Studie: Auswirkung von Videospielen auf die Intelligenz von Kindern

Gesundheitsnews, Medizin und Forschung, Karolinska Institutet

Dirk de Pol, Beitrag vom 15. Mai 2022

Welche kognitiven Auswirkungen haben Videospiele? In einer Studie haben Forscherinnen und Forscher des schwedischen Karolinska Institutet untersucht, wie die Bildschirmgewohnheiten von US-Kindern mit der Entwicklung ihrer kognitiven Fähigkeiten im Laufe der Zeit zusammenhängen.

Was die Intelligenz steigert

Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass Kinder, die überdurchschnittlich viel Zeit mit dem Spielen von Videospielen verbrachten, ihre Intelligenz überdurchschnittlich stark steigerten. Der Einfluss von Fernsehen oder sozialen Medien war hingegen weder positiv noch negativ. Die Resultate wurden in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht.

Auch Kinder verbringen immer mehr Zeit vor Bildschirmen. Welchen Einfluss diese Entwicklung auf ihren Gesundheitszustand hat und ob sie sich positiv oder negativ auf ihre kognitiven Fähigkeiten auswirkt, ist Gegenstand zahlreicher kontroverser Debatten.

Für die vorliegende Studie untersuchten die Forschenden des Karolinska Institutet und der Vrije Universiteit Amsterdam speziell den Zusammenhang zwischen den Bildschirmgewohnheiten und der Intelligenz im zeitlichen Verlauf.

An der Studie nahmen mehr als 9.000 Jungen und Mädchen in den USA teil. Die Kinder führten im Alter von neun oder zehn Jahren eine Reihe psychologischer Tests durch, um ihre allgemeinen kognitiven Fähigkeiten (Intelligenz) zu messen.

Darüber hinaus wurden die Kinder und ihre Eltern befragt, wie viel Zeit die Kinder mit Fernsehen und Videos, Videospielen und sozialen Medien verbrachten.

Nach zwei Jahren wurden etwas mehr als 5.000 der Kinder erneut befragt und gebeten, die psychologischen Tests zu wiederholen. So konnten die Forschenden untersuchen, wie sich die Leistungsfähigkeit der Kinder bei den Tests von einer Sitzung zur anderen veränderte, wobei die individuellen Unterschiede beim ersten Test berücksichtigt wurden.

Die Wissenschaftler kontrollierten auch genetische Unterschiede, die sich auf die Intelligenz auswirken könnten, sowie Unterschiede, die mit dem Bildungshintergrund und dem Einkommen der Eltern zusammenhängen könnten.

Durchschnittlich verbrachten die Kinder 2,5 Stunden pro Tag vor dem Fernseher, eine halbe Stunde in sozialen Medien und eine Stunde mit Videospielen.

IQ steigt

Den Ergebnissen zufolge stieg die Intelligenz derjenigen, die mehr Spiele als der Durchschnitt spielten, zwischen den beiden Messungen um etwa 2,5 IQ-Punkte mehr als der Durchschnitt. Bei Fernsehen und sozialen Medien wurde kein signifikanter positiver oder negativer Effekt festgestellt.

Die Auswirkungen des Verhaltens am Bildschirm auf die körperliche Aktivität, den Schlaf, das Wohlbefinden oder die schulischen Leistungen wurden in dieser Studie nicht untersucht, so dass sich hierüber keine Aussagen machen lassen.

Doch nach Ansicht von Torkel Klingberg, Professor für kognitive Neurowissenschaften an der Abteilung für Neurowissenschaften des Karolinska Institutet untermauern die Ergebnisse der vorliegenden Studie die These, dass die Zeit am Bildschirm die kognitiven Fähigkeiten von Kindern im Allgemeinen nicht beeinträchtigt und dass das Spielen von Videospielen sogar die Intelligenz fördern kann.

Diese Ergebnisse bestätigen mehrere experimentelle Studien über das Spielen von Videospielen.

Was Intelligenz beeinflusst

Die vorliegenden Forschungsergebnisse stehen ferner in Übereinstimmung mit neueren wissenschaftlichen Untersuchungen, die gezeigt haben, dass Intelligenz keine Konstante ist, sondern eine von Umweltfaktoren abhängige Eigenschaft.

Wir werden nun die Auswirkungen anderer Umweltfaktoren untersuchen und prüfen, wie die kognitiven Auswirkungen mit der Entwicklung des kindlichen Gehirns zusammenhängen“, sagt Torkel Klingberg.

Die Studie ist insofern begrenzt, als sie sich nur auf Kinder in den USA bezog und nicht zwischen verschiedenen Arten von Videospielen unterschied, was die Übertragung der Ergebnisse auf Kinder in anderen Ländern mit anderen Spielgewohnheiten erschwert.

Auch bestand das Risiko von Berichtsfehlern, da die Bildschirmzeit und die Nutzungsgewohnheiten selbst eingeschätzt wurden.

Quellen

Karolinska Institutet / Bruno Sauce et al, The impact of digital media on children’s intelligence while controlling for genetic differences in cognition and socioeconomic background, Scientific Reports (2022). DOI: 10.1038/s41598-022-11341-2

ddp

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