Eine neue Auswertung von Daten der UK Biobank zeigt, dass die Zubereitungsart von Kaffee offenbar einen messbaren Unterschied für die biologische Alterung macht, denn während der regelmäßige Konsum von Filterkaffee mit günstigeren Alterungsbiomarkern und einer tendenziell längeren Telomerlänge einherging, zeigte Instantkaffee in derselben Studie das gegenteilige Muster mit einer beschleunigten biologischen Alterung; die Ergebnisse wurden im Fachjournal npj Science of Food veröffentlicht und liefern damit einen der bislang detailliertesten Vergleiche zwischen Kaffeezubereitung, Alterungsmarkern und Gesundheitsrisiken.
Warum die Zubereitungsart von Kaffee für die Alterungsforschung relevant ist
Die biologische Alterung beschreibt den schrittweisen Verlust von Zellfunktion und Organleistung, der sich vom kalendarischen Lebensalter unterscheiden kann. Da die Weltbevölkerung in einem historisch beispiellosen Tempo altert, suchen Forschende intensiv nach Ernährungsfaktoren, die diesen Prozess verlangsamen oder beschleunigen können.
Kaffee gehört zu den weltweit meistkonsumierten Getränken und wurde bereits in zahlreichen Studien zu chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs untersucht. Die Verbindung zwischen Kaffeekonsum und biologischer Alterung blieb jedoch bislang wenig erforscht, zumal frühere Untersuchungen selten zwischen Filterkaffee, Instantkaffee und anderen Zubereitungsarten unterschieden.
Studiendesign: 49.414 Teilnehmende aus der UK Biobank
Für die aktuelle Untersuchung werteten die Forschenden Daten von 49.414 Teilnehmenden der UK Biobank aus, mit einem Durchschnittsalter von 56,4 Jahren. Der Frauenanteil lag bei 44,3 Prozent, 91 Prozent der Personen stammten aus England, und 65 Prozent hatten in der Vorgeschichte Bluthochdruck.
Der Kaffeekonsum wurde über einen Ernährungsfragebogen sowie wiederholte 24-Stunden-Recalls erfasst, wobei Teilnehmende mit weniger als drei abgeschlossenen Recalls sowie fehlenden Daten zu Ernährung, Kovariaten oder Alterungsmarkern ausgeschlossen wurden. Im Durchschnitt konsumierten die Teilnehmenden täglich:
- 0,7 Tassen Filterkaffee
- 1,5 Tassen Instantkaffee
- 0,03 Tassen sonstige Kaffeearten
Zusätzlich gaben 23 Prozent der Teilnehmenden an, koffeinfreien Kaffee zu trinken, während 33 Prozent ihren Kaffee mit Milch zubereiteten.
Die drei gemessenen Alterungsbiomarker
Um biologische Alterung möglichst umfassend abzubilden, nutzten die Forschenden drei etablierte Marker:
- Relative Telomerlänge der Leukozyten (rLTL): ein Marker der zellulären Alterung, gemessen per quantitativer Polymerase-Kettenreaktion.
- PhenoAge-Beschleunigung: ein aus klinischen und biochemischen Parametern abgeleitetes biologisches Alter.
- KDM-BA-Beschleunigung (Klemera-Doubal-Methode): ein weiteres Verfahren zur Schätzung des biologischen Alters auf Basis klinischer Werte.
Die statistischen Modelle wurden für zahlreiche Einflussfaktoren angepasst, darunter Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Bildungsstand, Region, sozioökonomischer Status, Alkoholkonsum, Rauchstatus, Body-Mass-Index, körperliche Aktivität, Zucker- oder Süßstoffzugabe zum Kaffee sowie bestehende Diagnosen wie Diabetes, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Bluthochdruck.
Zentrale Ergebnisse: Gegensätzliche Effekte von Filterkaffee und Instantkaffee
Die Auswertung ergab ein klares Kontrastmuster zwischen den beiden Zubereitungsarten.
Instantkaffee: Hinweise auf beschleunigte Alterung
Im Vergleich zu Nicht-Konsumierenden zeigte der Konsum von Instantkaffee einen signifikanten Trend zu höherer PhenoAge- und KDM-BA-Beschleunigung sowie zu kürzerer Telomerlänge, ein Muster, das mit beschleunigter biologischer Alterung vereinbar ist. Allerdings unterschieden sich nicht alle Konsumkategorien statistisch signifikant von der Gruppe ohne Kaffeekonsum. Die Autoren betonten zudem, dass die meisten Effektschätzungen für Instantkaffee einer Alterungsbeschleunigung von etwa 0,1 bis 0,2 Jahren entsprachen und damit auf individueller Ebene nur von geringer klinischer Bedeutung sind.
Filterkaffee: Hinweise auf verlangsamte Alterung
Beim Filterkaffee zeigte sich das umgekehrte Bild: signifikant niedrigere PhenoAge- und KDM-BA-Beschleunigung sowie eine tendenziell längere Telomerlänge, was auf eine langsamere biologische Alterung hindeutet. Einzige Ausnahme war die Gruppe mit dem höchsten Filterkaffeekonsum, bei der die Telomerlänge nicht signifikant länger ausfiel als bei Nicht-Konsumierenden.
Andere Kaffeearten ohne signifikanten Effekt
Für sonstige Zubereitungsarten, die in der Studie nur einen sehr geringen Anteil des Konsums ausmachten, fanden sich keine signifikanten Zusammenhänge mit den Alterungsmarkern.
Wer besonders betroffen war: Ergebnisse der Subgruppenanalysen
Die Subgruppenanalysen brachten zusätzliche Nuancen zutage. Bei Personen, die mehr als drei Tassen Instantkaffee täglich konsumierten, zeigte sich eine höhere KDM-BA-Beschleunigung insbesondere bei Männern, bei Personen ab 60 Jahren und bei aktiven Rauchern. Eine erhöhte PhenoAge-Beschleunigung wurde vor allem bei Rauchern und bei Personen mit einem Body-Mass-Index unter 30 kg/m² beobachtet.
Umgekehrt zeigten Männer, die mehr als drei Tassen Filterkaffee pro Tag tranken, eine reduzierte KDM-BA-Beschleunigung, ein Hinweis darauf, dass Geschlecht und Konsummenge die beobachteten Effekte mitbestimmen könnten.
Welche biologischen Mechanismen könnten dahinterstecken?
Die Forschenden führten zusätzlich Mediationsanalysen durch, um mögliche biologische Übertragungswege zu identifizieren.
- Cystatin C, ein Marker der Nierenfunktion, erklärte statistisch 14,2 Prozent der Verbindung zwischen Filterkaffeekonsum und KDM-BA-Beschleunigung sowie 18,0 Prozent der Verbindung zur PhenoAge-Beschleunigung.
- Der Grundumsatz (BMR) vermittelte 16,7 Prozent des Zusammenhangs zwischen Filterkaffee und KDM-BA-Beschleunigung sowie 2,9 Prozent des Zusammenhangs zur PhenoAge-Beschleunigung.
- Die Glykoprotein-Acetylierung (GlycA), ein Entzündungsmarker, erklärte 24,6 beziehungsweise 34,6 Prozent der Zusammenhänge zwischen Instantkaffee und den beiden Beschleunigungswerten sowie 23,4 beziehungsweise 28,7 Prozent bei Filterkaffee.
Bemerkenswert ist, dass keiner dieser drei Marker den Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Telomerlänge vermittelte, was darauf hindeutet, dass hier andere, bislang nicht erfasste biologische Mechanismen eine Rolle spielen könnten.
Robustheit der Ergebnisse: Was die Sensitivitätsanalysen zeigen
Um die Stabilität der Befunde zu überprüfen, wiederholten die Forschenden ihre Analysen unter Ausschluss von Teilnehmenden mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder Diabetes sowie von Personen, die ihrem Kaffee Zucker, Süßstoff oder Milch hinzufügten, oder die koffeinfreien Kaffee konsumierten. Die grundlegenden Zusammenhänge blieben dabei weitgehend unverändert. Die Autoren weisen jedoch ausdrücklich darauf hin, dass diese Analysen eine sogenannte Restconfoundierung, also den Einfluss nicht erfasster Störfaktoren, nicht vollständig ausschließen können.
Grenzen der Studie: Warum Kausalität nicht bewiesen ist
Die Ergebnisse stammen aus einer Querschnittsstudie, was bedeutet, dass sie einen statistischen Zusammenhang, aber keine Ursache-Wirkungs-Beziehung belegen können. Weitere Einschränkungen umfassen die Selbstauskunft zum Kaffeekonsum, die überwiegend weiße Studienpopulation der UK Biobank sowie das Fehlen longitudinaler Daten und klinischer Endpunkte wie tatsächlicher Krankheitsereignisse.
Die Autoren betonen daher, dass prospektive Kohortenstudien und kontrollierte Interventionsstudien notwendig sind, bevor sich aus den Ergebnissen konkrete Ernährungsempfehlungen ableiten lassen.
Praktische Einordnung für Verbraucherinnen und Verbraucher
Auch wenn die Studie keine Kausalität belegt, liefert sie interessante Ansatzpunkte für alltägliche Überlegungen rund um Kaffeekonsum und Gesundheit:
- Die beobachteten Effekte bei Instantkaffee entsprachen im Schnitt nur 0,1 bis 0,2 Jahren Alterungsbeschleunigung, ein Wert mit begrenzter individueller Relevanz.
- Der Zusammenhang war bei bestimmten Gruppen wie Rauchern, Männern und älteren Personen ausgeprägter, was auf mögliche Wechselwirkungen mit Lebensstilfaktoren hindeutet.
- Filterprozesse entfernen bestimmte Kaffeeölbestandteile wie Diterpene, ein Unterschied, der in früheren Studien bereits mit unterschiedlichen Auswirkungen auf Cholesterinwerte in Verbindung gebracht wurde und möglicherweise auch hier eine Rolle spielt.
Dieser Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Bedeutet die Studie, dass Instantkaffee ungesund ist? Nein, die Studie zeigt einen statistischen Zusammenhang mit Alterungsmarkern, aber keinen bewiesenen Kausalzusammenhang. Instantkaffee wurde in vielen anderen Untersuchungen nicht grundsätzlich mit höheren Krankheitsrisiken in Verbindung gebracht.
Welche Rolle spielt Koffein bei den beobachteten Unterschieden? Da die Analysen für den Konsum von koffeinfreiem Kaffee kontrolliert wurden und die Effekte bestehen blieben, deutet vieles darauf hin, dass nicht das Koffein selbst, sondern andere Substanzen, die je nach Zubereitungsmethode unterschiedlich stark im Getränk verbleiben, ausschlaggebend sein könnten.
Warum unterscheidet sich die Wirkung auf Telomerlänge von der Wirkung auf PhenoAge und KDM-BA? Die drei Marker erfassen unterschiedliche biologische Prozesse. Während PhenoAge und KDM-BA auf klinischen Blutwerten basieren, misst die Telomerlänge einen rein zellulären Alterungsprozess, der offenbar durch andere Mechanismen beeinflusst wird als Entzündung oder Stoffwechsel.
Sollten Menschen jetzt von Instantkaffee auf Filterkaffee umsteigen? Die Forschenden selbst raten zur Zurückhaltung bei Empfehlungen, da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt. Wer ohnehin regelmäßig Filterkaffee bevorzugt, kann sich durch die Ergebnisse bestätigt fühlen, ein genereller Wechsel lässt sich aus den Daten allein jedoch nicht ableiten.
Gibt es ähnliche Studien zu anderen Getränken und biologischer Alterung? Ja, Alterungsbiomarker wie PhenoAge oder Telomerlänge werden zunehmend auch bei Untersuchungen zu Ernährungsmustern, Schlafqualität und chronischem Stress herangezogen, was zeigt, dass sich die Alterungsforschung derzeit stark in Richtung alltagsnaher Lebensstilfaktoren entwickelt.
Quellen
Wang, Y., Xiang, P., Liu, Z., et al. (2026). Discrepancies between instant and filtered coffee in biological aging: Evidence from the UK Biobank. npj Science of Food. https://doi.org/10.1038/s41538-026-00988-0
Sai Lomte, T. (2026, July 20). Filtered coffee links to slower biological aging while instant coffee shows the opposite. News-Medical. https://www.news-medical.net/news/20260720/Filtered-coffee-links-to-slower-biological-aging-while-instant-coffee-shows-the-opposite.aspx






