Studie: Was der Cortisolspiegel über den Erfolg einer Suchtbehandlung aussagt

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Medizin Doc Redaktion, aktualisiert am 26. September 2022, Lesezeit: 5 Minuten

Laut einer wissenschaftlichen Studie der Joan C. Edwards School of Medicine der Marshall University können niedrige Cortisolwerte zu Beginn einer Suchtbehandlung ein Indikator für den Therapieerfolg sein.

Cortisolspiegel, ACE-Score und Beziehungsstatus

In der prospektiven Beobachtungsstudie wurden die Cortisolwerte im Speichel, die Stressbelastung, negative Kindheitserfahrungen und der Verbleib in der jeweiligen Therapie bei Männern untersucht, die an abstinenzorientierten stationären Alkohol– und Drogenentzugs-Programmen teilnehmen.

Der Cortisolspiegel zeigt eine physiologische Reaktion auf Stress an. Im vorliegenden Fall fanden die Forscher heraus, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die weniger als 90 Tage an dem Therapieprogramm festhielten, signifikant höhere Ausgangswerte für Cortisol aufwiesen als diejenigen, die länger als 90 Tage in dem Programm blieben.

Anhand eines Cox-Proportional-Hazards-Modells wurde außerdem festgestellt, dass erhöhte Cortisolwerte im Speichel, der Familienstand/Beziehungsstatus und der ACE-Score (Adverse Childhood Experiences) signifikant mit dem Risiko eines vorzeitigen Abbruchs des Therapieprogramms zusammenhängen.

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Was ist der ACE-Score?

Der ACE-Score ist eine Zusammenstellung der verschiedenen Arten von Missbrauch, Vernachlässigung und anderen Merkmalen einer schweren Kindheit.

Nach der Studie „Adverse Childhood Experiences“ gilt: Je härter die Kindheit, desto höher die Punktzahl und desto höher das Risiko für spätere gesundheitliche Probleme.

Was sagt der Cortisolspiegel aus?

Der Cortisolspiegel signalisiert eine physiologische Reaktion auf Stress.

Die Forschenden sehen in dem körpereigenen Stresshormon Cortisol einen Biomarker, mit dessen Hilfe Mediziner feststellen können, welche Personen einen intensiveren therapeutischen Ansatz benötigen, sagt Dr. Todd H. Davies von der Joan C. Edwards School of Medicine und korrespondierender Autor der Studie.

Das Forscherteam führt derzeit in Zusammenarbeit mit Recovery Point eine größere Folgestudie durch, um die klinisch bedeutsamen Cortisolwerte zu ermitteln.

In dieser erweiterten Studie soll auch eine repräsentativere Bevölkerungsgruppe einbezogen und das Hormon Oxytocin untersucht werden.

Die Studienergebnisse wurden in der Zeitschrift Alcoholism: Clinical and Experimental Research veröffentlicht.

Zu viel Cortisol beeinträchtigt den natürlichen DNA-Prozess und die psychische Gesundheit

Eine zu hohe Konzentration des Stresshormons Cortisol beeinträchtigt wichtige DNA-Prozesse und erhöht die Gefahr von langfristigen psychischen Folgeerkrankungen.

Das zeigt eine andere Studie von Wissenschaftlern der Sahlgrenska-Akademie der University of Gothenburg an Patientinnen und Patienten mit dem Cushing-Syndrom, aber die gewonnenen Erkenntnisse sind auch ein Ansatzpunkt für neue Behandlungsstrategien bei anderen stressbedingten Erkrankungen wie Angstzuständen, Depressionen und posttraumatischem Stress.

Die Ursache des Cushing-Syndroms ist eine stark überhöhte Produktion von Cortisol, die durch einen gutartigen Tumor der Hypophyse oder der Nebenniere hervorgerufen wird.

Die Betroffenen sind fettleibig, haben Fettablagerungen im Gesicht und am Hals, Bluthochdruck und Diabetes. Außerdem haben die betroffenen Personen ein hohes Risiko, an einem chronischen Müdigkeitssyndrom, Angstzuständen, Depressionen und kognitiven Beeinträchtigungen zu leiden.

Hohe Stressbelastung, reduzierte DNA-Methylierung

Laut Camilla Glad von der University of Gothenburg in Schweden sind die körperlichen Symptome nach einer Operation des Tumors zwar besser, aber die psychischen Probleme bleiben oft bestehen.

Einige der Patientinnen und Patienten kehren nie wieder ins Arbeitsleben zurück und wagen sich vielleicht nicht einmal mehr für alltägliche Dinge in die Öffentlichkeit.

  • Die Tatsache, dass sich eine hohe Stressbelastung auf die DNA auswirken kann, ist bis zu einem gewissen Grad bereits bekannt.

Forschungen an einzelnen Genen haben gezeigt, dass extremer Stress mit vorübergehend hohen Cortisolwerten die sogenannte DNA-Methylierung beeinflusst, was zu Veränderungen in der Expression und den Eigenschaften von Genen führt.

Bei dieser speziellen Studie wurde zum ersten Mal die DNA-Methylierung im gesamten menschlichen Genom für die Patienten-Gruppe untersucht, und die Ergebnisse sind eindeutig: Bei den Personen mit Cushing-Syndrom war die DNA-Methylierung deutlich niedriger als bei einer gesunden Kontrollgruppe.

Darüber hinaus fanden die Forscherinnen und Forscher spezifische DNA-Methylierungsveränderungen, die mit den anhaltenden psychiatrischen Problemen zusammenhängen, unter denen die Patienten oft litten.

Einige dieser Veränderungen wurden in Genen festgestellt, die mit der Cortisolempfindlichkeit und der Entwicklung und Plastizität des Gehirns in Verbindung stehen.

Liegt eine programmierte Empfindlichkeit für Cortisol vor, die schon bei sehr niedrigen Werten mit Depressionen und Angstzuständen reagiert, ist das nicht gerade förderlich für die zukünftige Entwicklung.

  • Man spricht laut Camilla Glad hier von Veränderungen in der DNA, die für den Rest des Lebens bestehen bleiben können und die auch vererbbar sind.

Quellen

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