möglicherweise Hilfe bei neuropathischen Schmerzen, nicht tumorbedingten Schmerzen und Spastik, wie sie beispielsweise bei Multipler Sklerose auftritt.

Es ist jedoch von entscheidender Bedeutung zu verstehen, dass die Verschreibung von Cannabistropfen stets eine individuelle Entscheidung des behandelnden Arztes darstellt. Diese Entscheidung basiert auf einer sorgfältigen Bewertung der spezifischen Krankheitsgeschichte und Symptomatik des Patienten. Die genaue Indikation und die Dosierung werden dabei auf den einzelnen Patienten maßgeschneidert, um die bestmögliche therapeutische Wirkung zu erzielen und gleichzeitig das Risiko von Nebenwirkungen zu minimieren.

Das digitale E-Rezept: Effizient, sicher und benutzerfreundlich

Seit dem 1. Januar 2024 müssen Ärztinnen und Ärzte Rezepte auch digital ausstellen. Die Einführung des elektronischen Rezepts ist ein wichtiger Schritt in der Digitalisierung des Gesundheitswesens. Es zielt darauf ab, Zeit zu sparen, Wege zu verkürzen und viele Aspekte der Arzneimittelversorgung zu vereinfachen.

Funktionsweise des E-Rezepts

Das E-Rezept wird digital vom Arzt gespeichert und kann auf verschiedene Weisen genutzt werden:

  • Als ausgedruckter QR-Code, den man in der Apotheke vorzeigt.
  • Über das Handydisplay mittels einer speziellen App.
  • Durch die Gesundheitskarte, mit der Apotheken direkt auf nicht eingelöste Rezepte zugreifen können.

Patienten können wählen, ob sie ihre Medikamente in einer oder mehreren Apotheken beziehen möchten, auch wenn sie auf demselben Rezept verordnet sind. Ein E-Rezept kann bis zu drei Medikamente umfassen. Derzeit ist das E-Rezept für gesetzlich Versicherte verpflichtend, und private Krankenversicherungen werden voraussichtlich bald folgen.

Sicherheit und Übermittlung

Das Bundesgesundheitsministerium nutzt zur Übermittlung des E-Rezepts die Telematikinfrastruktur, wobei alle Daten verschlüsselt und sicher übertragen werden. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik bestätigt die Sicherheit dieser Methode.

Vorteile des E-Rezepts

  • Für Patienten: Das E-Rezept ermöglicht es, Rezepte einfach und schnell digital zu übermitteln und Arzneimittel bequem zu beziehen. Es vereinfacht auch das Einlösen von Folgerezepten, da kein erneuter Arztbesuch nötig ist.
  • Für Ärzte: Die digitale Handhabung spart Zeit und erleichtert den Zugriff auf Patientendaten sowie die Kommunikation mit Apotheken.
  • Für Apotheken: Schnellere Rezeptbearbeitung und effizientere Lagerhaltung durch digitale Verfahren.
  • Für das Gesundheitswesen: Reduziert den Papieraufwand und verbessert die Patientensicherheit durch Genauigkeit in der Medikamentenvergabe.

Zukunft des E-Rezepts

Zukünftig könnten auch nicht verschreibungspflichtige Medikamente sowie weitere medizinische Leistungen wie Heilmittel oder häusliche Krankenpflege digital verordnet werden. Zusätzliche Funktionen wie Medikationserinnerungen und Wechselwirkungschecks sind geplant.

Schritt für Schritt zum E-Rezept

  1. Arztbesuch:Vereinbaren Sie einen Termin oder nutzen Sie eine Online-Konsultation.
  2. Rezeptausstellung:Der Arzt stellt das E-Rezept digital aus.
  3. Apothekenwahl:Wählen Sie die Apotheke für die Einlösung.
  4. Rezeptübermittlung:Senden Sie das E-Rezept digital an die Apotheke.
  5. Medikamentenabholung oder Lieferung:Holen Sie Ihre Medikamente ab oder lassen Sie sie sich liefern.

Häufig gestellte Fragen

 Welche Krankheiten können mit Cannabis behandelt werden?

Cannabistropfen können bei verschiedenen Krankheiten und Beschwerden in Betracht gezogen werden. Dazu gehören Schlafstörungen, dauerhafte (chronische) Schmerzen, Muskelkrämpfe bei multipler Sklerose oder Lähmung der Beine, Übelkeit und Erbrechen als Folge einer Chemotherapie sowie ungewollter Gewichtsverlust. Es ist wichtig, dass Sie mit Ihrem Arzt über Ihre spezifische Situation sprechen, um festzustellen, ob Cannabis als Medizin für Sie geeignet ist.

Gibt es bestimmte Krankheitsbilder, bei denen der Einsatz von Cannabistropfen besonders vielversprechend erscheint?

Ja, es gibt bestimmte Krankheitsbilder, bei denen der Einsatz von Cannabistropfen besonders vielversprechend erscheint. Diese sind besonders wirksam bei Erkrankungen, die mit chronischen Schmerzen, Entzündungen und neurologischen Symptomen einhergehen. Hier eine Übersicht über einige dieser Krankheitsbilder:

  1. Chronische Schmerzen: Cannabistropfen sind bekannt dafür, bei verschiedenen Formen von chronischen Schmerzen wirksam zu sein, darunter solche, die durch Entzündungen oder neuropathische Schäden verursacht werden. Sie bieten eine Alternative zu traditionellen Schmerzmitteln, oft mit weniger Nebenwirkungen.
  2. Multiple Sklerose (MS): Die Spastik, die oft mit MS verbunden ist, kann durch Cannabistropfen gelindert werden. Patienten berichten häufig von einer Verringerung der Muskelsteifheit und -krämpfe, was zu einer verbesserten Mobilität und Lebensqualität führt.
  3. Neuropathische Schmerzen: Diese Art von Schmerzen, die durch Nervenschäden verursacht werden, reagiert oft gut auf Cannabistropfen. Cannabistropfen können dabei helfen, die Schmerzintensität zu reduzieren und das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern.
  4. Schlafstörungen: Cannabistropfen haben sedierende Eigenschaften, die bei Patienten mit Schlafproblemen hilfreich sein können. Insbesondere Personen mit Schmerzen oder Angstzuständen, die ihren Schlaf stören, könnten davon profitieren.
  5. Morbus Crohn und andere entzündliche Darmerkrankungen: Cannabistropfen können dazu beitragen, die Entzündung zu reduzieren und die Symptome wie Bauchschmerzen und Durchfall zu lindern.
  6. Tumorschmerzen und symptomatische Linderung bei Krebs: Cannabistropfen können nicht nur helfen, die Schmerzen zu kontrollieren, sondern auch Übelkeit und Erbrechen, die häufig als Nebenwirkungen der Chemotherapie auftreten, zu reduzieren.
  7. HIV-Untergewicht/Kachexie: Bei Patienten, die unter Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit leiden, wie es oft bei HIV vorkommt, können Cannabistropfen helfen, den Appetit zu steigern und eine Gewichtszunahme zu fördern.

Es ist wichtig zu betonen, dass der Einsatz von Cannabistropfen immer unter ärztlicher Aufsicht erfolgen sollte. Die Dosierung und die spezifische Anwendung müssen individuell angepasst werden, um die maximale therapeutische Wirkung zu erzielen und gleichzeitig das Risiko von Nebenwirkungen zu minimieren.

Welche Nebenwirkungen hat die Verwendung?

Wie bei jedem Medikament können auch bei der Verwendung von Cannabis Nebenwirkungen auftreten. Häufige Nebenwirkungen sind Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Stimmungsschwankungen, Schwindel und Schläfrigkeit. Es ist wichtig, dass Sie mögliche Nebenwirkungen mit Ihrem Arzt besprechen, um eine angemessene Behandlung zu gewährleisten.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für Cannabistropfen als Medizin?

Seit 2017 übernehmen die Gesetzlichen Krankenkassen in bestimmten Fällen die Kosten für Cannabisarzneimittel. Die Entscheidung, ob die Voraussetzungen erfüllt sind und die Kosten übernommen werden, liegt bei der Krankenkasse. Es ist wichtig, dass Sie sich vorab bei Ihrer Krankenkasse über die genauen Bedingungen informieren.

Wie komme ich am schnellsten zu meinem Rezept und medizinischen Cannabis?

Telemedizinische Plattformen wie zum Beispiel Doktorabc.com bieten eine schnellen Zugang zu Ärzten und Online-Apotheken für medizinische Cannabisblüten.

Ist das E-Rezept sicher?

Ja, alle Daten sind verschlüsselt und sicher.

Kann das E-Rezept in verschiedenen Apotheken eingelöst werden?

Ja, das ist möglich.

 

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Medizinisches Cannabis kein Betäubungsmittel mehr – was das bedeutet | Apotheken Umschau
  2. Cannabisgesetz, Wikipedia 2024.

ddp


⊕ Dieser Beitrag wurde auf der Grundlage wissenschaftlicher Fachliteratur und fundierter empirischer Studien und Quellen erstellt und in einem mehrstufigen Prozess überprüft.

Wichtiger Hinweis: Der Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

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