Forschung: Wirkung von Sport auf die Intelligenz und akademische Leistungen

Gesundheitsnews, Medizin und Forschung, Gesundheitstipps, Life Balance

Torsten Lorenz, aktualisiert am 2. September 2022, Lesezeit: 4 Minuten

Intelligenter und bessere akademische Leistungen durch Bewegung? Bislang war man der Auffassung, dass Intelligenz ein stabiles Merkmal ist.

  • Neue Forschungsergebnisse von Wissenschaftlern der University of Granada in Spanien ergaben, dass Schulkinder, die sich regelmäßig körperlich betätigen bessere akademisch Leistungen erbringen und die Intelligenz steigt.

Vorteile regelmäßiger körperlicher Betätigung

Während die Vorteile regelmäßiger körperlicher Betätigung für die körperliche, geistige und kognitive Gesundheit von Menschen jeden Alters bekannt sind, gab es den Forschern zufolge bislang keine schlüssigen Beweise dafür, ob regelmäßige körperliche Betätigung zu einer gesteigerten Intelligenz führen kann.

Eine Studie unter der Leitung von Forschern des Department of Physical Education and Sports der University of Granada hat nun in Zusammenarbeit mit Psychologieforschern derselben Universität gezeigt, dass Schulkinder, die sich körperlich betätigen, bessere akademische Leistungen erbringen.

Verbesserung der Gesamtintelligenz

Wie die Studie, die in der Fachzeitschrift JAMA Network Open veröffentlicht wurde, zeigt, verbessert regelmäßige körperliche Betätigung über einen Zeitraum von sechs Monaten die Gesamtintelligenz, insbesondere die sogenannte kristalline Intelligenz, die mit einem umfangreichen Wortschatz und dem im Laufe des Lebens in der Schule und darüber hinaus erworbenen Wissen verbunden ist.

Mathematik und Problemlösung profitiert am meisten

Des Weiteren verbesserte das Trainingsprogramm die kognitive Flexibilität, sprich die Fähigkeit einer Person, sich an wechselnde Aufgaben oder Regeln anzupassen, mehrere Konzepte gleichzeitig zu verfolgen und die Aufmerksamkeit (Konzentrationsfähigkeit) zwischen verschiedenen Aufgaben/Regeln zu wechseln. 

  • Besonders hervorzuheben ist den Wissenschaftlern zufolge, dass das Trainingsprogramm auch die allgemeinen schulischen Leistungen verbesserte, wobei Mathematik und Problemlösung am meisten profitierten.

Aus den Erkenntnissen dieser Studie lässt sich nach Aussage von Francisco Ortega, Professor an der Universität Granada und Leiter der Studie, eine wichtige Botschaft für alle Mütter und Väter ableiten: 

Wenn Kinder in der Schule nicht gut abschneiden, sollten sie nicht bestraft oder von sportlichen Aktivitäten nach der Schule ausgeschlossen werden, sondern genau das Gegenteil tun.

Wie die WHO (Weltgesundheitsorganisation) empfiehlt, sollte ein Mindestmaß an täglicher körperlicher Betätigung sichergestellt werden, idealerweise 60 Minuten pro Tag mit moderater Intensität und mindestens drei Tage pro Woche mit hoher Intensität sowie Aktivitäten, die den Muskel- und Knochenaufbau fördern, so der Wissenschaftler.

Besonders besorgniserregend ist dies in Spanien, einem der führenden Länder in der Rangliste für Übergewicht und Adipositas in Europa, wo eines von drei Kindern davon betroffen ist. 

Adipositas (Fettleibigkeit) wirkt sich nachteilig auf die allgemeine Gesundheit aus, und kürzlich wurde außerdem festgestellt, dass Fettleibigkeit auch Auswirkungen auf das Gehirn und die kognitiven Fähigkeiten hat.

Einfach umsetzbares Bewegungsprogramm reicht aus

Abschließend merken die Forscher der University of Granada an, dass die Art der körperlichen Betätigung, die in dieser Studie durchgeführt wurde, auf das schulische Umfeld übertragbar ist. 

  • Das Bewegungsprogramm basierte auf Gruppenspielen und kam ohne spezielle Geräte aus; es bestand aus Laufen auf einem Platz im Freien und aus Kraftübungen, die die Kinder mit ihrem eigenen Körpergewicht oder dem Körpergewicht ihrer Partner machten. 

Die durchschnittliche Intensität einer kompletten Trainingseinheit lag bei etwa 70 Prozent der maximalen Herzfrequenz der Kinder, die im Durchschnitt drei Trainingseinheiten pro Woche à 90 Minuten absolvierten, was 4,5 Stunden Bewegung pro Woche entspricht.

Quellen

  • University of Granada
  • Francisco B. Ortega et al, Effects of an Exercise Program on Brain Health Outcomes for Children With Overweight or Obesity, JAMA Network Open (2022). DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2022.27893

vgt"

Der Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

Vertrauen in KI-Gesundheitsberatung im Vergleich zur menschlichen Pflegekraft

KI-Gesundheitsberatung: Warum Pflegekräfte mehr Vertrauen genießen

Warum genießen Pflegekräfte mehr Vertrauen? Erfahren Sie, wie menschliche Beratung über KI-Ratschläge gestellt wird....

Circadiane Uhr und Krebstherapie: Chronotherapie im Tagesverlauf

Circadiane Onkologie: Wie die innere Uhr Krebstherapien wirksamer machen könnte

Die innere Uhr beeinflusst Krebstherapien: Entdecken Sie, wie Circadiane Onkologie die Wirksamkeit verbessern könnte....

Soziale Bindungen und epigenetische Alterung: Wie Beziehungen die Lebenserwartung beeinflussen

Soziales Leben und biologische Alterung

Lernen Sie, wie positive soziale Erfahrungen und Kindheitserlebnisse die biologische Alterung und Sterblichkeit beeinflussen....

Soziale Isolation und kognitive Gesundheit im Alter

Soziale Isolation: Wie sie das alternde Gehirn eigenständig schädigt

Neue Forschung zeigt: Soziale Isolation schädigt das Gehirn. Erfahren Sie, warum soziale Einbindung wichtig ist....

Geruchssinn und Parkinson-Frühdiagnose Neuer Riechtest erkennt Krankheit

Parkinson-Diagnose: Wie veränderter Geruchssinn Krankheit früh verrät

Veränderter Geruchssinn kann bei der Parkinson-Diagnose helfen. Erfahren Sie mehr über den neuen differenzierten Test....