M.A. Dirk de Pol, aktualisiert am 25. Februar 2024, Lesezeit: 5 Minuten

Ob es sich um beruflichen Druck, finanzielle Sorgen oder persönliche Herausforderungen handelt – Stress kann unser körperliches und geistiges Wohlbefinden beeinträchtigen. Während wir die negativen Auswirkungen von Stress auf unsere Herzgesundheit kennen, hat eine aktuelle Studie eine weitere alarmierende Folge von chronischem Stress ans Licht gebracht – sein Potenzial, Krebs zu verbreiten.

Zusammenhang zwischen Stress und Krebsmetastasen

Diese neue Studie hat den komplizierten Zusammenhang zwischen Stress und Krebsmetastasen entschlüsselt. Die Studie, die in der Fachzeitschrift Cancer Cell veröffentlicht wurde, wurde von Adjunct Professor Mikala Egeblad, jetzt Bloomberg Distinguished Professor an der Johns Hopkins University, zusammen mit Postdoc Xue-Yan He, derzeit Assistant Professor für Zellbiologie und Physiologie an der Washington University School of Medicine in St. Louis, geleitet. In Zusammenarbeit mit CSHL-Professorin Linda Van Aelst untersuchten die Forscher die Auswirkungen von chronischem Stress auf die Metastasierung von Krebs.

Die Rolle von Neutrophilen und Stresshormonen

Neutrophile, eine Art von weißen Blutkörperchen, spielen eine entscheidende Rolle bei der Abwehr von Infektionen durch unser Immunsystem. Die Studie ergab jedoch, dass diese Neutrophilen unter chronischem Stress eine Umwandlung durchlaufen, die die Ausbreitung von Krebszellen fördert. Es wurde festgestellt, dass Stresshormone, so genannte Glukokortikoide, auf die Neutrophilen einwirken und sie dazu veranlassen, klebrige, netzartige Strukturen zu bilden, die als neutrophile extrazelluläre Fallen (NETs) bezeichnet werden. Diese NETs schaffen ein Umfeld, das die Metastasierung begünstigt und die Ausbreitung von Krebszellen in andere Teile des Körpers erleichtert.

Nachahmung von chronischem Stress bei Mäusen

Um die Auswirkungen von chronischem Stress auf die Krebsmetastasierung zu verstehen, führten die Forscher Experimente an Mäusen mit Brustkrebs durch. Sie entfernten zunächst Tumore, die in den Brüsten der Mäuse wuchsen und Krebszellen in die Lungen der Tiere streuten. Anschließend setzten sie die Mäuse Stress aus und simulierten so die psychologischen und physiologischen Auswirkungen von chronischem Stress. Die Ergebnisse waren verblüffend. Die gestressten Mäuse wiesen eine signifikante Zunahme der metastatischen Läsionen auf, mit einer bis zu vierfachen Zunahme der Metastasierung im Vergleich zu nicht gestressten Mäusen.

Bestätigung der Rolle von Stress bei der Metastasierung

Um ihre Ergebnisse weiter zu bestätigen, führten die Forscher drei Tests durch. Zunächst entfernten sie mit Hilfe von Antikörpern die Neutrophilen aus den Mäusen, wodurch das Vorhandensein von NETs effektiv beseitigt wurde. Dies führte zu einer Verringerung der Metastasierung, was auf die entscheidende Rolle der Neutrophilen bei der Förderung der Krebsausbreitung hinweist. Zweitens injizierten sie den Mäusen ein NET-zerstörendes Medikament, was ebenfalls zu einem Rückgang der metastatischen Läsionen führte. Schließlich setzten sie Mäuse ein, deren Neutrophile nicht auf Glukokortikoide reagierten, und auch hier kam es bei den gestressten Mäusen nicht zu einem Anstieg der Metastasenbildung. Diese Experimente lieferten eindeutige Beweise dafür, dass die durch chronischen Stress ausgelöste NET-Bildung zur Krebsmetastasierung beiträgt.

Die alarmierende vorbereitende Wirkung von chronischem Stress

Interessanterweise zeigte die Studie auch, dass chronischer Stress das Lungengewebe verändern kann, sogar bei Mäusen ohne Krebs. Diese Veränderung schafft eine Mikroumgebung, die für die Entwicklung von Krebs prädestiniert ist. Mit anderen Worten: Chronischer Stress bereitet das Gewebe darauf vor, anfälliger für das Wachstum und die Ausbreitung von Krebszellen zu sein. Diese Erkenntnis unterstreicht die Bedeutung des Stressabbaus nicht nur für die Krebsbehandlung, sondern auch für die Krebsprävention.

Auswirkungen auf die Krebsvorsorge und -behandlung

Die Auswirkungen dieser Studie sind tiefgreifend. Sie legt nahe, dass der Abbau von Stress ein integraler Bestandteil der Krebsbehandlung und der Präventionsstrategien sein sollte. Durch das Management des Stressniveaus bei Krebspatienten können medizinische Fachkräfte möglicherweise das Risiko einer Krebsmetastasierung minimieren und die Ergebnisse der Patienten verbessern. Darüber hinaus eröffnet diese Forschung neue Wege für die Entwicklung gezielter Therapien, die die Bildung von NETs hemmen und die Ausbreitung von Krebs verhindern. Künftige Medikamente, die auf die stressbedingte Umwandlung von neutrophilen Granulozyten abzielen, könnten Patienten, deren Krebs noch keine Metastasen gebildet hat, die dringend benötigte Linderung verschaffen und die Ausbreitung der Krankheit verlangsamen oder stoppen.

Fazit

Die bahnbrechenden Forschungsarbeiten von Wissenschaftlern des Cold Spring Harbor Laboratory haben einen bedeutenden Zusammenhang zwischen chronischem Stress und der Ausbreitung von Krebs aufgedeckt. Die Studie verdeutlicht die Rolle von Neutrophilen und Stresshormonen bei der Förderung der Krebsmetastasierung sowie die alarmierende vorbereitende Wirkung von chronischem Stress auf das Gewebe. Wenn wir die Mechanismen verstehen, durch die Stress die Ausbreitung von Krebs begünstigt, können wir neue Behandlungsstrategien entwickeln und die Bedeutung der Stressbewältigung in der Krebsbehandlung hervorheben. Die Verringerung von Stress sollte eine Schlüsselkomponente der Krebsbehandlung und -prävention sein, die Hoffnung auf bessere Behandlungsergebnisse und einen potenziellen Durchbruch bei der Verhinderung der Krebsmetastasierung bietet.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Xue-Yan He, Yuan Gao, David Ng, Evdokia Michalopoulou, Shanu George, Jose M. Adrover, Lijuan Sun, Jean Albrengues, Juliane Daßler-Plenker, Xiao Han, Ledong Wan, Xiaoli Sky Wu, Longling S. Shui, Yu-Han Huang, Bodu Liu, Chang Su, David L. Spector, Christopher R. Vakoc, Linda Van Aelst, Mikala Egeblad. Chronic stress increases metastasis via neutrophil-mediated changes to the microenvironment. Cancer Cell, 2024, https://doi.org/10.1016/j.ccell.2024.01.013
  2. Chronic_stress, Wikipedia 2024.

ddp


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