Chronisches Erschöpfungssyndrom in Zusammenhang mit bestimmten Schilddrüsenhormonen?

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Torsten Lorenz, Beitrag vom 30. April 2021

Chronisches Erschöpfungssyndrom / Chronic fatigue syndrome (CFS): Die Entdeckung eines maßgeblichen Zusammenhangs zwischen dem chronischen Erschöpfungssyndrom und niedrigeren Spiegeln wichtiger Schilddrüsenhormone weckt Hoffnungen für die Behandlung dieser häufigen, aber schwächenden Krankheit.

CFS und niedrigerer Schilddrüsenhormonspiegel

Neue Forschungsergebnisse des University Medical Center Groningen, Niederlande, zeigen einen Zusammenhang zwischen den Symptomen des chronischen Erschöpfungssyndroms (CFS) und niedrigeren Schilddrüsenhormonspiegeln.

Die in dem Fachmagazin Frontiers in Endocrinology veröffentlichten Studienergebnisse deuten darauf hin, dass das chronische Erschöpfungssyndrom (Chronic fatigue syndrome), eine Erkrankung mit unbekannten Ursachen, durch niedrigere Schilddrüsenhormone erklärt werden kann – aber möglicherweise nicht mit einer Schilddrüsenerkrankung gleichzusetzen ist.

Diese Entdeckung von Wissenschaftlern des University Medical Center Groningen in den Niederlanden kann als ein erster Schritt auf dem Weg zu einer Behandlung für eine entkräftende Krankheit gesehen werden, für die es bislang keine anerkannte Therapie gibt.

Das chronische Erschöpfungssyndrom ist eine weit verbreitete Krankheit, die durch lang anhaltende Schwächeanfälle, Müdigkeit und Depressionen gekennzeichnet ist. Laut dem Bundesverband ME/CFS Fatigatio sind in Deutschland schätzungsweise 240.000 Menschen davon betroffen, wenn man amerikanische epidemiologische Daten auf Deutschland überträgt.

Die Diagnose basiert in erster Linie auf den Symptomen und dem Ausschluss einer zugrundeliegenden Erkrankung, weniger auf Labortests und körperlicher Untersuchung.

Einige Symptome ähneln interessanterweise denen einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), bei der die Schilddrüse nicht genügend Schilddrüsenhormone produziert.

Bei einer Hypothyreose versucht der Körper, die Schilddrüsenhormonaktivität zu fördern, indem er mehr schilddrüsenstimulierendes Hormon freisetzt – dies geschieht jedoch nicht bei Patienten mit chronischem Erschöpfungssyndrom.

Dieser Kontrast in der schilddrüsenstimulierenden Aktivität veranlasste die Autoren der Studie zu der naheliegenden Vermutung, dass das chronische Erschöpfungssyndrom durch eine niedrige Aktivität der Schilddrüsenhormone in Abwesenheit einer Schilddrüsenerkrankung verursacht wird.

Niedrige T3-Spiegel bei Patienten mit Chronic fatigue syndrome

Die Forscher unter der Leitung von Dr. Begoña Ruiz-Núñez vom University Medical Center Groningen, Niederlande, verglichen die Schilddrüsenfunktion und Entzündungsmarker zwischen 98 Patienten mit chronischem Erschöpfungssyndrom und 99 gesunden Kontrollpersonen.

Auffallend war, dass die CFS-Patienten niedrigere Serumspiegel bestimmter wichtiger Schilddrüsenhormone wie Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) aufwiesen, aber normale Spiegel des schilddrüsenstimulierenden Hormons.

Zusätzliche Auswertungen zeigten, dass die Patienten mit Chronic fatigue syndrome einen niedrigeren Jodstatus im Urin und eine gering ausgeprägte Entzündung hatten, was möglicherweise die Symptome von Patienten mit Hypothyreose widerspiegelt.

Diese Patienten mit einem chronischen Erschöpfungssyndrom hatten jedoch im Vergleich höhere Werte eines anderen Schilddrüsenhormons, genannt „reverses T3“ oder rT3. Die Ursache dafür scheint eine Verschiebung in der Hormonproduktion zu sein, bei der der Körper lieber T4 in rT3 umwandelt, als T3 zu produzieren.

Die niedrigen T3-Spiegel, die bei Patienten mit Chronic fatigue syndrome gefunden wurden, könnten in Verbindung mit dieser Umstellung auf rT3 bedeuten, dass die T3-Spiegel im Gewebe stark reduziert sind.

Laut Dr. Ruiz-Núñez von der University of Groningen ist eines der Schlüsselelemente der vorliegenden Forschungsarbeit, dass die Beobachtungen angesichts zweier Sensitivitätsanalysen, mit denen die Stärke des Zusammenhangs zwischen einem chronischen Erschöpfungssyndrom und Schilddrüsenparametern und niedriggradigen Entzündungen überprüft wurde, bestehen blieben – was die vorliegenden Ergebnisse erheblich stärkt.

Die Forscher sind der Meinung, dass die Einbeziehung von Patienteninformationen, wie z. B. die Dauer der Erkrankung, eine Korrelation mit deren biochemischen Profilen ermöglichen würde. Auch wenn die Studie einen Zusammenhang zwischen den Symptomen des chronischen Erschöpfungssyndroms und niedrigen Spiegeln wichtiger Schilddrüsenhormone aufzeigt, bleibt eine definitive Ursache für CFS weiterhin unbekannt.

Was ist Chronic fatigue syndrome / Chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS)

Chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS), manchmal auch als myalgische Enzephalomyelitis (ME) oder chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS) bezeichnet, ist eine schwächende Krankheit, für die es keine allgemein anerkannte medizinische Definition, Ursache, Diagnose oder Behandlung gibt. Allein in den USA sind mehr als eine Million Bürger von dem Krankheitsbild Chronic fatigue syndrome (ME/CFS) betroffen.

Mindestens ein Viertel der Menschen mit ME/CFS sind zu einem bestimmten Zeitpunkt der Krankheit ans Bett oder ans Haus gebunden und die meisten von ihnen erreichen nicht mehr das Funktionsniveau vor ihrer Erkrankung.

Ein chronisches Müdigkeits-/Erschöpfungssyndrom tritt bei Menschen aller Altersgruppen, Rassen, Ethnien und sozioökonomischen Gruppen auf und wird zwei- bis viermal häufiger bei Frauen diagnostiziert.

Chronisches Erschöpfungssyndrom: Ursache und Symptome

Charakteristisch für ein chronisches Müdigkeits-/Erschöpfungssyndrom (Chronic fatigue syndrome) ist eine mindestens sechs Monate andauernde, unerträgliche Müdigkeit, die sich als tiefe Erschöpfung und extrem schlechte Ausdauer äußert. Außerdem treten Probleme mit der Konzentration und dem Kurzzeitgedächtnis auf.

Manchmal gehen der Erkrankung grippeähnliche Symptome voraus, gefolgt von Gelenk- und Muskelschmerzen, nicht erholsamem Schlaf, empfindlichen Lymphknoten, Halsschmerzen und Kopfschmerzen. Ein charakteristisches Merkmal der Krankheit ist das Unwohlsein nach einer körperlichen oder geistigen Anstrengung, das innerhalb von 12-48 Stunden nach der jeweiligen Anstrengung auftritt und eine längere Erholungsphase erfordert. Obwohl die Ursache eines chronischen Müdigkeits-/Erschöpfungssyndroms unbekannt bleibt, können die Symptome durch eine Infektion ausgelöst werden.

(Quellen: University Medical Center Groningen / NIH / Frontiers in Endocrinology)

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