Brustkrebs-Früherkennung: Studie zeigt Wirksamkeit eines neuen Ansatzes

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Medizin Doc Redaktion, aktualisiert am 21. Januar 2024, Lesezeit: 6 Minuten

Brustkrebs ist eine verheerende Krankheit, die weltweit Millionen von Frauen betrifft. Früherkennung spielt eine entscheidende Rolle bei der Verbesserung der Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung und Genesung. Das Konzept der Früherkennung ist jedoch nicht ohne Herausforderungen.

Während es vorteilhaft erscheinen mag, Krebs in einem frühen Stadium zu erkennen, besteht auch die Gefahr einer Überdiagnose, bei der nicht aggressive Tumore entdeckt und unnötigerweise behandelt werden. Um das richtige Gleichgewicht zu finden, hat die TOSYMA-Studie, die weltweit größte randomisierte diagnostische Überlegenheitsstudie zur Brustkrebsfrüherkennung, einen neuen Ansatz namens DBT+SM untersucht. Diese innovative Methode kombiniert die digitale Tomosynthese der Brust (Digital Breast Tomosynthesis, DBT) mit der synthetischen 2D-Mammographie (Synthetic 2D Mammography, SM), um die systematische Früherkennung von invasivem Brustkrebs zu verbessern.

Die TOSYMA-Studie: Erkundung der Vorteile von DBT+SM

Die Studie hat kürzlich neue Ergebnisse veröffentlicht, die die Vorteile dieses Ansatzes gegenüber dem herkömmlichen Screening-Standard verdeutlichen. Ziel der TOSYMA-Studie von Forschern der Universität Münster ist es, die Früherkennung von invasivem Brustkrebs zu untersuchen und zu verbessern. Mit fast 100.000 Studienteilnehmern handelt es sich um eine umfassende und gründliche Untersuchung der Wirksamkeit des DBT+SM-Ansatzes.

DBT, auch als digitale Brust-Tomosynthese bekannt, ist eine dreidimensionale Bildgebungstechnik, die im Vergleich zur herkömmlichen Mammographie eine detailliertere Ansicht des Brustgewebes ermöglicht. Die synthetische 2D-Mammographie (SM) ist eine ergänzende Technologie, die die Vorteile der DBT mit einer 2D-Bildrekonstruktion kombiniert. Die interdisziplinäre Studiengruppe unter der Leitung von Prof. Walter Heindel, Direktor der Klinik für Radiologie am Universitätsklinikum Münster, verglich die gewonnenen Daten des DBT+SM-Verfahrens mit denen des konventionellen Screenings mittels digitaler Mammographie (DM). Die Ergebnisse waren vielversprechend.

Vorteile von DBT+SM: Erkennung invasiverer Brustkrebsarten

Das Hauptziel der TOSYMA-Studie bestand darin, festzustellen, ob der DBT+SM-Ansatz im Vergleich zur herkömmlichen digitalen Mammographie mehr frühe Tumorstadien der Tumorgrade 2 und 3 erkennen kann. Die Ergebnisse der Studie bestätigten, dass DBT+SM tatsächlich zur Erkennung deutlich invasiverer Brustkrebsarten führt. Dies ist ein bedeutender Durchbruch auf dem Gebiet der Brustkrebserkennung, da es eine genauere und umfassendere Beurteilung der Krankheit ermöglicht. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die erhöhte Erkennung nicht automatisch zu besseren Gesundheitsergebnissen für Frauen führt. Überdiagnosen, also die Erkennung nicht aggressiver Tumoren, die möglicherweise keinen wesentlichen Einfluss auf die Lebensqualität haben oder lebensbedrohlich werden, bleiben ein Problem.

Die Herausforderung der Überdiagnose: Die richtige Balance finden

Im Bereich der Diagnostik gilt das Mantra „Mehr finden ist nicht automatisch besser“. Das Ziel besteht nicht nur darin, mehr Fälle von Brustkrebs zu erkennen, sondern auch darin, die richtigen Fälle zu identifizieren, die eine Intervention und Behandlung erfordern. Eine Überdiagnose kann zu unnötigen medizinischen Eingriffen, emotionalem Stress und erhöhten Gesundheitskosten führen. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, das richtige Gleichgewicht zwischen Früherkennung und Überdiagnose zu finden. Die TOSYMA-Studie erkennt diese Herausforderung an und zielt darauf ab, den Screening-Prozess zu verfeinern, um sicherzustellen, dass nur klinisch signifikante Brustkrebserkrankungen erkannt und behandelt werden.

Subanalyse: Identifizierung relevanter Tumore für eine verbesserte Brustkrebsmortalität

Um den potenziellen Nutzen von DBT+SM bei der Reduzierung der Brustkrebssterblichkeit weiter zu untersuchen, führte die TOSYMA-Studie eine explorative Subanalyse durch. Prof. Stefanie Weigel, Prof. Walter Heindel und Prof. Hans-Werner Hense untersuchten mit dem DBT+SM-Screening-Ansatz, welche Tumoren häufig in einem früheren Stadium von Brustkrebs erkannt werden. Die Ergebnisse zeigten, dass DBT+SM bei der Identifizierung relevanter Tumoren wirksam war, insbesondere der Tumorgrade 2 und 3, die aggressiver sind und ein höheres Potenzial für die Brustkrebsmortalität haben. Dieser Befund legt nahe, dass die höhere Rate der Früherkennung von Tumorstadien durch DBT+SM möglicherweise den Screening-Effekt verbessern und letztendlich Leben retten könnte.

Der Weg in die Zukunft: Bewertung der langfristigen Auswirkungen und des Screening-Effekts

Obwohl die ersten Ergebnisse der TOSYMA-Studie vielversprechend sind, ist die Forschung noch lange nicht abgeschlossen. Im nächsten Schritt sollen die Langzeit- und Screening-Effekte von DBT+SM im Vergleich zum bisherigen Screening-Standard evaluiert werden. Um weitere Erkenntnisse über die Wirksamkeit dieses innovativen Ansatzes zu gewinnen, werden Daten aus den Krebsregistern von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen analysiert. Das 2016 gestartete Projekt TOSYMA, an dem 17 Screening-Einheiten in Deutschland beteiligt sind, wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Die aktuelle Förderperiode läuft bis 2025 und ermöglicht eine umfassende Bewertung des langfristigen Nutzens und möglicher Verbesserungen bei der Brustkrebsfrüherkennung und -sterblichkeit.

Die TOSYMA-Studie hat die Wirksamkeit des DBT+SM-Ansatzes zur Früherkennung von invasivem Brustkrebs bestätigt. Durch die Kombination von digitaler Brusttomosynthese (DBT) und synthetischer 2D-Mammographie (SM) bietet diese innovative Methode verbesserte Detektionsmöglichkeiten im Vergleich zur herkömmlichen digitalen Mammographie. Es ist jedoch von entscheidender Bedeutung, die richtige Balance zwischen Früherkennung und Überdiagnose zu finden, um sicherzustellen, dass nur klinisch relevante Brustkrebsfälle erkannt und behandelt werden.

Laufende Forschungsarbeiten zielen darauf ab, die langfristigen Auswirkungen und Screening-Effekte von DBT+SM zu bewerten und wertvolle Einblicke in die potenziellen Verbesserungen bei der Brustkrebserkennung und -sterblichkeit zu liefern. Durch kontinuierliche Fortschritte bei den Früherkennungsstrategien können wir weltweit bessere Ergebnisse für Brustkrebspatientinnen anstreben.

Quelle

Stefanie Weigel, Walter Heindel, Thomas Decker, Veronika Weyer-Elberich, Laura Kerschke, Joachim Gerß, Hans-Werner Hense. Digital Breast Tomosynthesis versus Digital Mammography for Detection of Early-Stage Cancers Stratified by Grade: A TOSYMA SubanalysisRadiology, 2023; 309 (3) DOI: 10.1148/radiol.231533

ddp


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