Medizin Doc Redaktion, Veröffentlicht am: 24.02.2024, Lesezeit: 5 Minuten

In einer neuen Studie unter der Leitung von Jeffrey Kordower, Direktor des ASU-Banner Neurodegenerative Disease Research Center an der Arizona State University, wurden neue Erkenntnisse gewonnen, die das herkömmliche Verständnis der Parkinson-Krankheit in Frage stellen. Diese Forschung wirft ein neues Licht auf die Rolle eines kritischen Proteins namens Tau in den frühen Stadien der Krankheit und könnte die Art und Weise, wie wir die Diagnose und Behandlung angehen, revolutionieren.

Die Parkinson-Krankheit verstehen

Die Parkinson-Krankheit ist nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste Form der fortschreitenden Demenz und betrifft fast 1 Million Menschen in den USA und schätzungsweise 10 Millionen Menschen weltweit. Es handelt sich um eine neurodegenerative Erkrankung, die durch die Degeneration der Dopamin produzierenden Neuronen im Gehirn gekennzeichnet ist und zu einer Reihe von motorischen und nicht-motorischen Symptomen führt. Als klassisches diagnostisches Merkmal der Parkinson-Krankheit wurde lange Zeit das Protein Alpha-Synuclein angesehen. Die jüngste Studie von Jeffrey Kordower stellt diese konventionelle Sichtweise jedoch in Frage und unterstreicht die Rolle der Tau-Pathologie bei der Krankheit.

Tau ist ein wichtiges Protein, das an der Aufrechterhaltung der Struktur und Funktion von Neuronen beteiligt ist. In der Studie fanden Kordower und seine Kollegen heraus, dass Aggregate des Tau-Proteins eine entscheidende Rolle beim Fortschreiten der Parkinson-Krankheit spielen könnten. Diese Aggregate von fehlgefaltetem Tau könnten möglicherweise Prozesse der neuronalen Schädigung und des Absterbens in Gang setzen und so zu den charakteristischen motorischen Symptomen der Krankheit beitragen. Diese Entdeckung stellt die vorherrschende Meinung in Frage, dass Alpha-Synuclein die Hauptrolle in der Pathogenese der Parkinson-Krankheit spielt.

Verlagerung des Schwerpunkts von Forschung und Behandlung

Die Ergebnisse dieser Studie haben erhebliche Auswirkungen auf die Erforschung, Diagnose und Behandlung der Parkinson-Krankheit. Derzeit liegt der Schwerpunkt der Forschung und der therapeutischen Interventionen auf der Bekämpfung von Alpha-Synuclein. Die Identifizierung der Tau-Pathologie als Schlüsselfaktor für die Degeneration der dopaminproduzierenden Neuronen deutet jedoch darauf hin, dass eine Verlagerung des Schwerpunkts auf Tau zu neuen Forschungsansätzen und potenziellen therapeutischen Ansätzen führen könnte.

Die Parkinson-Krankheit durchläuft verschiedene Stadien, wobei der zeitliche Ablauf von Person zu Person unterschiedlich ist. Die typischen Stadien, wie sie von der Parkinson-Stiftung beschrieben werden, können Patienten helfen, die Veränderungen zu verstehen, die sie erleben können. Es ist wichtig zu wissen, dass sich die Krankheit bei jedem Menschen anders auswirkt und dass nicht jeder alle Symptome in der gleichen Reihenfolge oder Intensität erlebt. Bei manchen Menschen können sich die Veränderungen über einen Zeitraum von 20 Jahren oder mehr erstrecken, während bei anderen ein schnellerer Verlauf zu beobachten ist.

Die Prävalenz der Parkinson-Krankheit hat sich in den letzten 25 Jahren verdoppelt, was auf Faktoren wie Bevölkerungswachstum, Alterung, genetische Veranlagung, veränderte Lebensweise und Umweltverschmutzung zurückgeführt werden kann. Die zunehmende Prävalenz der Krankheit unterstreicht die Bedeutung der laufenden Forschung und die Notwendigkeit innovativer Ansätze für Diagnose und Behandlung.

Die Rolle von genetischen und Umweltfaktoren

Das Fortschreiten der Parkinson-Krankheit wird durch eine Kombination von genetischen und umweltbedingten Faktoren beeinflusst. Nach der Diagnose sprechen viele Menschen zunächst gut auf Medikamente wie Levodopa an, die die Symptome über einen längeren Zeitraum lindern können. Im Laufe der Zeit sind jedoch häufig Änderungen der Medikamenteneinnahme erforderlich, da sich die Symptome verstärken können. Das Verständnis des Zusammenspiels von genetischen und umweltbedingten Faktoren ist entscheidend für die Entwicklung personalisierter Behandlungsstrategien.

Das Potenzial von Frühdiagnose und Frühintervention

Die von Jeffrey Kordower und seinen Kollegen durchgeführte Studie legt nahe, dass die Tau-Pathologie schon früh in der Entwicklung der Parkinson-Krankheit auftritt. Indem Tau als gemeinsamer Nenner bei Personen mit leichten motorischen Beeinträchtigungen identifiziert wird, öffnet die Forschung Türen für eine frühere Diagnose und Intervention. Die frühzeitige Erkennung der Tau-Pathologie könnte es Fachleuten im Gesundheitswesen ermöglichen, gezielte Maßnahmen zu ergreifen, um das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen oder zu verändern.

Auswirkungen auf Parkinsonismus

Die Ergebnisse der Studie werfen auch ein Licht auf den Parkinsonismus, eine Erkrankung, die die Symptome der Parkinson-Krankheit nachahmt, aber andere zugrunde liegende Mechanismen aufweist. Das Vorhandensein von Tau-Pathologie in der nigrostriatalen Region des Gehirns, die sowohl bei der Parkinson-Krankheit als auch bei Parkinsonismus vorkommt, bietet eine neue Perspektive für das Verständnis und die Behandlung verschiedener Formen von Parkinsonismus. Die gezielte Beeinflussung der Tau-Pathologie könnte vielversprechend für die Entwicklung therapeutischer Ansätze sein, die auch Menschen mit Parkinsonismus zugute kommen können.

Fazit

Die Forschungsarbeiten von Jeffrey Kordower und seinem Team stellen das herkömmliche Verständnis der Parkinson-Krankheit in Frage und unterstreichen die Rolle der Tau-Pathologie beim Fortschreiten der Krankheit. Indem sie den Schwerpunkt von Alpha-Synuclein auf Tau verlagert, eröffnet diese Studie neue Wege für Forschung, Diagnose und Behandlung. Die frühzeitige Erkennung der Tau-Pathologie könnte zu personalisierten Interventionen führen, die den Krankheitsverlauf verlangsamen oder verändern. Während wir weiterhin die Komplexität der Parkinson-Krankheit entschlüsseln, geben diese Ergebnisse Hoffnung auf eine verbesserte Patientenversorgung und ein tieferes Verständnis

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Yaping Chu, Warren D Hirst, Howard J Federoff, Ashley S Harms, A Jon Stoessl, Jeffrey H Kordower, Nigrostriatal tau pathology in parkinsonism and Parkinson’s disease, Brain, Volume 147, Issue 2, February 2024, Pages 444–457, https://doi.org/10.1093/brain/awad388
  2. Parkinson-Krankheit, Wikipedia 2024.
  3. The Latest Advances and Innovation in Parkinson’s Disease Treatment “ Department of Neurology “ College of Medicine “ University of Florida

ddp


⊕ Dieser Beitrag wurde auf der Grundlage wissenschaftlicher Fachliteratur und fundierter empirischer Studien und Quellen erstellt und in einem mehrstufigen Prozess überprüft.

Wichtiger Hinweis: Der Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

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# Genetik und Lebenserwartung Bis zu 50 Prozent durch Erbfaktoren bestimmt Eine bahnbrechende Studie, im Januar 2026 im Fachjournal Science veröffentlicht, zeigt, dass die genetische Erblichkeit der menschlichen Lebensspanne bei über 50 Prozent liegt, wenn äußere Todesursachen wie Unfälle oder Infektionskrankheiten aus der Berechnung herausgerechnet werden – ein Befund, der bisherige Schätzungen grundlegend korrigiert und neue Perspektiven für die Erforschung von Alterungsprozessen und Langlebigkeit eröffnet. --- ## Bisherige Schätzungen deutlich zu niedrig Jahrzehntelang galt in der Wissenschaft eine vergleichsweise bescheidene Zahl Zwillingsstudien schätzten die Erblichkeit der menschlichen Lebensspanne auf lediglich 20 bis 25 Prozent. Neuere Stammbaumanalysen mit großen Datensätzen hatten diesen Wert sogar auf unter 6 Prozent gedrückt. Diese niedrigen Zahlen führten zu einem wissenschaftlichen Widerspruch Warum sollte die menschliche Lebensspanne weitaus weniger genetisch beeinflusst sein als fast alle anderen komplexen menschlichen Merkmale, von der Körpergröße über den Intelligenzquotienten bis hin zur Herzgesundheit --- ## Die methodische Schwäche Extrinsische Sterblichkeit Forscherinnen und Forscher des Weizmann Institute of Science in Rehovot (Israel), des Karolinska Institutet in Stockholm und des Leiden University Medical Center haben nun eine entscheidende methodische Schwachstelle in den bisherigen Studien identifiziert. Das Problem Frühere Berechnungen bezogen alle Todesursachen ein, also auch solche, die nichts mit dem biologischen Alterungsprozess des Körpers zu tun haben. Unfälle im Straßenverkehr, Tötungsdelikte, Ertrinken oder tödliche Infektionskrankheiten – all das sind sogenannte extrinsische Todesursachen. Sie sind vom Zufall oder von äußeren Umständen abhängig, nicht von der genetischen Konstitution eines Menschen. Wird dieser Störfaktor nicht bereinigt, verzerrt er die statistische Schätzung der Erblichkeit erheblich nach unten. --- ## Methodik Mathematische Modellierung und Zwillingsstudien Das Forschungsteam um Ben Shenhar und Uri Alon entwickelte ein mathematisches Modell, das zwischen intrinsischer Sterblichkeit (also dem biologisch bedingten Altern) und extrinsischer Sterblichkeit unterscheidet. Anschließend wurden zwei Arten von Zwillingskohorten analysiert - Zusammen aufgewachsene Zwillinge, die ähnliche Umwelteinflüsse teilten - Getrennt aufgewachsene Zwillinge, bei denen Umwelteinflüsse stärker abweichen Durch den Vergleich dieser Gruppen und die Bereinigung um extrinsische Todesursachen gelangten die Forschenden zu einer neuen Schätzung Die Erblichkeit der intrinsischen menschlichen Lebensspanne liegt bei über 50 Prozent. --- ## Was bedeutet „Erblichkeit von 50 Prozent Ein häufiges Missverständnis muss hier ausgeräumt werden Eine Erblichkeit von 50 Prozent bedeutet nicht, dass die Hälfte des eigenen Lebens von den Genen „vorprogrammiert ist. Der Begriff beschreibt vielmehr, wie viel der Variation in der Lebensspanne innerhalb einer Population auf genetische Unterschiede zwischen Individuen zurückzuführen ist. ### Vergleichbare Werte bei anderen Merkmalen Ein Erblichkeitswert von etwa 50 Prozent gilt in der Genetik als substanziell. Zum Vergleich - Körpergröße ca. 80 Prozent - Body-Mass-Index (BMI) ca. 40–70 Prozent - Blutdruck ca. 30–50 Prozent - Typ-2-Diabetes ca. 25–50 Prozent Die neue Studie ordnet die menschliche Lebensspanne damit in die gleiche Kategorie wie viele andere medizinisch relevante komplexe Merkmale ein. Dieser Befund steht auch im Einklang mit der Erblichkeit der Lebensspanne bei anderen Spezies. --- ## Warum dieser Befund für die Medizin bedeutsam ist ### Longevity-Gene als Schlüssel zum Altern Eine hohe genetische Erblichkeit der Lebensspanne hat direkte Konsequenzen für die biomedizinische Forschung. Je stärker ein Merkmal genetisch verankert ist, desto aussagekräftiger sind genomweite Assoziationsstudien (GWAS), die nach spezifischen Genvarianten suchen. Identifizierte Langlebigkeitsgene können biologische Mechanismen des Alterns aufdecken, etwa in Bezug auf - DNA-Reparatursysteme - Entzündungsregulation (Inflammaging) - Mitochondriale Funktion - Telomerlänge und -stabilität ### Konsequenzen für die öffentliche Gesundheit Die Erkenntnis, dass rund die Hälfte der Variation in der intrinsischen Lebensspanne genetisch bedingt ist, bedeutet gleichzeitig, dass die andere Hälfte durch Umwelt- und Verhaltensfaktoren beeinflusst wird. Dazu gehören - Ernährungsweise und körperliche Aktivität - Sozioökonomischer Status und Bildung - Zugang zu Gesundheitsversorgung - Exposition gegenüber Schadstoffen und chronischem Stress Dieser Befund unterstreicht die Bedeutung sowohl der Präzisionsmedizin als auch der Public-Health-Interventionen. --- ## Kontext Wo die Forschung steht Die Studie erschien am 29. Januar 2026 in Science (DOI 10.1126science.adz1187, Band 391, Heft 6784, Seiten 504–510) und wurde von Forschenden des Weizmann Institute, des Karolinska Institutet, der Westlake University in Hangzhou sowie des Leiden University Medical Center verfasst. Die Arbeit ist eine Zwillingsstudie, klassifiziert im Rahmen der standardisierten MeSH-Terminologie der US-amerikanischen National Library of Medicine. Frühere Schätzwerte auf Basis ähnlicher Zwillingsdaten, jedoch ohne Bereinigung um extrinsische Sterblichkeit, lagen laut dem Abstract bei 20 bis 25 Prozent. Stammbaum-basierte Großstudien hatten zuletzt Werte von nur 6 Prozent gemeldet. --- ## Was bleibt offen Die Studie liefert eine methodisch fundierte Neubewertung der Erblichkeitsschätzungen. Dennoch bestehen offene Fragen - Welche spezifischen Genvarianten tragen am stärksten zur intrinsischen Lebensspanne bei - Wie interagieren genetische und epigenetische Faktoren im Alterungsprozess - Lassen sich die Befunde auf verschiedene Ethnizitäten und geographische Populationen übertragen Diese Fragen werden die Forschung in den kommenden Jahren beschäftigen. Die vorliegende Studie legt dafür ein wichtiges methodisches Fundament. --- ## Häufig gestellte Fragen (FAQs) Bedeutet eine Erblichkeit von 50 Prozent, dass mein Lebensalter zur Hälfte feststeht Nein. Erblichkeit ist ein statistisches Konzept, das die Variation innerhalb einer Population beschreibt, nicht ein Schicksal des Einzelnen. Lebensstil, Umwelt und medizinische Versorgung spielen weiterhin eine erhebliche Rolle. Warum haben frühere Studien so viel niedrigere Werte gefunden Frühere Zwillings- und Stammbaumstudien berücksichtigten keine Trennung zwischen biologisch bedingtem Altern und äußeren Todesursachen wie Unfällen. Diese Vermischung führte systematisch zu einer Unterschätzung der genetischen Erblichkeit. Was sind extrinsische Todesursachen Damit sind Todesfälle gemeint, die nicht auf das biologische Altern zurückzuführen sind Verkehrsunfälle, Gewaltverbrechen, Ertrinken oder akute Infektionskrankheiten. Diese Ereignisse hängen primär von äußeren Umständen ab, nicht von der genetischen Konstitution. Hat die Studie praktische Bedeutung für die Langlebigkeitsforschung Ja, erheblich. Ein hoher Erblichkeitswert legitimiert genomweite Studien zur Suche nach Langlebigkeitsgenen. Solche Gene können Aufschluss über Alterungsmechanismen geben und als Angriffspunkte für medizinische Interventionen dienen. Gilt dieses Ergebnis nur für bestimmte Bevölkerungsgruppen Die analysierten Zwillingskohorten stammen aus spezifischen Studienpopulationen. Die Autoren selbst stellen offen, ob die Ergebnisse vollständig auf alle ethnischen Gruppen und Weltregionen übertragbar sind, was in weiteren Studien untersucht werden muss. Wie unterscheidet sich die neue Schätzung von bisherigen Werten Bisherige Schätzungen lagen bei 6 bis 25 Prozent. Die neue Studie kommt auf über 50 Prozent, wenn ausschließlich intrinsische, also biologisch-genetisch bedingte Sterblichkeit betrachtet wird. --- ## Quellen Shenhar, B., Pridham, G., De Oliveira, T. L., Raz, N., Yang, Y., Deelen, J., Hägg, S., & Alon, U. (2026). Heritability of intrinsic human life span is about 50% when confounding factors are addressed. Science, 391(6784), 504–510. httpsdoi.org10.1126science.adz1187 Hjelmborg, J. V., Iachine, I., Skytthe, A., Vaupel, J. W., McGue, M., Koskenvuo, M., Kaprio, J., Pedersen, N. L., & Christensen, K. (2006). 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