Ähnlichkeit unter Freunden fördert emotionale Nähe

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M.A. Dirk de Pol, aktualisiert am 4. August 2026, Lesezeit: 7 Minuten

Menschen, die sich in Alter, Geschlecht und weiteren demografischen Merkmalen ähneln, fühlen sich als Freunde tendenziell emotional näher verbunden als Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund; das zeigt eine neue Analyse einer großen deutschen Langzeitstudie, die den Zusammenhang zwischen sozialer Ähnlichkeit, Persönlichkeit und Freundschaftsqualität systematisch untersucht hat und damit die sogenannte Similarity-Attraction-Hypothese empirisch stützt.

Was die Studie untersucht hat

Der finnische Psychologe Markus Jokela wertete Daten des Panel Analysis of Intimate Relationships and Family Dynamics (PAIRFAM) aus, einer deutschen Familienpanelstudie, die seit 2008 dieselben Personen über Jahre hinweg wiederholt befragt. Die Studie erschien im Journal of Social and Personal Relationships.

Ausgangspunkt war die sogenannte Similarity-Attraction-Hypothese. Diese besagt, dass Menschen sich eher zu Personen hingezogen fühlen, die ihnen in wichtigen Merkmalen ähneln, etwa in Einstellungen, Werten, Interessen, Persönlichkeit, Bildung oder Lebensstil. Geteilte Eigenschaften erleichtern demnach Kommunikation, machen Interaktionen vorhersehbarer und bestätigen die eigenen Überzeugungen, wenn andere sie teilen.

Stichprobe und Methodik

Die PAIRFAM-Studie startete 2008 mit einer bundesweiten Stichprobe von 12.000 Personen aus drei Geburtskohorten: den Jahrgängen 1991 bis 1993, 1981 bis 1983 und 1971 bis 1973. Für die aktuelle Analyse wurden Daten der Erhebungswellen 2 und 4 herangezogen, bei denen zusätzlich Persönlichkeitsdaten vorlagen. Insgesamt flossen so Angaben von 7.699 Teilnehmenden ein.

Das Durchschnittsalter der Befragten lag bei 26 Jahren. Knapp 84 Prozent waren gebürtige Deutsche oder deutschstämmige Zuwanderer, 53 Prozent der Teilnehmenden waren Frauen.

Wie emotionale Nähe erfasst wurde

Die Teilnehmenden sollten bis zu 30 Personen aus ihrem Umfeld benennen, mit denen sie:

  • persönliche Gedanken oder Gefühle teilen,
  • sich regelmäßig zu gemeinsamen Aktivitäten treffen,
  • praktische Hilfe oder Rat einholen, oder
  • gelegentlich Streit oder Konflikte haben.

Für jede genannte Person gaben sie anschließend an, wie eng sie sich dieser Person emotional verbunden fühlen. Zusätzlich machten sie Angaben zu Geschlecht, Alter, Familienstand und Elternschaft der jeweiligen Freundinnen und Freunde, sodass sich die demografische Ähnlichkeit zwischen den Teilnehmenden und ihrem sozialen Umfeld berechnen ließ.

Ergänzend füllten die Teilnehmenden das Big Five Inventory aus, einen 21 Items umfassenden Fragebogen zur Erfassung der fünf zentralen Persönlichkeitsdimensionen: Offenheit für Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus.

Zentrale Ergebnisse im Überblick

Die Auswertung zeigte, dass Teilnehmende Freundinnen und Freunde, die ihnen demografisch ähnlicher waren, im Durchschnitt als emotional etwas näher einstuften. Besonders deutlich war dieser Effekt beim Alter: Gleichaltrige Freundschaften wurden sowohl von Männern als auch von Frauen als enger empfunden.

Beim Geschlecht der Freunde zeigte sich ein interessanter Unterschied zwischen den Geschlechtern:

  • Frauen bewerteten Freundinnen des gleichen Geschlechts als emotional näher als männliche Freunde.
  • Bei Männern spielte das Geschlecht der Freundinnen und Freunde für die empfundene Nähe hingegen keine erkennbare Rolle.

Auch der Elternstatus wirkte sich unterschiedlich aus. Männer empfanden Freundschaften mit Personen, die ebenfalls Kinder unter drei Jahren hatten, als enger. Bei Frauen war der Effekt umgekehrt: Geteilte Elternschaft ging bei ihnen mit geringerer, nicht höherer emotionaler Nähe einher. Ein ähnlicher Familienstand war ebenfalls mit mehr Nähe verbunden, dieser Zusammenhang fiel jedoch insgesamt sehr schwach aus.

Persönlichkeit spielt ebenfalls eine Rolle

Neben demografischer Ähnlichkeit untersuchte die Studie auch, welche Persönlichkeitsmerkmale mit engeren Freundschaften einhergehen. Teilnehmende mit höheren Werten in Extraversion, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit und Offenheit für Erfahrungen berichteten insgesamt von größerer emotionaler Nähe zu ihren Freundinnen und Freunden. Extraversion zeigte dabei den stärksten eigenständigen Zusammenhang mit Freundschaftsqualität.

Einordnung: Was die Ergebnisse bedeuten

Nach Einschätzung des Studienautors liefern die Befunde aus dieser großen deutschen Kohortenstudie erweiterte Unterstützung für die Similarity-Attraction-Hypothese. Menschen pflegen demnach nicht nur bevorzugt Freundschaften mit ähnlichen Personen, diese Ähnlichkeit hängt auch tatsächlich mit stärkerer emotionaler Nähe zusammen. Gleichzeitig deuten die Ergebnisse darauf hin, dass individuelle Persönlichkeitsunterschiede, insbesondere Extraversion, die Beziehungsqualität mitbestimmen und Ähnlichkeitseffekte teilweise verstärken können.

Einschränkungen der Studie

Wichtig für die Einordnung der Ergebnisse sind mehrere methodische Grenzen:

  • Die Stichprobe bestand überwiegend aus jungen Erwachsenen mit deutschem Hintergrund; Ergebnisse für andere Alters- oder ethnische Gruppen könnten abweichen.
  • Das Studiendesign erlaubt keine kausalen Schlussfolgerungen. Ob Ähnlichkeit tatsächlich die Ursache für emotionale Nähe ist oder ob beide Faktoren gemeinsam durch andere Variablen beeinflusst werden, lässt sich aus den Daten nicht ableiten.
  • Die Angaben zu Freundschaftsqualität und Nähe beruhen auf Selbstauskunft, was subjektive Verzerrungen nicht ausschließt.

Praktische Erkenntnisse für den Alltag

Auch wenn die Studie keine Kausalität belegt, liefern die Ergebnisse einige nachvollziehbare Anhaltspunkte für den Alltag:

  • Gleichaltrige Freundschaften entstehen häufig in Lebensphasen mit ähnlichen Herausforderungen, etwa Ausbildung, Berufseinstieg oder Familiengründung, was gemeinsames Verständnis erleichtern kann.
  • Der geschlechtsspezifische Unterschied bei Frauen deutet darauf hin, dass gleichgeschlechtliche Freundschaften bei ihnen eine besondere Rolle für emotionalen Austausch spielen könnten.
  • Persönlichkeitsmerkmale wie Extraversion und Verträglichkeit lassen sich nicht kurzfristig ändern, doch aktives Zugehen auf andere und Offenheit im Gespräch können unabhängig vom eigenen Persönlichkeitsprofil zu mehr Nähe in Freundschaften beitragen.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Was ist die Similarity-Attraction-Hypothese? Sie beschreibt die psychologische Annahme, dass Menschen sich eher zu Personen hingezogen fühlen, die ihnen in Werten, Interessen, Persönlichkeit oder demografischen Merkmalen ähneln, weil Ähnlichkeit Kommunikation erleichtert und eigene Überzeugungen bestätigt.

Was ist PAIRFAM genau? PAIRFAM ist eine deutsche Familienpanelstudie, die seit 2008 dieselben rund 12.000 Personen aus drei Geburtskohorten wiederholt zu Beziehungen, Familie und Lebensverläufen befragt.

Bedeutet das, dass unterschiedliche Freundschaften weniger wert sind? Nein. Die Studie fand nur einen moderaten statistischen Zusammenhang; viele enge Freundschaften bestehen trotz unterschiedlicher demografischer Merkmale, und Unterschiede können Beziehungen auch bereichern.

Warum wirkt sich Elternschaft bei Männern und Frauen unterschiedlich aus? Die Studie liefert dazu keine abschließende Erklärung; der Autor betont, dass es sich um einen beobachteten statistischen Zusammenhang handelt, dessen Ursachen weitere Forschung erfordern.

Welche Persönlichkeitsmerkmale hängen am stärksten mit engen Freundschaften zusammen? In der Studie zeigte insbesondere Extraversion einen deutlichen Zusammenhang mit höherer emotionaler Nähe, gefolgt von Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit und Offenheit für Erfahrungen.

Wie wurde emotionale Nähe in der Studie konkret gemessen?
Die Teilnehmenden beantworteten für jede genannte Person direkt die Frage „Wie nah fühlst du dich [Name der Person]?“, meist auf einer mehrstufigen Skala; es handelt sich also um eine subjektive Selbsteinschätzung und nicht um ein objektives Maß für Beziehungsqualität. Dadurch können persönliche Wahrnehmungsunterschiede das Ergebnis zusätzlich beeinflussen.

Warum wurden gerade junge Erwachsene aus drei Geburtskohorten untersucht?
PAIRFAM wurde gezielt so angelegt, dass die drei Kohorten (Jahrgänge 1991–1993, 1981–1983 und 1971–1973) unterschiedliche Lebensphasen wie Ausbildung, Familiengründung und etablierte Berufstätigkeit abdecken, um Beziehungsdynamiken über verschiedene Altersgruppen hinweg vergleichbar zu machen. Dieses Design erlaubt es, Veränderungen in Freundschaftsmustern über die Lebensspanne hinweg nachzuvollziehen.

Lässt sich aus der Studie ableiten, dass man gezielt nach ähnlichen Freunden suchen sollte?
Nein, das würde die Ergebnisse überinterpretieren; da die Studie keine Kausalität belegt, lässt sich daraus keine Handlungsempfehlung für die gezielte Auswahl von Freundschaften ableiten, sondern lediglich ein statistischer Zusammenhang beschreiben. Vielfältige Freundeskreise bringen zudem eigene Vorteile mit sich, die in dieser Studie gar nicht erfasst wurden.

Könnten kulturelle Unterschiede die Ergebnisse in anderen Ländern verändern? Das ist möglich, wurde in dieser Studie aber nicht direkt untersucht; da die Stichprobe ausschließlich aus Deutschland stammt, bleibt offen, ob die gefundenen Zusammenhänge zwischen Ähnlichkeit und emotionaler Nähe in Gesellschaften mit anderen sozialen Normen zu Freundschaft und Familie ebenso ausfallen würden. Erst länderübergreifende Vergleichsstudien könnten hier für mehr Klarheit sorgen.

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

Quellen

Hedrih, V. (2026, August 3). Friends tend to be somewhat closer if their demographic characteristics are similar. PsyPost. https://www.psypost.org/friends-tend-to-be-somewhat-closer-if-their-demographic-characteristics-are-similar/

Jokela, M. (2026). Emotional closeness with friends is associated with sociodemographic similarity and personality traits. Journal of Social and Personal Relationships. https://doi.org/10.1177/02654075261465750

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