Forscher finden eine Aminosäure, die für die Behandlung Long-COVID wichtig ist

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M.A. Dirk de Pol, aktualisiert am 31. Oktober 2023, Lesezeit: 8 Minuten

Phase-3-Studie für vorgeschlagene Nahrungsergänzung, neues Diagnoseinstrument soll validiert werden. Forscher der University of Alberta haben eine Aminosäure identifiziert, die eine Schlüsselrolle bei der Vorhersage schlechter klinischer Ergebnisse und bei der Behandlung von Langzeit-Cholesterinämie spielen könnte.

In den in Cell Reports Medicine veröffentlichten Forschungsergebnissen berichtet das Team, dass es einen prädiktiven Test entwickelt hat, mit dem sich feststellen lässt, welche COVID-19-Patienten langfristige Symptome entwickeln werden, und schlägt die klinische Erprobung eines bereits zugelassenen Nahrungsergänzungsmittels als mögliche Behandlung vor.

Um was geht es in der Long-COVID Studie?

Diese Forschungsarbeit hilft zu verstehen, was im Körper von Menschen mit Long-COVID passiert, und könnte in Zukunft zu besseren Behandlungen und Tests für sie führen, wie der Studienleiter Gavin Oudit erklärt. Oudit ist Professor für Medizin an der Fakultät für Medizin und Zahnmedizin der U of A und Direktor der Heart Function Clinic am Mazankowski Alberta Heart Institute. Im Rahmen der Studie beobachtete das Team 117 Patienten in Alberta, die mit einer akuten COVID-19-Erkrankung ins Krankenhaus eingeliefert wurden, entnahm bei der Aufnahme und nach sechs Monaten Blutproben und analysierte ihre Krankenakten über einen Zeitraum von 18 Monaten. Fünfundfünfzig der Patienten entwickelten später einen schweren Zustand nach COVID oder Long-COVID.

Die Forscher untersuchten das Blut der Patienten auf Veränderungen von Proteinen und Stoffwechselprodukten sowie auf Anzeichen von Entzündungen. Anschließend überprüften sie die Ergebnisse mit maschinellem Lernen und entwickelten ein Vorhersagemodell, das aus 20 Molekülen bestand. Sie stellten fest, dass ihr Modell negative klinische Ergebnisse nach der Entlassung aus einer akuten Infektion mit einer Genauigkeit von 83 Prozent vorhersagte.

Der auffälligste Unterschied, den die Forscher bei den Patienten feststellten, war der Plasmaspiegel der Aminosäure Taurin. Patienten mit niedrigen Taurinwerten wiesen dabei deutlich mehr Symptome auf. Sie wurden auch häufiger ins Krankenhaus eingeliefert und hatten ein höheres Sterberisiko, wie Prof. Oudit erklärt. Patienten mit hohen Taurinwerten, die den Taurinspiegel im Blut hoch hielten, hatten hingegen viel weniger anhaltende Symptome und schnitten besser ab, so der Forscher.

Taurin ist eine Aminosäure, die in Fleisch und Fisch vorkommt und auch in der menschlichen Leber gebildet wird. Sie trägt zur Regulierung verschiedener physiologischer Funktionen bei, unter anderem des Immunsystems.

Weitere Studien über die Auswirkungen einer Taurin-Supplementierung beim Menschen sind notwendig, sagt Oudit, dessen Team nun eine klinische Phase-3-Studie bei COVID-19-Patienten starten will, um zu testen, ob sie Long-COVID-Symptome minimieren können. Oudit hofft, dass Taurin multisystemische Wirkungen hat, die für Menschen mit einer Reihe von COVID-Langzeitsymptomen von Nutzen sein könnten. In der Zwischenzeit rät er zu Geduld.

„Die Patienten sollten nicht einfach anfangen, Taurin in großen Mengen zu konsumieren, um eine Long-COVID zu vermeiden“, sagt Oudit. „Taurinpräparate sind relativ sicher, aber wir brauchen den Nachweis in einer klinischen Studie.“

Was ist Long-Covid?

Long-COVID bezieht sich auf anhaltende Symptome und Komplikationen, die bei einigen Menschen auftreten können, auch nachdem sie die akute Phase einer SARS-CoV-2-Infektion (COVID-19) überstanden haben. Während die meisten Menschen, die mit dem Virus infiziert sind, sich innerhalb von zwei bis drei Wochen erholen, erleben einige andere langfristige Auswirkungen.

Die genauen Ursachen von Long-COVID sind noch nicht vollständig verstanden, aber es wird angenommen, dass mehrere Faktoren eine Rolle spielen können. Dazu gehören anhaltende Entzündungen, Autoimmunreaktionen, Schäden an Organen und Geweben sowie andere komplexe biologische Mechanismen.

Die Symptome von Long-COVID können vielfältig sein und verschiedene Organsysteme betreffen. Zu den häufigsten Symptomen gehören anhaltende Müdigkeit, Kurzatmigkeit, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme (Brain Fog), Schlafstörungen, anhaltender Husten, Kopfschmerzen, Schwindel, Herzrhythmusstörungen und psychische Beeinträchtigungen wie Angstzustände und Depressionen.

Long-COVID kann Menschen jeden Alters betreffen, unabhängig von der Schwere der ursprünglichen COVID-19-Erkrankung. Selbst Personen, die keine schweren Symptome während der akuten Phase hatten oder die nicht im Krankenhaus behandelt wurden, können von Langzeitfolgen betroffen sein.

Die Behandlung von Long-COVID konzentriert sich auf die Linderung der Symptome und die Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen. Dies kann eine Kombination aus medizinischer Versorgung, Rehabilitation, physikalischer Therapie, psychologischer Unterstützung und anderen individuell angepassten Maßnahmen umfassen.

Es ist wichtig, dass Menschen, die anhaltende Symptome nach einer COVID-19-Infektion haben, ärztliche Hilfe suchen und eine angemessene medizinische Betreuung erhalten. Die Forschung zu Long-COVID ist noch im Gange, und Experten arbeiten daran, das Phänomen besser zu verstehen und geeignete Behandlungsansätze zu entwickeln.

Dauer von Long-COVID

Long-COVID bezeichnet das Fortbestehen von Symptomen für einen längeren Zeitraum nach der akuten Phase einer COVID-19-Erkrankung. Es gibt keine allgemein akzeptierte Definition für die genaue Dauer von Long-COVID, da die Symptome von Person zu Person variieren können. Einige Studien verwenden eine Zeitspanne von 12 Wochen oder länger als Kriterium.

Vielfältige Symptome von Long-COVID

Die Symptome von Long-COVID können nahezu jedes Organsystem betreffen. Neben den bereits erwähnten häufigen Symptomen können auch andere Beschwerden auftreten, wie beispielsweise anhaltender Verlust des Geruchs- oder Geschmackssinns, Hautausschläge, Verdauungsprobleme, Schwindel, Haarausfall und autonome Dysfunktion. Long-COVID tritt nach der akuten Phase einer COVID-19-Erkrankung auf. Während der akuten Phase kämpft der Körper gegen das Virus an, während sich in der post-akuten Phase die Symptome entwickeln, die länger anhalten können.

Unterschiedliche Schweregrade

Die Schwere der Long-COVID-Symptome variiert ebenfalls. Einige Menschen haben milde Symptome, die ihre täglichen Aktivitäten nur geringfügig beeinträchtigen, während andere mit schwerwiegenderen Symptomen zu kämpfen haben, die sie stark beeinträchtigen können.

Da Long-COVID ein vergleichsweise neues Phänomen ist, wird weiterhin intensiv geforscht, um die Ursachen, Mechanismen und Behandlungsmöglichkeiten besser zu verstehen. In vielen Ländern gibt es Initiativen zur Erfassung und Unterstützung von Menschen mit Long-COVID, um ihre Bedürfnisse anzuerkennen und adäquate Versorgung bereitzustellen.

Langfristige Auswirkungen

Long-COVID kann erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen haben. Die anhaltenden Symptome können zu Einschränkungen bei der Arbeit, in sozialen Beziehungen und in anderen Lebensbereichen führen. Einige Menschen benötigen möglicherweise eine längere Erholungszeit und Rehabilitationsmaßnahmen, um wieder vollständig gesund zu werden.

Es ist wichtig anzumerken, dass Forschung und medizinisches Verständnis zu Long-COVID fortlaufend weiterentwickelt werden. Es ist ratsam, aktuelle Informationen von vertrauenswürdigen Quellen wie Gesundheitsbehörden oder medizinischen Fachorganisationen zu beziehen.

Was ist Taurin?

Taurin ist eine organische Säure, die natürlicherweise im menschlichen Körper und in vielen tierischen Geweben vorkommt. Es ist auch in verschiedenen Lebensmitteln enthalten, insbesondere in Fleisch, Fisch und einigen energiehaltigen Getränken.

Taurin erfüllt mehrere wichtige Funktionen im Körper. Es ist an der Bildung und Funktion von Gallensäuren beteiligt, die bei der Verdauung und Aufnahme von Nahrungsfetten helfen. Taurin ist auch in hohen Konzentrationen in Geweben wie dem Herzen, der Netzhaut und den Skelettmuskeln vorhanden, wo es zur Regulierung zellulärer Prozesse und zur Aufrechterhaltung der Stabilität der Zellmembran beiträgt.

Taurin wird oft mit energiehaltigen Getränken in Verbindung gebracht, da es in einigen dieser Getränke in hoher Konzentration enthalten ist. Diese Getränke werden oft als „Energie-Drinks“ bezeichnet und enthalten neben Taurin oft auch Koffein, Zucker und andere stimulierende Substanzen. Es wird angenommen, dass Taurin in Kombination mit Koffein eine stimulierende Wirkung auf das zentrale Nervensystem haben kann.

Es gibt einige Hinweise darauf, dass Taurin bei bestimmten gesundheitlichen Bedingungen von Vorteil sein kann. Es wird beispielsweise als Nahrungsergänzungsmittel zur Unterstützung der Herzgesundheit verwendet und es gibt Studien, die darauf hindeuten, dass Taurin bei der Behandlung von bestimmten Augenerkrankungen und neurologischen Störungen helfen könnte. Allerdings ist die wissenschaftliche Datenlage in diesen Bereichen noch begrenzt, und weitere Forschung wird benötigt, um die genauen Wirkmechanismen und potenziellen Vorteile von Taurin besser zu verstehen.

Taurin kommt natürlich in verschiedenen tierischen Lebensmitteln vor, darunter Fleisch, Fisch und Milchprodukte. In pflanzlichen Lebensmitteln ist es nicht üblich, weshalb Veganer und Vegetarier einen geringeren Tauringehalt in ihrem Körper haben können. Der Körper kann Taurin jedoch auch aus anderen Aminosäuren, wie Cystein und Methionin, synthetisieren.

Es ist wichtig anzumerken, dass die Einnahme von Taurin in Form von Nahrungsergänzungsmitteln oder energiehaltigen Getränken nicht für jeden empfohlen ist, insbesondere nicht in übermäßigen Mengen. Wie bei allen Nahrungsergänzungsmitteln sollten Sie vor der Einnahme von Taurin oder anderen Substanzen Rücksprache mit einem Arzt oder einer qualifizierten medizinischen Fachkraft halten, um mögliche Risiken oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu besprechen.

Quellen

Sequential multi-omics analysis identifies clinical phenotypes and predictive biomarkers for long COVID. Kaiming Wang, Mobin Khoramjoo, Karthik Srinivasan, David S. Wishart, Vinay Prasad, Gavin Y. Oudit, October 26, 2023. DOI:https://doi.org/10.1016/j.xcrm.2023.101254

Long-COVID, Wikipedia, 2023.

Taurin,  Wikipedia, 2023.

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