Forschung: Wie soziale Medien den Alkohol- und Drogenkonsum von Kindern und Jugendlichen fördern

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Torsten Lorenz, aktualisiert am 16. September 2022, Lesezeit: 7 Minuten

Der Konsum von Alkohol und Drogen ist die Hauptursache für Krankheiten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Einstiegsdroge soziale Netzwerke

Einer neuen wissenschaftlichen Studie der University of Queensland zufolge kommen Jugendliche, die in sozialen Medien aktiv sind, dort regelmäßig mit Inhalten in Berührung, die das Risiko von Drogen- und Alkoholproblemen erhöhen können.

In der Studie, die von Brienna Rutherford vom National Center for Youth Substance Use Research der University of Queensland geleitet wurde, untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wie Medieninhalte in sozialen Medien über Drogen- und Alkoholkonsum dargestellt werden.

Drogen- und Alkoholkonsum wird überwiegend positiv dargestellt

Bei der Analyse von fast 16 Millionen Beiträgen auf den sozialen Netzwerken Instagram, Twitter, YouTube, Pinterest, TikTok und Weibo stellten die Forscherinnen und Forscher fest, dass die meisten Beiträge über Drogen- und Alkoholkonsum positiv dargestellt werden.

  • Die überwiegend positive Darstellung von Drogen- und Alkoholkonsum ist den Forschenden zufolge besorgniserregend, da gerade Jugendliche und junge Erwachsene weltweit die am stärksten gefährdete Gruppe ist und zugleich die intensivsten Nutzer sozialer Medien sind, die durchschnittlich acht Stunden pro Tag online verbringen.

Soziale Netzwerke sollten den Studienautoren zufolge stärker reglementiert werden, um sicherzustellen, dass minderjährige Nutzerinnen und Nutzer nicht mit potenziell gesundheitsschädlichen Inhalten in Berührung kommen oder diesen ausgesetzt sind.

Aus der Studie geht außerdem hervor, dass nutzergenerierte Inhalte, die den Alkohol- und Drogenkonsum als positiv darstellen, in den sozialen Medien am weitesten verbreitet sind und das Verhalten der jugendlichen Zuschauer wahrscheinlich beeinflussen.

Aufklärung von Gesundheits- und Bildungseinrichtungen zu gering

Lediglich 21 Prozent der untersuchten Beiträge auf den genannten sozialen Plattformen stammten von öffentlichen Gesundheits- und Bildungseinrichtungen, die über die gesundheitlichen Folgen des Alkohol- und Drogenkonsums informieren.

  • Nach Ansicht von Brienna Rutherford von der University of Queensland ist es notwendig, dass die öffentlichen Gesundheitsbehörden mehr tun, um über die potenziellen Risiken von Drogen und anderen Suchtmitteln aufzuklären.

Die Sozialen Medien sind ein unglaublich mächtiges Instrument für Veränderungen und könnten, wenn sie richtig genutzt werden, ein großer Gewinn für die öffentliche Gesundheit sein, so die Forscherin.

Für Gesundheitsorganisationen sind die sozialen Medien eine große Chance, Jugendliche über die Risiken des Drogenkonsums aufzuklären.

Derzeit gibt es Altersbeschränkungen für Inhalte, die sexuelle Themen oder risikoreiche Verhaltensweisen beinhalten, aber der Konsum von Drogen ist in den sozialen Medien relativ unreguliert.

Zwar haben viele Online-Plattformen die entsprechenden Hashtags pauschal verboten oder eingeschränkt, aber sie können über öffentlich zugängliche Internet-Suchmaschinen leicht gefunden werden, so die Wissenschaftler.

Studie: Die Mehrheit der Videos zum Alkoholkonsum auf TikTok stellt Alkoholkonsum positiv dar

Die überwiegende Zahl der beliebten TikTok-Videos, die sich auf den Konsum von Alkohol beziehen, konzentrieren sich auf die positiven Aspekte und ignorieren die negativen.

Zu diesem Ergebnis kam eine Studie von Forschern der University of Arkansas herausfand und die im Journal of Studies on Alcohol and Drugs veröffentlicht wurde.

Dem Bericht zufolge enthielten von den 100 beliebtesten Videos auf TikTok mit dem Hashtag #alcohol insgesamt 98 Prozent der Beiträge positive Darstellungen von Alkohol, während nur ein vergleichsweise minimaler Anteil der Videos negative alkoholbedingte Folgen beschrieb, so der leitende Forscher Dr. Alex Russell, Assistant Professor für öffentliches Gesundheitswesen an der University of Arkansas.

Uneingeschränkter Zugang für minderjährige Nutzer auf alkoholbezogene Inhalte

Laut Russell können soziale Medienplattformen wie TikTok das Gesundheitsverhalten beeinflussen.

Wenn Jugendliche zum Beispiel vermehrt mit Werbung für Alkohol in den sozialen Medien in Berührung kommen, beginnen sie früher mit dem Trinken und konsumieren insgesamt mehr Alkohol.

  • Da mehr als ein Drittel der TikTok-Nutzerinnen und -Nutzer minderjährig sind, war es wichtig, den Inhalt und die Themen der Videos, die Alkohol auf dieser beliebten Plattform darstellen, zu charakterisieren.

Russell und seine Kollegen analysierten die 100 beliebtesten Videos auf der TikTok-Seite mit dem Hashtag #alcohol, die im Jahr 2020 1,7 Milliarden Aufrufe hatte.

Bei 41 Prozent der Videos handelte es sich um eine Anleitung, in der Rezepte für verschiedene Getränke vorgestellt wurden. Die meisten (72 Prozent) bezogen sich auf Spirituosen, 23 Prozent auf aromatisierte Malzgetränke, 16 Prozent auf Bier und 10 Prozent auf Wein.

  • In 61 Prozent der Videos wurde der schnelle Konsum von mehreren Getränken gezeigt, wie zum Beispiel das Trinken von Schnaps in kleinen Mengen und das anschließende Trinken aus der Flasche.

Sie förderten auch die Vorstellung, dass Alkoholkonsum mit Freundschaft, Vertrautheit und Kameradschaft verbunden ist.

In den wenigen Videos, in denen negative Auswirkungen – wie Kater oder körperliche Schäden – erwähnt wurden, geschah dies auf humorvolle und nicht aufklärende Weise.

Obwohl die Community-Richtlinien von TikTok Inhalte verbieten, die den Konsum von Alkohol, Drogen oder Tabak durch Minderjährige zeigen, ist nicht erkennbar, wie wirkungsvoll diese Richtlinie durchgesetzt wird.

Darüber hinaus waren diese Videos über eine einfache Internetsuche leicht zugänglich und konnten ohne eine Altersüberprüfung angesehen werden, so die Forscher.

Jede nicht registrierte Person kann unabhängig von ihrem Alter mit Alkoholvideos auf TikTok interagieren.

Was ist zu tun, um Kinder und Jugendliche besser zu schützen?

Dr. Alex Russell von der University of Arkansas zieht aus den Untersuchungsergebnissen folgende Schlussfolgerungen und Handlungsempfehungen:

  • Als Erstes sollten sich Eltern fragen, ob sie wollen, dass ihre Kinder auf TikTok Gesundheitsinformationen über Themen wie Alkoholkonsum erhalten.
  • Zweiten empfiehlt der Forscher den Eltern, eine einfache Internetsuche nach „#alcohol TikTok“ durchzuführen und herauszufinden, ob sie mit den Inhalten und Botschaften, denen ihre Kinder ausgesetzt sind, einverstanden sind.
  • Drittens sollten sich Fachleuten des öffentlichen Gesundheitswesens und Wissenschaftler darüber bewusst sein, dass TikTok und andere Social-Media-Plattformen auf Dauer Bestand haben werden.

Fachkräfte des öffentlichen Gesundheitswesens können diese Plattformen nutzen, um wissenschaftliche Erkenntnisse über die gesundheitlichen Folgen des Alkoholkonsums zu veröffentlichen und eine kritische Auseinandersetzung mit alkoholbezogenen Informationen in sozialen Medien zu fördern.

Mit Blick auf die Politik sagt Russell, dass der leichte Zugang zu alkoholbezogenen Inhalten auf TikTok die Notwendigkeit eines Mechanismus (wie z. B. einer Altersverifizierung) unterstreicht, um den Kontakt von Jugendlichen mit alkoholbezogenen Inhalten auf Social Media-Plattformen zu minimieren.

Quellen

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