Studie: Nackenschmerzen – und welchen Einfluss Body-Maß-Index und Alter haben

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Medizin Doc Redaktion, aktualisiert am 19.02.2023, Lesezeit: 6 Minuten

Ursachen für Nackenschmerzen

Forscher der Texas A&M University haben in einer Studie gezeigt, dass sowohl persönliche Faktoren als auch die Tageszeit eine Rolle für die Kraft und Ausdauer des Nackens spielen.

Immer mehr Berufe erfordern stundenlanges, gebücktes Sitzen vor dem Computerbildschirm – Nackenschmerzen sind ein wachsendes Berufsrisiko. Auch Smartphones und andere Geräte haben dazu geführt, dass Menschen ihren Nacken über längere Zeiträume beugen.

Doch ist eine falsche Körperhaltung allein schuld an Nackenschmerzen?

In ihrer Studie fanden Forschenden an der Texas A&M University heraus, dass eine schlechte Nacken- und Kopfhaltung zwar die Hauptursache für Nackenschmerzen ist, dass aber auch der Body-Mass-Index, das Alter und die Tageszeit die Fähigkeit des Nackens beeinflussen, anhaltende oder wiederholte Bewegungen auszuführen.

Laut Xudong Zhang, Professor an der Texas A&M University, sind Nackenschmerzen weltweit eine der häufigsten und am schnellsten zunehmenden Ursachen für gesundheitliche Beeinträchtigungen.

Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeit deuten auf eine Kombination von beruflichen und persönlichen Faktoren hin, die sich im Laufe der Zeit stark auf die Kraft und Ausdauer des Nackens auswirken.

Und was noch wichtiger ist: Da diese Faktoren nun identifiziert sind, können sie so verändert werden, dass der Nacken in einem besseren Zustand bleibt und Schmerzen vermieden oder gelindert werden können, so Prof. Zhang.

  • Laut der Global Burden of Disease Study des Institute for Health Metrics and Evaluation sind Nackenschmerzen weltweit die vierthäufigste Ursache für gesundheitliche Einschränkungen.

Geschlecht, Gewicht, Alter und arbeitsbezogene Gewohnheiten

Als einer der Hauptgründe für Nackenschmerzen wurde der Lebensstil genannt, insbesondere wenn Menschen lange Zeit mit nach vorne gebeugtem Nacken arbeiten.

Laut Prof. Zhang fehlte jedoch eine systematische, quantitative Studie darüber, wie persönliche Faktoren wie Geschlecht, Gewicht, Alter und arbeitsbezogene Gewohnheiten die Nackenstärke und -ausdauer beeinflussen.

Für ihre Experimente rekrutierten Zhang und sein Forscherteam 20 erwachsene Männer und 20 erwachsene Frauen ohne vorherige Probleme mit dem Nacken, um kontrollierte Kopf-Nacken-Belastungen in einer Laborumgebung durchzuführen.

Anstatt die Teilnehmer zu bitten, eine bestimmte Nackenhaltung für eine lange Zeit zu halten, ähnlich wie es am Arbeitsplatz der Fall sein könnte, führten sie Kopf-Nacken-Belastungen „bis zur Erschöpfung“ durch.

Bei den Übungen saßen die Probanden und wurden gebeten, einen verstärkten Helm aufzusetzen, der es ermöglichte, eine messbare Kraft auf den Nacken auszuüben. Anschließend forderten die Forscher die Testpersonen auf, entweder den Nacken gerade zu halten oder den Nacken in einer nach vorne oder nach hinten geneigten Position zu halten.

Als Zhang und sein Team die Daten analysierten, stellten sie fest, dass, wie erwartet, arbeitsbezogene Faktoren wie die Kopf-/Nackenhaltung eine sehr wichtige Rolle bei der Bestimmung der Nackenstärke und der Ausdauer spielen.

Gleichzeitig beobachteten die Wissenschaftler aber auch, dass es zwar keinen signifikanten Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Probanden bei der Nackenausdauer gab, der Body-Mass-Index aber ein signifikanter Einflussfaktor für die Nackenausdauer war.

  • Zu ihrer Überraschung beeinflusste auch die Tageszeit die Fähigkeit des Nackens, eine Anstrengung ohne Ermüdung durchzuhalten.

Es ist naheliegend, dass unser Nacken im Laufe des Tages müder wird, da wir ihn stärker beanspruchen, so die Forscher. Aber etwa die Hälfte der Teilnehmer wurde am Morgen getestet, die anderen am Nachmittag. Außerdem hatten einige der Teilnehmer Tagesjobs und einige arbeiteten nachts. Trotzdem fanden wir durchgängig den Effekt der Tageszeit auf die Nackenausdauer.

Die Forscher sind der Ansicht, dass die gewonnenen Daten zu Nackenstärke und -ausdauer auch für den Aufbau von fortgeschrittenen muskuloskelettalen biomechanischen Modellen des Nackens nützlich sind, die dann verwendet werden können, um zum Beispiel bestimmte Nackenmuskeln, die anfälliger für Verletzungen sind, auseinanderzuhalten.

  • Die Ergebnisse der Untersuchung wurden online in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Human Factors veröffentlicht. Weitere Mitwirkende an dieser Arbeit waren Suman Chowdhury von der Texas Tech University sowie Yu Zhou, Bocheng Wan und Curran Reddy vom Fachbereich Industrial and Systems Engineering.

Nackenschmerzen was tun?

Normalerweise verschwinden die Nackenschmerzen nach einigen Tagen von selbst. Wichtig ist, dass man sich im Alltag weiterhin bewegt. Bei Schmerzen kann man es mit Wärme, Massagen, Dehn- und Kräftigungsübungen und Schmerzmitteln versuchen. Durch gezielte Bewegungsübungen kann man Nackenschmerzen vorbeugen.

Akute Nackenschmerzen sind nicht selten und in der Regel kein Grund zur Sorge. Häufig sind Muskelverspannungen der Auslöser, zum Beispiel nach langer Arbeit am Schreibtisch oder durch ungünstige Schlafposition.

Oft lässt sich aber keine eindeutige Ursache finden. Akute Nackenschmerzen klingen in der Regel nach ein bis zwei Wochen ab. Bei manchen Menschen treten sie nach bestimmten Belastungen wieder auf, zum Beispiel nach der Arbeit oder nach intensivem Sport.

Halten die Beschwerden länger als drei Monate an, spricht man von chronischen Nackenschmerzen. Wenn Nackenschmerzen chronisch werden, spielen oft psychische Belastungen und Stress eine Rolle.

Manche Menschen mit Nackenschmerzen befürchten, dass sich ihre Beschwerden verschlimmern oder dass sie sich verletzen könnten, wenn sie weiterhin körperlich aktiv sind. Solange es keine Warnzeichen für ernsthafte Probleme gibt, besteht jedoch kein Grund zur Sorge.

  • Vielmehr ist es wichtig, trotz der Schmerzen in Bewegung zu bleiben und den Alltag wie gewohnt zu bewältigen. Ein gezieltes Nackentraining kann Nackenschmerzen vorbeugen.

Die Wirksamkeit der meisten therapeutischen Maßnahmen bei unspezifischen Nackenschmerzen ist nicht ausreichend untersucht. Wärmeanwendungen, etwa mit Wärmflaschen oder Heizkissen, sind ein einfacher Ansatz, um die Schmerzen zu lindern. Weitere Möglichkeiten sind Dehn- und Kräftigungsübungen, Massagen oder Schmerzmittel.

Quellen

Der Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

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