Torsten Lorenz, aktualisiert am 9. Oktober 2022, Lesezeit: 4 Minuten

Verlust von Lernfähigkeit und Gedächtnisleistung verlangsamen

Eine Studie hat gezeigt, wie Sport und körperliche Aktivität den Verlust von Lernfähigkeit und Gedächtnis mit zunehmendem Alter verlangsamen kann.

  • Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten dazu die Gehirne von jungen und alten Mäusen. 

Die einen hatten Zugang zu einem Laufrad in ihrem Käfig, die anderen nicht. Das Forscherteam stellte Veränderungen in dem Teil des Gehirns fest, der Hippocampus genannt wird. Diese Region im Gehirn ist ein wichtiger Bereich für Lernen und Gedächtnis.

Mehr Gehirnzellen und weniger Fehler bei Gedächtnisaufgaben

Bei den älteren Mäusen, die körperlich aktiv waren, fanden sich im Hippocampus mehr Gehirnzellen (Neuronen) und die Mäuse machten weniger Fehler bei Lern- und Gedächtnisaufgaben.

Das Forscherteam injizierte dann älteren, weniger aktiven Mäusen Blutplasma von anderen Mäusen. 

Ältere Mäuse, die Plasma von aktiven Mäusen erhielten, zeigten einen ähnlichen Anstieg der Neuronen, der Lern- und Gedächtnisleistung wie aktive Mäuse.

Wirkung des Proteins GPLD1 auf die kognitive Gesundheit

Diese Verbesserungen im Gehirn brachten die Forschenden mit einem Protein namens GPLD1 in Verbindung. 

  • Nachdem älteren Mäusen das Gen für GPLD1 injiziert worden war, schnitten sie bei Gedächtnisaufgaben ähnlich gut ab wie die aktiven Mäuse und wiesen ein verstärktes Neuronenwachstum auf.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten das Protein auch bei Menschen. Ältere Erwachsene, die aktiver waren, hatten im Vergleich zu inaktiven Erwachsenen höhere Werte des Proteins GPLD1 in ihrem Blut. 

Da das Protein GPLD1 in der Leber produziert wird, bedarf es weiterer Forschung, um herauszufinden, wie es im Gehirn wirkt. 

Diese Forschungsergebnisse könnten dazu führen, dass altersbedingte Hirnschäden behandelt oder verhindert werden können.

Mit Hilfe dieses Proteins reagiert die Leber auf körperliche Aktivität und signalisiert dem alten Gehirn, dass es sich verjüngen soll, erklärte Dr. Saul Villeda von der University of California in San Francisco, der die Studie leitete.

In weiteren Laborexperimenten konnte nachgewiesen werden, dass das von der Leber produzierte Protein Gpld1 die sogenannte Blut-Hirn-Schranke, die das Gehirn vor toxischen oder infektiösen Substanzen im Blut schützt, nicht passiert. 

Das Protein scheint vielmehr seine Wirkung auf das Gehirn über Wege auszuüben, die Entzündungen und die Blutgerinnung im gesamten Körper verringern. 

  • Sowohl die Blutgerinnung als auch die Entzündung sind bekanntermaßen mit zunehmendem Alter erhöht und werden mit Demenz und altersbedingtem kognitiven Abbau in Verbindung gebracht.

Die Forscher arbeiten daran, besser zu verstehen, wie genau das Protein Gpld1 mit anderen biochemischen Signalsystemen interagiert, um seine positiven Wirkungen auf das Gehirn zu entfalten, und hoffen so, spezifische Angriffspunkte für Medikamente zu finden, die eines Tages viele der schützenden Wirkungen von Sport und körperlicher Bewegung auf das alternde Gehirn entfalten könnten.

Die Forschungsergebnisse wurden in dem wissenschaftlichen Fachblatt Science veröffentlicht.

Quellen

vgt"


⊕ Dieser Beitrag wurde auf der Grundlage wissenschaftlicher Fachliteratur und fundierter empirischer Studien und Quellen erstellt und in einem mehrstufigen Prozess überprüft.

⊕ Wichtiger Hinweis: Der Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

Optogenetik Nobelpreis für Medizin 2026 für Deisseroth, Hegemann und Nagel, Lichtsteuerung von Nervenzellen im Gehirn

Nobelpreis für Medizin 2026: Gewinner und Bedeutung der Optogenetik

Karl Deisseroth, Peter Hegemann und Georg Nagel erhielten den Nobelpreis für Medizin 2026 für ihre Arbeit zur Optogenetik....

Chronische Beckenschmerzen: Mögliche Hinweise schon im Jugendalter

Chronische Beckenschmerzen: Mögliche Hinweise schon im Jugendalter

Chronische Beckenschmerzen betreffen viele. Erfahren Sie, wie frühe Anzeichen in der Jugend erkannt werden können....

Junge Erwachsene beim Salsa-Gruppenkurs Studie zu depressiven Symptomen

Salsa und depressive Symptome: Studie bei jungen Erwachsenen

Die Studie der Universität Oxford zeigt, wie Salsa bei jungen Erwachsenen depressive Symptome effektiv reduzieren kann....

Kleinkind spielt mit Spielzeug: Zuckerrationierung in den ersten 1.000 Lebenstagen und psychische Gesundheit im Erwachsenenalter

Zuckerrationierung im frühen Leben: Studie zu Angst und Depression

Erfahren Sie, wie die Zuckerrationierung in den ersten Lebensjahren die psychische Gesundheit beeinflussen kann....

Darmbakterien und psychopathische Persönlichkeitszüge Mikrobiota-Studie zur Darm-Hirn-Achse

Darmbakterien und psychopathische Züge: Was eine neue Studie zeigt

Psychopathische Züge und ihre Verbindung zu Darmbakterien: Eine spannende Studie und ihre Ergebnisse im Fokus....