Wie Impfskeptiker und Impfgegner Risiken einschätzen

Studie: Wie Impfgegner und Impfskeptiker Risiken einschätzen

Impfgegner: Einer wissenschaftlichen Studie der Texas Tech University zu Folge überschätzen Impfskeptiker und Impfgegner die Wahrscheinlichkeit aller Arten von negativen Ereignissen, insbesondere solcher, die selten sind.

Seit 2000 gilt das Masernvirus in den USA als ausgerottet. Obwohl die Krankheitsfälle aus dem Ausland eingeschleppt wurden, gab es nur wenige Ausbrüche, da die meisten Menschen gegen Masern geimpft waren. Und dann kam 2019.

In den USA gab es in 31 Bundesstaaten insgesamt 1.282 bestätigte Fälle von Masern – die höchste Zahl, die seit 1992 gemeldet wurde, wobei nach Angaben der Centers for Disease Control and Prevention fast drei Viertel der Fälle mit jüngsten Ausbrüchen in New York zusammenhingen. Die meisten Fälle betrafen Menschen, die nicht gegen Masern geimpft waren.

Nach solchen Ereignissen zeigen sich viele Menschen ratlos über das Zögern oder die mangelnde Bereitschaft anderer, sich impfen zu lassen oder ihre Kinder zu impfen, ein Phänomen, das als Impfskepsis bezeichnet wird. Da die Impfstoffskepsis immer weiter um sich greift, haben zwei Forscher des Fachbereichs für Psychologische Wissenschaften der Texas Tech University eine mögliche Erklärung dafür geliefert.

In einem kürzlich in der Fachzeitschrift Vaccine veröffentlichten Artikel vermuten Mark LaCour und Tyler Davis, dass einige Menschen Impfstoffe für riskant halten, weil sie die Wahrscheinlichkeit negativer Auswirkungen überschätzen. Insbesondere solcher, die selten sind. Das legt den Schluss nahe, dass es grundlegende kognitive oder affektive Variablen gibt, die die Impfstoffskepsis beeinflussen.

In einem Experiment befragten die Forscher LaCour und Davis 158 Studienteilnehmer, um den Grad der Impfstoffskepsis zu ermitteln, der ihren wahrgenommenen Gefahren, dem Gefühl der Machtlosigkeit, der Desillusionierung und dem Vertrauen in Behörden in Bezug auf Impfstoffe zugrunde liegt. Anschließend schätzten die Teilnehmer die Häufigkeit von Todesfällen im Zusammenhang mit 40 verschiedenen Ursachen, die von Krebs, Tierbissen und Geburten bis hin zu Feuerwerkskörpern, Überschwemmungen und Autounfällen reichten.

Dabei stellten die Forscher fest, dass Menschen mit einer höheren Skepsis gegenüber Impfstoffen (Impfskeptiker und Impfgegner) weniger genau einschätzten, wie häufig diese Todesursachen auftreten. Insbesondere stellten sie fest, dass eine höhere Impfskepsis mit einer Überschätzung seltener Ereignisse verbunden war.

Die Forscher vermuten, dass Impfskeptiker beziehungsweise Impfgegner wahrscheinlich nicht das beste Verständnis dafür haben, wie wahrscheinlich oder unwahrscheinlich verschiedene Ereignisse sind beziehungsweise eintreffen.

Sie lassen sich vielleicht leichter von anekdotenhaften Schreckensmeldungen beeinflussen. Ein Kind kann zum Beispiel einen Anfall bekommen, weil es geimpft wurde. Das ist extrem selten, aber es ist im Bereich des Möglichen. Diese kognitiven Verzerrungen von Anekdoten zu Trends werden wahrscheinlich durch die Entscheidung, statistisch nicht repräsentative Informationsquellen zu nutzen, noch verschlimmert.

Während die Forscher keinen Zusammenhang zwischen dem Bildungsgrad einer Person und ihrer Impfstoffskepsis feststellen konnten, glauben LaCour und Davis, dass es einen Unterschied in den Informationen gibt, die von Personen mit höherer Impfstoffskepsis konsumiert und genutzt werden.

Es kann sein, so die Forscher, dass Impfskeptiker und Impfgegner gezielt nach voreingenommenen Informationen suchen, zum Beispiel, die ihre skeptischen Überzeugungen bestätigen. Es könnte außerdem sein, dass sie bei negativen, mit der Sterblichkeit zusammenhängenden Ereignissen eine stärkere Verzerrung der Aufmerksamkeit haben, wodurch sie sich diese Informationen besser merken können.

(Quelle: Journal Vaccine / Texas Tech University)

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