Phobien und Ängste: Neue VR-Expositionstherapie reduziert häufige Phobien

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Torsten Lorenz, aktualisiert am 14. Juli 2022, Lesezeit: 5 Minuten

Behandlung von Phobien und Angststörungen: Virtual-Reality-App hilft, Phobien zu überwinden 

Eine Studie der University of Otago zeigt eine 75-prozentige Verringerung der Phobiesymptome bei Flugangst, Angst vor Spritzen, Höhenangst, Angst vor Spinnen und Hundephobie durch eine neue Virtual-Reality-Videoexpositionstherapie.

Selbstgesteuerte Behandlung von Phobien und Ängsten

An der Studie unter der Leitung von Associate Professor Cameron Lacey von der University of Otago nahmen Patientinnen und Patienten mit Phobien teil, die mit einem VR-Headset und einem Smartphone-App-Behandlungsprogramm behandelt wurden – einer Kombination aus Virtual-Reality-Video-Expositionstherapie und kognitiver Verhaltenstherapie.

Zur Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Phobien und Ängsten luden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine vollständig selbstgesteuerte Smartphone-App namens „oVRcome“ herunter.

Die Anwendung wurde mit einem Headset gekoppelt, um die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in virtuelle Umgebungen einzutauchen, die bei der Behandlung ihrer Phobie hilfreich sind.

Hohe Akzeptanz bei den Probanden

Die Studienergebnisse, die im Australian and New Zealand Journal of Psychiatry veröffentlicht wurden, zeigten eine 75-prozentige Verringerung der Phobie-Symptome nach einem sechswöchigen Behandlungsprogramm.

Nach Aussage von Assistant Professor Lacey deuten die erzielten Verbesserungen darauf hin, dass der Einsatz von VR und Handy-Apps als Mittel zur selbstgesteuerten Behandlung von Menschen, die mit oft lähmenden Phobien zu kämpfen haben, ein großes Potenzial hat.

Die Akzeptanz der Teilnehmerinnen und Teilnehmer für die App war groß, was ihr Potenzial für eine leicht zugängliche, kosteneffiziente Behandlung in großem Maßstab unterstreicht, die insbesondere für diejenigen von Nutzen ist, die keinen Zugang zu einer persönlichen Expositionstherapie zur Behandlung ihrer Phobien haben, so der Forscher.

Behandlungsablauf

An der sechswöchigen randomisierten, kontrollierten Studie mit einer 12-wöchigen Nachbeobachtung nahmen zwischen Mai 2021 und Dezember 2021 insgesamt 129 Probanden teil. Voraussetzung für die Teilnahme war, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischen 18 und 64 Jahre alt waren und entweder Flugangst, Höhenangst, Angst vor Spritzen (Trypanophobie), Spinnen oder Hunden (Hundephobie) hatten. 

Zur Erfassung ihrer Fortschritte wurden ihnen wöchentlich Fragebögen per E-Mail zugesandt. Teilnehmer, bei denen unerwünschte Ereignisse auftraten, konnten jederzeit einen klinischen Psychologen um Kontaktaufnahme bitten.

Bei Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die unter allen fünf Phobietypen litten, zeigten sich im Verlauf der Studie vergleichbare Verbesserungen auf der Schweregradskala für spezifische Phobien. 

Nach sechs Wochen sank der durchschnittliche Schweregrad von 28/40 (mäßige bis schwere Symptome) auf 7/40 (minimale Symptome). Keiner der Teilnehmerinnen und Teilnehmer brach die Studie aufgrund von unerwünschten Ereignissen im Zusammenhang mit der Behandlung ab.

Die oVRcome-App basiert auf der so genannten „Expositionstherapie“, einer Form der kognitiven Verhaltenstherapie, bei der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in kurzen Schüben ihren spezifischen Phobien ausgesetzt werden, um ihre Toleranz gegenüber der Phobie auf klinisch anerkannte und kontrollierte Weise aufzubauen.

Mehrere Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichteten den Forschern zufolge nach der Testphase von deutlichen Fortschritten bei der Überwindung ihrer Phobien. 

Eine Person fühlte sich so zuversichtlich, dass sie nun einen Familienurlaub in Übersee buchen konnte, eine andere ließ sich gegen COVID impfen und wieder eine andere berichtete, dass sie sich nun sicher fühlte, nicht nur zu wissen, dass sich eine Spinne im Haus befand, sondern dass sie diese auch selbst entfernen konnte.

Die Anwendung bestand aus Standard-CBT-Komponenten, darunter Psychoedukation, Entspannung, Achtsamkeit, kognitive Techniken, Exposition durch VR und ein Konzept zur Rückfallprävention. Dabei konnten die Programmteilnehmerinnen und -teilnehmer aus einer großen Bibliothek von VR-Videos die Expositionsstufen für ihre jeweilige Phobie selbst auswählen.

Auf diese Weise konnten die Stufen der Expositionstherapie auf die Bedürfnisse des Einzelnen zugeschnitten werden, was eine besondere Stärke des Verfahrens darstellt. Bei der herkömmlichen persönlichen Expositionstherapie für bestimmte Phobien ist die Abbruchquote aufgrund von Unbehagen, Unannehmlichkeiten und mangelnder Motivation der Menschen, die sich ihren Ängsten aussetzen wollen, sehr hoch. 

Bei dieser VR-App-Behandlung hatten die Versuchspersonen eine bessere Kontrolle über die Exposition gegenüber ihren Ängsten sowie darüber, wann und wo die Exposition stattfindet, erläutert Associate Professor Lacey.

Laut den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern handelt es sich bei dieser Studie um eine Neuheit, da die App und die Headsets kostengünstig erhältlich waren und mehrere Phobien gleichzeitig getestet wurden. Die meisten bisherigen ähnlichen VR-Studien hätten hochwertige VR-Geräte eingesetzt, die nur in der Forschung und in begrenztem Umfang in Kliniken zur Verfügung stünden.

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Quelle: MrWissen2go

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