Torsten Lorenz, aktualisiert am 29. April 2023, Lesezeit: 5 Minuten

Latexallergie: Immer mehr Menschen reagieren allergisch auf Latex, einen Naturstoff, der aus dem milchigen Saft des Kautschukbaums gewonnen wird.

Das Immunsystem reagiert bei einer Latexallergie überempfindlich auf den Saft des Kautschukbaums oder auf aus Latex hergestellten Produkten. Besonders betroffen sind Menschen, die häufig mit solchen Materialien in Kontakt kommen. Eine Latexallergie tritt daher häufig im beruflichen Umfeld auf, wie zum Beispiel im medizinischen Bereich.

Latex wird zur Herstellung einer Vielzahl von Produkten verwendet, darunter Gummihandschuhe, Luftballons, Reifen, Kondome, Diaphragmen und Gummibänder. Latex kann auch in Gesundheitsprodukten wie Kathetern, intravenösen Schläuchen, Verbänden, Stethoskopen, Spritzen und Verbänden verwendet werden.

Was tun bei Latexallergie?

Viele dieser Produkte lassen sich weder vom Verbraucher noch vom medizinischen Personal vermeiden, wie kann man also die Latexallergie kontrollieren?

Zunächst muss man sich darüber im Klaren sein, dass es zwei Ursachen für eine Latexallergie gibt, die zu zwei unterschiedlichen allergischen Reaktionen führen. Die erste Art der Latexallergie betrifft das Immunsystem und führt in der Regel zu einem leichten Hautausschlag. Dieser Typ wird häufig auf chemische Zusätze zurückgeführt, die bei der Herstellung von Handschuhen verwendet werden.

Die zweite Art der Latexallergie ist eine ausgeprägte allergische Reaktion auf das Latex selbst. Sie verursacht schwerwiegendere Reaktionen wie Juckreiz, Quaddeln, Schnupfen/Heuschnupfen, laufende Nase und Asthma. Im Extremfall kann eine Latex-Allergie auch zu Anaphylaxie führen, d. h. zu Atemnot durch Anschwellen der Atemwege, was ohne sofortige Behandlung zum plötzlichen Tod führen kann.

Risikofaktoren

Es gibt mehrere Risikofaktoren, die mit einer Latexallergie in Verbindung gebracht werden, darunter wiederholter Kontakt mit Latexprodukten, Atopie und frühere allergische Reaktionen auf andere Substanzen. Beschäftigte im Gesundheitswesen, die Latexhandschuhe tragen, sind aufgrund der hohen Kontakthäufigkeit besonders gefährdet.

Häufigkeit von Latexallergien

Die Zunahme der Häufigkeit von Latexallergien ist größtenteils auf die zunehmende Verwendung von Latex zurückzuführen. Im medizinischen Bereich haben Ärzte Latex verwendet, um sich vor Infektionskrankheiten zu schützen, wenn sie mit Blut, Urin, Exkrementen oder anderen Organismen in Berührung kamen, die Infektionen übertragen können. Darüber hinaus verwenden heute immer mehr Ärzte Latexhandschuhe für einfache Arbeiten, für die früher keine Handschuhe verwendet wurden.

Das höchste Risiko für eine Latexallergie besteht für Patientinnen und Patienten, die sich wiederholt operativen Eingriffen unterziehen müssen. Diese Personengruppe ist häufiger mit Latexallergenen in Berührung gekommen und hat daher ein höheres Risiko, eine Allergie zu entwickeln. Die Häufigkeit von Latexallergien und -sensibilisierungen bei empfänglichen Patientinnen und Patienten liegt derzeit bei 7 bzw. 30 Prozent.

Beschäftigte im Gesundheitswesen sind die am stärksten betroffene Berufsgruppe, da sie häufig Latexhandschuhe verwenden. Die Häufigkeit von Latexallergien und -sensibilisierungen bei Beschäftigten des Gesundheitswesens liegt weltweit bei rund 10 Prozent bzw. 12 Prozent.

Latexallergie-Reaktion vermeiden

Als Folge dieser erhöhten Latex-Exposition stieg auch das Auftreten von Latex-Allergien. Außerdem wurden auch luftgetragene Latexpartikel eingeatmet, die bei Personen, die für eine Latexallergie anfällig sind, allergische Reaktionen auslösen.

Eine Studie bestätigte, dass die Maisstärke, die zur Beschichtung des Latex verwendet wird, um die Verwendung beim An- und Ausziehen der Handschuhe zu erleichtern, die Proteine absorbiert und in die Luft abgibt. Dies führt dazu, dass mehr Menschen die Partikel einatmen, was zu einer Latexallergie führt.

Eine weitere Möglichkeit, eine Latexallergie-Reaktion zu vermeiden, ist es, sich testen zu lassen, um festzustellen, ob Sie eine positive Reaktion auf Latex haben. Zu wissen, ob Sie eine Allergie haben oder nicht, ist immer der erste Schritt, um zu verhindern, dass die Krankheit überhaupt auftritt. Wenn man es also weiß, kann man nun die richtigen Schritte unternehmen, um zu vermeiden, was die Latexallergie auslöst.

Latexallergie testen

Beim Hauttest wird eine kleine Lösung von Latexbestandteilen in die Haut gespritzt. Tritt an dieser Stelle eine Schwellung auf, weiß man, ob eine Allergie vorliegt. Eine andere Methode ist der Bluttest. Um eine Latexallergie festzustellen, wird eine Blutprobe entnommen und auf bestimmte allergieauslösende Antikörper untersucht, die als IgE (Immunglobulin E) bezeichnet werden.

  • Falsch-positive und falsch-negative Ergebnisse sind jedoch möglich, so dass eine gründliche klinische Anamnese für eine genaue Diagnose unerlässlich ist.

Typische Symptome einer Latexallergie

Eine Latexallergie führt in der Regel zu allergischen Hautreaktionen (Hautausschlag, Hautrötung und Juckreiz), die auch auf andere Körperregionen übergreifen oder mit Schwellungen der Augen- und Nasenschleimhäute einhergehen können. Wie bei anderen Allergien können aber auch Beschwerden des Verdauungstraktes (Magen-Darm-Beschwerden) oder der Atemwege (verstopfte Nase, Fließschnupfen, asthmaähnliche Symptome wie Kurzatmigkeit, Atemnot und pfeifende Atemgeräusche) die Folge sein.

Quellen

  • Sussman GL, Beezhold DH, Liss G. Latex allergy: historical perspective. Methods. 2002 May;27(1):3-9, DOI: 10.1016/S1046-2023(02)00045-2
  • Nucera E, Aruanno A, Rizzi A, Centrone M. Latex Allergy: Current Status and Future Perspectives. J Asthma Allergy. 2020 Sep 28;13:385-398. doi: 10.2147/JAA.S242058 PMID: 33061465; PMCID: PMC7532063.

Weitere Beiträge zu Allergien:

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

vgt

Kefir und Mikrobiom-Gesundheit Darm- und Mundflora optimieren

Kefir-Trinken: Auswirkungen auf Darm- und Mundmikrobiom

Wie wirkt sich Kefir-Trinken: Auswirkungen auf Darm- und Mundmikrobiom auf das Gleichgewicht Ihrer gutartigen Bakterien aus?...

Schwaches Morgenlicht und Depressionsrisiko Biologische Effekte visualisiert

Schwaches Morgenlicht löst Depressionsbiomarker bei Gesunden aus

Erfahren Sie, wie schwaches Morgenlicht die Cortisolrhythmen beeinflusst und das Risiko von Stimmungsstörungen erhöht....

Mounjaro-Therapie Hoffnung für Kinder mit Typ-2-Diabetes in der EU

Mounjaro: EU-Zulassung für Typ-2-Diabetes bei Kindern ab 10 Jahren

Mounjaro hat nun die EU-Zulassung für die Behandlung von Typ-2-Diabetes bei Kindern ab 10 Jahren erhalten. Lesen Sie mehr dazu....

DCIS-Überdiagnose Die Debatte um Krebsbenennung und aktive Überwachung

Sollten wir „Krebs“ bei harmlosen Befunden noch Krebs nennen?

Die Debatte über die Bezeichnung niedrigriskanter Krebsarten entfacht Diskussionen. Sollten wir das Wort „Krebs“ weiterhin verwenden?...

Hirnstamm-Karte: Neue Wege zur schmerzlosen Zukunft

Neue Forschung am Hirnstamm revolutioniert das Verständnis von Schmerz

Neue Erkenntnisse über die periaquäduktale Graue Substanz zeigen, wie Schmerzen blockiert werden können. Erfahren Sie mehr....