Prostatakrebs: Forscher entdecken Ursache für Metastasenbildung

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Dirk de Pol, Beitrag vom 2. Mai 2022

In den meisten Fällen bleibt Prostatakrebs (Prostatakarzinom) lokal begrenzt, sodass für die Betroffenen eine gute Überlebenschance besteht. Jedoch entwickeln etwa 20 Prozent der Patienten ein unheilbares metastasierendes Prostatakarzinom.

In Deutschland erkranken allein laut Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) im Jahr 2018 mehr als 65.000 Männer an Prostatakrebs (Prostatakarzinom). Dazu kamen knapp 15.000 Sterbefälle im selben Jahr aufgrund der Folgen der Tumorerkrankung.

In der medizinischen Forschung ist bislang nicht hinreichend geklärt, warum bei manchen Menschen Metastasen auftreten und bei anderen nicht. Eine Forschungsgruppe an der Medizinischen Universität Wien (MedUni Wien) hat nun spezifische Veränderungen in einem Protein entdeckt, die das Wachstum und die Ausbreitung von Prostatakrebs fördern.

Mit ihrer Studie betraten die Forscherinnen und Forscher wissenschaftliches Neuland und erforschten die Rolle des Proteins KMT2C bei Prostatakrebs. Das Protein KMT2C ist eine genetische Komponente, die hauptsächlich als Regulator für zentrale zelluläre Prozesse dient.

Verliert KMT2C durch krebstypische Mutationen diese Regulationsfähigkeit, fördert dies die Vermehrung des Krebsgens MYC. Dies wiederum verursacht eine erhöhte Teilungsrate der Zellen, was sowohl das Wachstum als auch die Ausbreitung des Krebses fördert.

Die vorliegende Studie liefert neue Erkenntnisse über den bisher wenig verstandenen Übergang vom lokal begrenzten Prostatakrebs zum metastasierenden Prostatakrebs (Prostatakarzinom) im Endstadium, verdeutlicht Studienleiter Prof. Dr. Lukas Kenner von der der Medizinischen Universität Wien die Bedeutung der Forschungsarbeit.

Die Erkenntnisse über die Auswirkungen von KMT2C-Mutationen können ferner neue Impulse für die Diagnose und Behandlung von Prostatakrebs liefern.

Der Status der Mutation des Proteins KMT2C kann mittels eines Bluttests gemessen werden, was eine frühzeitige Diagnose eines potenziell aggressiven Verlaufs von Prostatakrebs ermöglicht.

Darüber hinaus könnten MYC-Inhibitoren eingesetzt werden, um eine verstärkte Zellteilung und damit die Metastasierung zu verhindern, und es ist zu hoffen, dass weitere wissenschaftliche Studien dies belegen werden.

MYC-Inhibitoren gehören zur neuen Generation von Krebsmedikamenten, die bereits in klinischen Studien erprobt wurden und – wenn weitere Studien dies bestätigen – in den nächsten Jahren auch bei metastasierendem Prostatakrebs eingesetzt werden könnten.

Da den Forschenden zufolge zahlreiche Krebsarten wie Brustkrebs, Lungenkrebs, Darmkrebs, Blasenkrebs und auch Hautkrebs durch ein hohes Maß an KMT2C-Mutation gekennzeichnet sind, haben die Ergebnisse der vorliegenden Studie ein großes Potenzial für die Erforschung, Diagnose und Behandlung bösartiger Krebsarten im Allgemeinen.

Die Ergebnisse der Studie wurden in dem Fachblatt Molecular Cancer veröffentlicht.

Wie erkennt man Prostatakrebs? Zu den Anzeichen und Symptomen dieser Erkrankung gehören unter anderem ein verstärkter Harndrang, Schwierigkeiten beim Wasserlassen, Schmerzen im Bereich der Prostata und des unteren Rückens sowie bei der Ejakulation. Allerdings können diese Anzeichen ebenso bei anderen eher harmlosen Erkrankungen des Harntrakts auftreten.

Quellen: Robert Koch Institut (RKI) / Medizinische Universität Wien / Tanja Limberger et al, KMT2C methyltransferase domain regulated INK4A expression suppresses prostate cancer metastasis, Molecular Cancer (2022). DOI: 10.1186/s12943-022-01542-8

ddp

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