Dirk de Pol, aktualisiert am 19. Januar 2024, Lesezeit: 5 Minuten

Das Verständnis dafür, warum wir ungesunde Lebensmittel überessen, ist ein langjähriges Rätsel. Obwohl wir wissen, dass die starke Wirkung von Lebensmitteln unsere Entscheidungen beeinflusst, ist die genaue Schaltkreisstruktur in unserem Gehirn noch unklar. Der Vagusnerv sendet interne sensorische Informationen vom Darm zum Gehirn über den Nährwert von Lebensmitteln. Aber die molekulare Grundlage der Belohnung im Gehirn, die mit dem Essen zusammenhängt, war bisher unvollständig verstanden.

Die Entdeckung der Darm-Hirn-Schaltkreise

Eine neue Studie, veröffentlicht in Cell Metabolism von einem Team des Monell Chemical Senses Center, hat nun endlich Licht ins Dunkel gebracht. Die Forscher haben die internen neuralen Schaltkreise enthüllt, die für unsere Gelüste nach Zucker und Fett verantwortlich sind. Diese Entdeckung ist bahnbrechend und könnte unser Verständnis von Essverhalten und Gewichtsregulierung revolutionieren.

Der Einfluss von Fett und Zucker auf das Gehirn

Essen hat eine starke Macht über unsere Entscheidungen, aber die genaue Schaltkreisstruktur in unserem Gehirn war bisher unklar. Der Vagusnerv, der vom Darm zum Gehirn verläuft, sendet interne sensorische Informationen über den Nährwert von Lebensmitteln. Doch die molekulare Grundlage der Belohnung im Gehirn, die mit dem Essen zusammenhängt, war bisher unvollständig verstanden.

Die Forscher des Monell Chemical Senses Center haben nun herausgefunden, dass Nervenzellen im Darm eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von Gelüsten nach Fett und Zucker spielen. Es wurden separate Darm-Hirn-Schaltkreise identifiziert, die von Fetten und Zuckern aktiviert werden. Diese Schaltkreise rekrutieren unterschiedliche Nervenbahnen und erklären, warum wir bestimmten Lebensmitteln kaum widerstehen können.

Die Auswirkungen der Kombination von Fett und Zucker

Die Forscher haben auch herausgefunden, dass die gleichzeitige Aktivierung sowohl der Fett- als auch der Zucker-Schaltkreise eine starke Synergie erzeugt. Selbst wenn die Gesamtkalorienmenge von Zucker und Fett gleich bleibt, führt die Kombination beider zu einer signifikant höheren Dopaminfreisetzung und letztendlich zu übermäßigem Essen.

Diese Erkenntnis erklärt, warum das Abnehmen so herausfordernd sein kann. Unsere Gehirne sind subtil darauf programmiert, nach Kombinationen von Fett und Zucker zu suchen, unabhängig von bewussten Bemühungen, ihnen zu widerstehen. Die Kommunikation zwischen unserem Darm und Gehirn geschieht unterhalb der Bewusstseinsebene, was bedeutet, dass wir nach diesen Arten von Lebensmitteln verlangen könnten, ohne es überhaupt zu merken.

Die Bedeutung der Forschung

Diese Forschung hat weitreichende Auswirkungen auf unser Verständnis von Essverhalten und Gewichtsregulierung. Sie liefert wichtige Erkenntnisse darüber, was unser „motiviertes“ Essverhalten kontrolliert und legt nahe, dass ein unbewusstes inneres Verlangen nach einer Ernährung, die reich an Fetten und Zucker ist, die Bemühungen zur Gewichtsabnahme beeinträchtigen kann.

Die Forscher prognostizieren, dass diese Erkenntnisse die Entwicklung von Anti-Adipositas-Strategien und -Behandlungen vorantreiben könnten. Durch die gezielte Regulierung der Darm-Hirn-Belohnungsschaltkreise könnte es möglich sein, ungesunde Essgewohnheiten einzudämmen und Menschen dabei zu helfen, gesündere Entscheidungen zu treffen.

FAQ

Warum sind Fette und Zucker so attraktiv für uns?
Fette und Zucker sind besonders attraktiv, weil sie über separate Darm-Hirn-Schaltkreise rekrutiert werden, die unser Verlangen nach ihnen verstärken. Diese Schaltkreise lösen eine erhöhte Dopaminfreisetzung im Belohnungssystem des Gehirns aus, was dazu führt, dass wir nach einer Kombination von Fett und Zucker suchen.

Wie beeinflusst die Kombination von Fett und Zucker unser Essverhalten?
Die gleichzeitige Aktivierung der Fett- und Zucker-Schaltkreise erzeugt eine starke Synergie, die das Belohnungssystem des Gehirns stark beeinflusst. Selbst wenn die Gesamtkalorienmenge von Zucker und Fett gleich bleibt, führt die Kombination beider zu einer signifikant höheren Dopaminfreisetzung und letztendlich zu übermäßigem Essen.

Warum kann das Abnehmen so herausfordernd sein?
Unsere Gehirne sind subtil darauf programmiert, nach Kombinationen von Fett und Zucker zu suchen, unabhängig von bewussten Bemühungen, ihnen zu widerstehen. Dies erklärt, warum das Abnehmen so herausfordernd sein kann, da unser Verlangen nach hochfettigen, zuckerhaltigen Lebensmitteln stark ist.

Wie kann diese Forschung zur Bekämpfung von Fettleibigkeit beitragen?
Die Erkenntnisse dieser Studie bieten Hoffnung für die Entwicklung von Anti-Adipositas-Strategien und -Behandlungen. Durch die gezielte Regulierung der Darm-Hirn-Belohnungsschaltkreise könnte es möglich sein, ungesunde Essgewohnheiten einzudämmen und Menschen dabei zu helfen, gesündere Entscheidungen zu treffen.

Gibt es Möglichkeiten, unsere angeborene Motivation zur Aufnahme von Fett und Zucker umzuprogrammieren?
Ja, diese Forschung legt nahe, dass eine gezielte Intervention möglich ist, um unsere angeborene Motivation zur Aufnahme von Fett und Zucker umzuprogrammieren. Indem wir die Schaltkreise im Darm-Hirn-System verstehen und regulieren, könnten personalisierte Interventionen entwickelt werden, die Menschen helfen, gesündere Entscheidungen zu treffen und ihre Gelüste besser zu kontrollieren.

Quelle

  1. Molly McDougle, Alan de Araujo, Arashdeep Singh, Mingxin Yang, Isadora Braga, Vincent Paille, Rebeca Mendez-Hernandez, Macarena Vergara, Lauren N. Woodie, Abhishek Gour, Abhisheak Sharma, Nikhil Urs, Brandon Warren, Guillaume de Lartigue. Separate gut-brain circuits for fat and sugar reinforcement combine to promote overeating. Cell Metabolism, 2024; DOI: 10.1016/j.cmet.2023.12.014

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