Online-KVT bei Broken-Heart-Syndrom senkt Stress und Angst deutlich

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Dr. Amalia Michailov, aktualisiert am 17. Juni 2026, Lesezeit: 8 Minuten

Eine neue randomisierte Studie aus Schweden legt nahe, dass internetbasierte kognitive Verhaltenstherapie Patientinnen und Patienten nach Takotsubo-Syndrom, auch Broken-Heart-Syndrom genannt, und nach MINOCA dabei helfen kann, Stress und Angst besser zu regulieren, obwohl die zugänglichen Daten noch keine endgültige Aussage darüber erlauben, welche Bestandteile der Behandlung den größten therapeutischen Effekt erklären.

Was die Studie untersucht hat

Das Broken-Heart-Syndrom, medizinisch Takotsubo-Syndrom, kann sich wie ein akuter Herzinfarkt anfühlen: Brustschmerz, Atemnot, Engegefühl, Erschöpfung und Angst treten plötzlich auf. Anders als beim klassischen Herzinfarkt findet sich jedoch häufig keine blockierte Koronararterie.

Die schwedische Studie untersuchte 88 Personen, die kurz zuvor mit Takotsubo-Syndrom oder MINOCA, also Myocardial Infarction with Non-Obstructive Coronary Arteries, behandelt worden waren. 91 Prozent der Teilnehmenden waren Frauen. Das passt zur klinischen Realität: Takotsubo betrifft überwiegend Frauen nach der Menopause, während MINOCA ebenfalls überdurchschnittlich häufig Frauen betrifft (Leissner et al., 2026; Uppsala University, 2026).

Die Patientinnen und Patienten wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe erhielt die übliche medizinische Nachsorge. Die andere Gruppe bekam zusätzlich eine Online-KVT, begleitet durch eine Psychologin oder einen Psychologen, mit zwei kurzen Telefonterminen.

Warum psychologische Nachsorge nach Takotsubo wichtig ist

Takotsubo wird häufig durch extremen emotionalen oder körperlichen Stress ausgelöst. In der Studie nannten Betroffene unter anderem Todesfälle in der Familie, schockierende Ereignisse oder Konflikte am Arbeitsplatz als mögliche Auslöser.

Das ist medizinisch relevant, weil die Erkrankung nicht nur ein kardiologisches Ereignis ist. Sie hinterlässt oft Verunsicherung: War es ein Herzinfarkt? Kann es wieder passieren? Ist der Körper noch belastbar? Genau diese Fragen können Stress, herzbezogene Angst und Vermeidungsverhalten verstärken.

Bei MINOCA ist die Situation ähnlich komplex. Bis zu 10 Prozent aller Herzinfarkte werden dieser Gruppe zugerechnet; rund 60 Prozent der Betroffenen sind Frauen (Uppsala University, 2026). Die Diagnose beschreibt keinen einzelnen Mechanismus, sondern ein klinisches Bild, bei dem Herzinfarktsymptome vorliegen, aber keine relevante Verengung der Koronararterien sichtbar ist (Agewall et al., 2017).

Was Online-KVT konkret bedeutete

Die Online-KVT dauerte sieben bis neun Wochen und wurde für diese Patientengruppe entwickelt. Die Forschenden arbeiteten dabei mit Menschen zusammen, die selbst Takotsubo oder MINOCA erlebt hatten.

Die Module enthielten keine allgemeine Wellness-Anleitung, sondern strukturierte psychologische Arbeit. Dazu gehörten:

  • Informationen über Stress, Angst und Herzsymptome
  • persönliche Therapieziele
  • Übungen zur Stressregulation
  • Problemlösen im Alltag
  • Entspannungstechniken
  • schrittweise Konfrontation mit angstbesetzten Situationen
  • schriftliches Feedback durch eine lizenzierte psychologische Fachperson

Das Ziel war nicht, Stress aus dem Leben zu entfernen. Das wäre bei vielen Auslösern unrealistisch. Entscheidend war vielmehr, wie Betroffene auf Stress reagieren und ob sie Angst, Körperwahrnehmung und Unsicherheit besser einordnen können.

Die Ergebnisse: weniger Stress, weniger Angst

Nach der Behandlung zeigten sich laut Uppsala University signifikante Verbesserungen bei Stress und Angst. Die Patientinnen und Patienten reagierten offenbar weniger negativ auf Stress, auch wenn sie nicht unbedingt das Gefühl hatten, belastende Situationen vollständig kontrollieren zu können (Uppsala University, 2026).

Gemessen wurden unter anderem wahrgenommener Stress und Angstsymptome. Im Studienprotokoll waren dafür die Perceived Stress Scale mit 14 Fragen und die Hospital Anxiety and Depression Scale vorgesehen; zusätzlich wurden herzbezogene Angst, posttraumatische Symptome und Lebensqualität berücksichtigt (Olsson et al., 2022).

Besonders auffällig war der Nutzen bei Takotsubo. Unter den 88 Teilnehmenden hatten 52 ein Takotsubo-Syndrom, 36 gehörten zur MINOCA-Gruppe ohne Takotsubo. Die Forschenden berichten, dass Online-KVT bei Takotsubo stärker wirkte als bei MINOCA. Eine mögliche Erklärung ist, dass Takotsubo stärker mit emotionalem und physiologischem Stress verknüpft ist; eine andere ist, dass die Intervention stärker auf Erfahrungen von Takotsubo-Patientinnen zugeschnitten war.

Konkrete Effektgrößen, Konfidenzintervalle und Langzeitdaten kann ich anhand der frei zugänglichen Quellen nicht bestätigen. Deshalb sollte die Studie als wichtiger, aber noch früher Baustein verstanden werden.

Was Broken-Heart-Syndrom medizinisch bedeutet

Takotsubo wurde erstmals in Japan beschrieben. Der Name bezieht sich auf eine japanische Tintenfischfalle, weil die linke Herzkammer in der akuten Phase eine ähnliche Form annehmen kann.

Die Erkrankung kann nach außen wie ein Herzinfarkt wirken. Das ist der Grund, warum akute Brustschmerzen, Atemnot, Kaltschweißigkeit, Ohnmacht oder plötzliche schwere Schwäche immer medizinisch abgeklärt werden müssen. Takotsubo ist keine harmlose Stressreaktion, sondern eine akute Herzfunktionsstörung, die kardiologische Diagnostik braucht.

Mehr als 90 Prozent der gemeldeten Fälle betreffen Frauen im Alter von etwa 58 bis 75 Jahren, schreibt Harvard Health Publishing. Die Ursache ist nicht vollständig geklärt; als ein plausibler Mechanismus gilt eine starke Stresshormonreaktion, die den Herzmuskel vorübergehend beeinträchtigt (Harvard Health Publishing, 2026).

Warum Frauen in der Herzmedizin zu oft übersehen werden

Der Befund hat eine größere Bedeutung: Herzmedizin wurde lange an Krankheitsbildern erklärt, die bei Männern häufiger oder typischer auftreten. Takotsubo und MINOCA zeigen, dass Herzereignisse bei Frauen anders aussehen können.

Wenn eine Patientin nach einem dramatischen Herzereignis hört, ihre Gefäße seien „frei“, kann das beruhigend wirken. Es kann aber auch verwirren. Die Symptome waren real, die Angst war real, und die medizinische Unsicherheit bleibt oft bestehen.

Genau hier setzt eine strukturierte Online-KVT an. Sie ersetzt keine Kardiologie, kann aber eine Lücke schließen: zwischen Entlassungsbrief, Nachsorgetermin und dem Alltag, in dem Betroffene wieder Treppen steigen, arbeiten, schlafen und Vertrauen in den eigenen Körper aufbauen müssen.

Praktische Orientierung für Betroffene

Wer nach Takotsubo-Syndrom oder MINOCA unter Angst, Schlafproblemen, ständiger Körperkontrolle oder Stressüberflutung leidet, sollte diese Beschwerden aktiv in der Nachsorge ansprechen.

Hilfreiche Fragen an die Ärztin oder den Arzt können sein:

  • Gibt es eine kardiologische Reha oder psycho-kardiologische Beratung?
  • Wurden Takotsubo, MINOCA und andere Ursachen klar voneinander abgegrenzt?
  • Welche körperliche Belastung ist in den nächsten Wochen sinnvoll?
  • Wann sind Brustschmerzen ein Notfall?
  • Gibt es Zugang zu kognitiver Verhaltenstherapie oder digital unterstützter Psychotherapie?

Für den Alltag kann ein Symptom- und Stressprotokoll helfen. Wichtig ist, nicht jede Empfindung als Gefahr zu interpretieren, aber Warnzeichen auch nicht zu verharmlosen.

Was die Studie nicht beweist

Die Studie zeigt nicht, dass Online-KVT Takotsubo verhindert. Sie beweist auch nicht, dass psychologische Therapie eine kardiologische Behandlung ersetzt. Das wäre falsch.

Sie zeigt vielmehr: Bei Menschen, die nach Takotsubo oder MINOCA unter Stress und Angst leiden, kann eine gezielte internetbasierte kognitive Verhaltenstherapie Symptome reduzieren und den Umgang mit Emotionen verbessern.

Offen bleibt, ob die Effekte langfristig stabil bleiben, welche Patientengruppen am meisten profitieren und welche Module, etwa Exposition, Entspannung oder psychoedukative Inhalte, den größten Anteil am Ergebnis haben. Größere Studien sind nötig.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Ist das Broken-Heart-Syndrom ein echter Herzinfarkt?
Es kann sich wie ein Herzinfarkt anfühlen, ist aber medizinisch nicht dasselbe. Typisch ist eine vorübergehende Funktionsstörung der linken Herzkammer ohne klassische blockierte Koronararterie.

Kann Stress wirklich das Herz schwächen?
Ja, extreme emotionale oder körperliche Belastung gilt als häufiger Auslöser von Takotsubo. Die genauen biologischen Mechanismen sind jedoch noch nicht vollständig geklärt.

Hilft Online-KVT jeder Person nach Takotsubo?
I cannot confirm that. Die Studie zeigt einen Nutzen in einer kleinen, ausgewählten Gruppe mit Stress- oder Angstsymptomen; individuelle Ergebnisse können abweichen.

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

Quellen

Agewall, S., Beltrame, J. F., Reynolds, H. R., Niessner, A., Rosano, G., Caforio, A. L. P., De Caterina, R., Zimarino, M., Roffi, M., Kjeldsen, K., Atar, D., Kaski, J. C., Sechtem, U., Tornvall, P., & WG on Cardiovascular Pharmacotherapy. (2017). ESC working group position paper on myocardial infarction with non-obstructive coronary arteries. European Heart Journal, 38(3), 143–153. doi: 10.1093/eurheartj/ehw149

Dolan, E. W. (2026, June 17). Online therapy helps ease stress and anxiety after broken-heart syndrome. PsyPost.

Harvard Health Publishing. (2026). Takotsubo cardiomyopathy, broken-heart syndrome. Harvard Health.

Leissner, P., Sundelin, R., Rondung, E., Humphries, S., Held, C., Spaak, J., Ulvenstam, A., Nordenskjöld, A., Norlund, F., Kövamees, L., Lyngå, P., Olsson, E., & Tornvall, P. (2026). Randomized controlled trial of internet-delivered cognitive behavioral therapy after myocardial infarction with nonobstructive coronary arteries or Takotsubo syndrome. Journal of the American Heart Association. doi: 10.1161/JAHA.125.047311

Olsson, E. M. G., Norlund, F., Rondung, E., Humphries, S. M., Held, C., Lyngå, P., Spaak, J., Sundin, Ö., Sundelin, R., Leissner, P., Kövamees, L., & Tornvall, P. (2022). The e-mental health treatment in Stockholm myocardial infarction with non-obstructive coronaries or Takotsubo syndrome study, E-SMINC: A study protocol for a randomised controlled trial. Trials, 23, 609. doi: 10.1186/s13063-022-06530-3

Uppsala University. (2026, June 16). CBT can help after a broken heart. Press release.

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