Herzgesunde Ernährung: Das Gesamtmuster zählt mehr als Nährstoffe

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M.A. Dirk de Pol, aktualisiert am 1. Oktober 2026, Lesezeit: 8 Minuten

Wer sein Herz schützen möchte, muss laut einer neuen Stellungnahme des American College of Cardiology (ACC) nicht einzelne Nährstoffe optimieren. Das Dokument erschien am 30. September 2026 im Journal of the American College of Cardiology (JACC). Demnach hängt das Herz-Kreislauf-Risiko weniger vom Anteil an Kohlenhydraten, Fetten oder Eiweiß ab als von der Gesamtqualität der Ernährung, der Herkunft der Lebensmittel und ihrem Verarbeitungsgrad. Dieser Beitrag ordnet ein, was empfohlen wird, worauf die Empfehlungen beruhen und wo die Datenlage Grenzen hat.

Was die ACC-Stellungnahme aussagt

Bei dem Dokument handelt es sich um ein Scientific Statement, also um eine Expertenbewertung des Wissensstands und nicht um eine neue Studie. Den Vorsitz der Autorengruppe hatte Frank B. Hu, Professor für Ernährungswissenschaft an der Harvard T.H. Chan School of Public Health. Ausgewertet wurden Makro- und Mikronährstoffe, Ernährungsmuster, ultrahochverarbeitete Lebensmittel und neue ernährungsbasierte Ansätze.

Die Angaben in diesem Beitrag folgen der Zusammenfassung des ACC. Empfohlen werden demnach wenig verarbeitete pflanzliche Lebensmittel sowie gesunde Fette und Proteinquellen. Begrenzt werden sollen raffinierte Stärke, zugesetzter Zucker, Natrium, ungünstige Fette und stark verarbeitete Lebensmittel von geringer Nährstoffqualität.

Vom Nährstoff zum Muster

Nach Darstellung der Autoren hat sich das Verständnis einer herzgesunden Ernährung gewandelt. Früher standen einzelne Nährstoffe im Mittelpunkt, heute betrachten Empfehlungen eher Lebensmittel und Ernährungsmuster. Eine ungünstige Ernährung gilt als wichtiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Hu betont, es gehe nicht um einen einzelnen Nährstoff, ein einzelnes Lebensmittel oder den neuesten Trend. Entscheidend sei die Gesamtqualität: ein beständiges Muster gesunder Entscheidungen, das sich langfristig durchhalten lasse.

Welche Ernährungsmuster gut untersucht sind

Laut ACC stützt starke Evidenz mehrere gesunde Muster, darunter die Mediterrane Ernährung und die DASH-Diät (Dietary Approaches to Stop Hypertension). Beide betonen Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Nüsse, Hülsenfrüchte, gesunde Proteinquellen und ungesättigte Fette. Zwei Studien zeigen, wie diese Evidenz aussieht.

Mediterrane Ernährung: die PREDIMED-Studie

An der spanischen Studie PREDIMED nahmen 7.447 Personen im Alter von 55 bis 80 Jahren teil. Sie hatten ein hohes Herz-Kreislauf-Risiko, aber noch keine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Zwei Gruppen erhielten eine mediterrane Kost, ergänzt um natives Olivenöl extra oder um Nüsse; die Vergleichsgruppe erhielt eine fettreduzierte Kost.

Beide mediterranen Gruppen erlitten seltener schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse (Hazard Ratio 0,69 mit Olivenöl, 0,72 mit Nüssen). Die erste Veröffentlichung von 2013 wurde 2018 wegen Mängeln bei der Randomisierung zurückgezogen und mit neu berechneten Daten erneut publiziert. Nach Angaben der Studiengruppe bestätigte die Neuauswertung die Ergebnisse. Sie gelten zunächst für die untersuchte Hochrisikogruppe.

DASH: belegte Wirkung auf den Blutdruck

In der DASH-Studie von 1997 erhielten 459 Erwachsene mit einem Blutdruck von systolisch unter 160 und diastolisch 80 bis 95 mmHg kontrolliert zubereitete Kostformen. Die Kombinationsdiät war reich an Obst, Gemüse und fettarmen Milchprodukten und arm an gesättigtem Fett. Sie senkte den systolischen Blutdruck um 5,5 und den diastolischen um 3,0 mmHg stärker als die Kontrollkost.

In der kleinen Untergruppe mit Bluthochdruck (133 Personen) betrugen die Unterschiede 11,4 und 5,5 mmHg. Der Blutdruck ist allerdings ein Surrogatparameter. Die Studie war nicht dafür angelegt, Langzeitfolgen wie Herzinfarkte zu erfassen.

Auch die American Heart Association (AHA) hat 2026 eine Stellungnahme zur Ernährung veröffentlicht. Sie nennt ähnliche Merkmale: viel Gemüse und Obst, Vollkorn statt raffiniertem Getreide, ungesättigte statt gesättigter Fette, wenig verarbeitete Lebensmittel sowie wenig zugesetzten Zucker und Natrium.

Fette, Kohlenhydrate und Eiweiß: Qualität vor Anteil

Das Risiko hängt laut ACC stärker von Qualität, Nahrungsquellen und Verarbeitungsgrad ab als vom prozentualen Anteil der Makronährstoffe. Die Evidenz unterstütze den Austausch gesättigter gegen ungesättigte Fette, vor allem aus flüssigen Pflanzenölen, Nüssen, Samen und Fisch. Vollkorn und ballaststoffreiche Lebensmittel sollen Vorrang haben.

Zu gesättigten Fetten liegt ein Cochrane-Review von 2020 vor. Wer die gesättigten Fette über mindestens zwei Jahre reduzierte, hatte ein um 17 Prozent niedrigeres Risiko für kombinierte Herz-Kreislauf-Ereignisse (Risk Ratio 0,83; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,70 bis 0,98). Auf die Gesamtsterblichkeit und die kardiovaskuläre Sterblichkeit hatte die Reduktion wahrscheinlich wenig oder keinen Einfluss. Die Autoren stufen die Evidenz als moderat ein.

Hochverarbeitete Lebensmittel und Getränke

Die Stellungnahme empfiehlt, stark verarbeitete Lebensmittel von geringer Nährstoffqualität zu begrenzen. Hinweise auf Risiken stammen überwiegend aus Beobachtungsstudien. In der Kohortenstudie NutriNet-Santé ging ein um zehn Prozentpunkte höherer Anteil ultrahochverarbeiteter Lebensmittel an der Ernährung mit einer Hazard Ratio von 1,12 für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einher; die mittlere Nachbeobachtung betrug 5,2 Jahre.

Solche Studien zeigen einen Zusammenhang, aber keine Ursache. Andere Unterschiede im Lebensstil können zum Ergebnis beitragen.

Getränke

Bei Getränken rät das ACC zu Wasser und anderen ungesüßten Getränken und zur Begrenzung zuckergesüßter Getränke. Moderater Kaffee- oder Teekonsum kann Teil eines gesunden Musters sein. Alkohol sollte in der Regel begrenzt oder vermieden werden; die AHA rät, nicht damit anzufangen, wer keinen Alkohol trinkt.

Soziale Faktoren, Nierenerkrankung und GPL-1-Medikamente

Die Stellungnahme ordnet Ernährung in das kardiovaskulär-renal-metabolische Syndrom ein. Dazu zählen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Adipositas und chronische Nierenerkrankung. Empfohlen werden pflanzenbetonte Muster, weniger Natrium und weniger stark verarbeitete Lebensmittel.

Ernährungsqualität hängt laut ACC auch von sozialen Faktoren ab. Food Security umfasst vier Bereiche: Verfügbarkeit, Erschwinglichkeit, Zugang und Nutzung nährstoffreicher Lebensmittel.

GPL-1-Rezeptoragonisten können nach Angaben des ACC zu deutlichem Gewichtsverlust und kardiovaskulärem Nutzen führen. Auch unter einer solchen Therapie bleibe eine nährstoffreiche Ernährung wichtig, um Mangelzuständen vorzubeugen. Für „Food Is Medicine“-Programme, die Lebensmittel als klinische Intervention bereitstellen, beschreibt das ACC wachsende Evidenz für klinische Vorteile.

Grenzen der Datenlage

  • Die Stellungnahme ist ein Expertenkonsens. Sie fasst vorhandene Evidenz zusammen und erzeugt keine neuen Daten.
  • PREDIMED musste korrigiert und neu veröffentlicht werden. Die Teilnehmenden waren eine spanische Hochrisikogruppe.
  • DASH belegt eine Blutdrucksenkung, aber keine Wirkung auf Herzinfarkte oder Schlaganfälle.
  • Die Reduktion gesättigter Fette senkte Ereignisse, nicht nachweislich die Sterblichkeit.
  • Für hochverarbeitete Lebensmittel liegen vor allem Zusammenhänge aus Beobachtungsstudien vor.

Die Stellungnahme bietet allgemeine Orientierung und ersetzt keine individuelle ärztliche oder ernährungsmedizinische Beratung.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Muss ich mich für die Mediterrane Ernährung oder die DASH-Diät entscheiden?

Nein. Das ACC nennt beide als gut belegte Beispiele, betont aber eine Vielfalt gesunder Muster. Gemeinsam ist ihnen der Schwerpunkt auf pflanzlichen, wenig verarbeiteten Lebensmitteln und ungesättigten Fetten.

Sind Fett und Kohlenhydrate grundsätzlich schädlich?

Laut ACC kommt es weniger auf den prozentualen Anteil an als auf Qualität und Quelle. Begrenzt werden sollen gesättigte Fette, raffinierte Stärke und zugesetzter Zucker; Vollkorn und Ballaststoffe sollen Vorrang haben.

Wie wird der Verarbeitungsgrad von Lebensmitteln in Studien erfasst?

In NutriNet-Santé wurden Lebensmittel nach dem NOVA-System nach ihrem Verarbeitungsgrad eingeteilt. Da die Studie beobachtend war, kann sie Zusammenhänge zeigen, aber keine Ursachen belegen.

Gelten die Ergebnisse für alle Menschen?

Nicht ohne Weiteres. PREDIMED untersuchte Menschen mit hohem Risiko, DASH vor allem Personen mit normalem bis leicht erhöhtem Blutdruck. Das ACC weist zudem darauf hin, dass soziale Faktoren wie Erschwinglichkeit und Zugang die Ernährungsqualität stark beeinflussen.

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

Quellen

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Estruch, R., Ros, E., Salas-Salvadó, J., et al. (2018). Primary prevention of cardiovascular disease with a Mediterranean diet supplemented with extra-virgin olive oil or nuts. New England Journal of Medicine, 378(25), e34. https://doi.org/10.1056/NEJMoa1800389

Hooper, L., Martin, N., Jimoh, O. F., Kirk, C., Foster, E., & Abdelhamid, A. S. (2020). Reduction in saturated fat intake for cardiovascular disease. Cochrane Database of Systematic Reviews, (8), CD011737. https://doi.org/10.1002/14651858.CD011737.pub3

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