Depression: Gehirnerschütterung kann depressive Symptome auslösen

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Medizin Doc Redaktion, aktualisiert am 4. Januar 2023, Lesezeit: 5 Minuten

Anhaltendes postkommotionelles Syndrom nach Schädel-Hirn-Trauma

Laut einer Meta-Analyse, die online in der medizinischen Fachzeitschrift JAMA Network Open veröffentlicht wurde, besteht ein signifikanter Zusammenhang zwischen anhaltenden Beschwerden nach einer Gehirnerschütterung (PPCS, Persistent Post Concussion Symptoms) und Depressionen.

Dr. Maude Lambert von der University of Ottawa in Ontario, Kanada, und Kollegen führten eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse durch, um den Zusammenhang zwischen den Symptomen von Depressionen und anhaltenden Beschwerden nach einer Gehirnerschütterung (Schädel-Hirntrauma) bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu erforschen und mögliche Einflussfaktoren auf diesen Zusammenhang zu untersuchen.

  • Anhaltende Beschwerden nach einer Gehirnerschütterung (PPCS) wurde definiert als ärztlich diagnostizierte oder selbst angegebene Gehirnerschütterung mit Symptomen, die mindestens vier Wochen andauern.

Für die Meta-Analyse wurden Daten aus insgesamt 18 Studien mit 9 101 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ausgewertet.

Bei den Studien handelte es sich durchweg um kohortenbasierte Studien; 13 umfassten erwachsene Bevölkerungsgruppen.

  • Die Gehirnerschütterung lag im Durchschnitt 21,3 Wochen zurück.

Die Metaanalyse ergab einen signifikanten Zusammenhang zwischen anhaltenden Beschwerden nach einem Schädel-Hirn-Trauma (PPCS) und Symptomen einer Depression.

Laut den Verfassern der Studie ist es für die Erstellung optimaler Behandlungskonzepte bei Gehirnerschütterungen von entscheidender Bedeutung, weitere Erkenntnisse über anhaltenden Beschwerden nach einem Schädel-Hirn-Trauma (PPCS) zu gewinnen und geeignete Faktoren zu ermitteln, die die langfristigen Behandlungserfolge verbessern.

Veränderungen, die nach einer Gehirnerschütterung auftreten, wie zum Beispiel Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit sowie Erschöpfung, Apathie und/oder Konzentrationsstörungen, können mehrere Wochen nach einem Schädel-Hirn-Trauma fortbestehen.

Vor dem Hintergrund der hohen jährlichen Häufigkeitsraten von Gehirnerschütterungen sollten diese weiterhin eine hohe Priorität in der klinischen Forschung haben, um die nachteiligen Langzeitfolgen besser zu verstehen, zu überwachen und zu mildern.

Wie sich das Risiko für anhaltende posttraumatische Störungen verringern lässt

Bei Kindern und Jugendlichen, die eine Gehirnerschütterung erlitten haben, war körperliche Aktivität innerhalb von 7 Tagen nach der Verletzung im Vergleich zu keinerlei körperlicher Aktivität mit einem geringeren Risiko für anhaltende posttraumatische Symptome nach 28 Tagen verbunden.

  • Das ist das Ergebnis einer Forschungsarbeit, die in dem Fachblatt JAMA veröffentlicht wurde.

In den Leitlinien für Kinderärzte wird allgemein empfohlen, sich nach einer Gehirnerschütterung zunächst körperlich zu schonen, bis die Symptome abgeklungen sind.

Allerdings gibt es keine eindeutigen Beweise dafür, dass der Verzicht auf jegliche körperliche Betätigung die Genesung beschleunigt.

Dr. Roger Zemek vom Children’s Hospital of Eastern Ontario Research Institute und Kollegen führten eine Studie durch, an der 3 063 Kinder und Jugendliche mit akuter Gehirnerschütterung aus 9 Notaufnahmen des Pediatric Emergency Research Canada Network teilnahmen.

In der Notaufnahme sowie am 7. und 28. Tag nach der Verletzung wurden die Teilnahme an körperlichen Aktivitäten und der Schweregrad der posttraumatischen Symptome mit standardisierten Fragebögen bewertet.

  • Die anhaltenden Beschwerden nach einer Gehirnerschütterung wurden 28 Tage nach der Aufnahme in die Studie bewertet.

Die endgültige Studiengruppe umfasste 2.413 Personen, von denen nach 28 Tagen bei 733 (30 Prozent) anhaltende Beschwerden nach einer Gehirnerschütterung (PPCS) auftraten; 1.677 (70 Prozent) nahmen innerhalb von 7 Tagen an körperlichen Aktivitäten teil, in erster Linie an leichten Gymnastikübungen.

Symptomfrei vs. anhaltende Beschwerden nach der Gehirnerschütterung

Von den Patientinnen und Patienten, die sich frühzeitig körperlich betätigten, waren 31 Prozent symptomfrei, und 48 Prozent hatten am Tag 7 mindestens drei anhaltende oder sich verschlimmernde Beschwerden nach der Gehirnerschütterung.

Von den Patientinnen und Patienten, die an Tag 7 angaben, sich nicht körperlich zu betätigen, hatten 80 Prozent an Tag 7 mindestens 3 anhaltende oder sich verschlimmernde Symptome nach dem Schädelhirntrauma.

Die Wiederaufnahme körperlicher Aktivität innerhalb von 7 Tagen nach der Gehirnerschütterung war mit einem geringeren Risiko für PPCS verbunden als der Verzicht auf körperliche Aktivität.

  • Diese Ergebnisse waren über alle Auswertungsmethoden und die Intensität der körperlichen Betätigung hinweg konsistent.

Durch frühzeitige körperliche Aktivität könnten demnach die mit einer längeren Ruhephase verbundenen negativen Auswirkungen der körperlichen und geistigen Beeinträchtigung verringert werden.

Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass ungeachtet des potenziellen Nutzens in der Zeit unmittelbar nach der Verletzung Vorsicht geboten ist; die Teilnahme an Aktivitäten, die ein Risiko für Zusammenstöße (z. B. Wiederaufnahme von Kontaktsportarten) oder Stürze (z. B. Skifahren, Skaten, Radfahren) mit sich bringen könnten, sollte bis zur Freigabe durch einen Arzt untersagt bleiben, um das Risiko einer potenziell schwereren zweiten Gehirnerschütterung in einer Phase erhöhter Verletzlichkeit des Gehirns zu verringern.

  • Es bedarf einer gut konzipierten randomisierten klinischen Studie, um die Vorteile einer frühen körperlichen Betätigung nach einer Gehirnerschütterung zu ermitteln.

Quellen

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