Hochdosiertes Vitamin-D hatte keinen Einfluss auf Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

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Torsten Lorenz, Beitrag vom 5. Januar 2022

Eine Untersuchung der Universität Ostfinnland hat ergeben, dass die Einnahme einer wesentlich höheren Vitamin-D-Tagesdosis als empfohlen über einen Zeitraum von fünf Jahren keinen Einfluss auf die Gesamtsterblichkeit oder das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs bei älteren Männern und Frauen hat.

Wissenschaftliche Studien belegen, dass ein niedriger Vitamin-D-Spiegel im Körper mit einem erhöhten Risiko für viele chronische Krankheiten und einen vorzeitigen Tod in Verbindung gebracht wird.

Allerdings lässt sich aus solchen Beobachtungsstudien nicht direkt ableiten, ob die Einnahme von Vitamin-D-Ergänzungsmitteln zu einer Verringerung des Krankheits- oder Sterberisikos führen kann.

In verschiedenen Ländern wurden Anfang der 2010er Jahre groß angelegte Vitamin-D-Studien durchgeführt, in denen die Auswirkungen einer höheren als der empfohlenen Vitamin-D-Tagesdosis auf das Krankheitsrisiko untersucht wurden.

Eine dieser Studien war die finnische Vitamin-D-Studie (FIND), die von 2012 bis 2018 an der Universität von Ostfinnland durchgeführt wurde, und die in dem Fachblatt The American Journal of Clinical Nutrition veröffentlicht wurden.

In der finnischen Studie wurden insgesamt 2.495 Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer (Männer ab 60 Jahren und Frauen ab 65 Jahren) fünf Jahre lang nach dem Zufallsprinzip entweder einer Placebogruppe oder einer Gruppe zugewiesen, die entweder 40 oder 80 Mikrogramm (1600 oder 3200 IE) Vitamin D3 pro Tag erhielt.

Alle Studienteilnehmer waren zu Beginn der Untersuchung nicht an Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs erkrankt.

Die Probanden durften ihr eigenes Vitamin-D-Präparat bis zu einer Menge von 20 Mikrogramm (800 IE) pro Tag einnehmen (die zum Zeitpunkt des Studienbeginns empfohlene Zufuhr für diese Altersgruppe). Vor und während der Studie wurden mit Hilfe von Fragebögen umfassende Informationen über die Lebensweise, die Ernährung, die Risikofaktoren und das Auftreten von Krankheiten erhoben.

Auch Informationen über das Auftreten von Krankheiten und über Todesfälle wurden aus nationalen Gesundheitsregistern entnommen. Etwa ein Fünftel der nach dem Zufallsprinzip ausgewählten Personen unterzog sich eingehenderen Untersuchungen und ließ Blutproben entnehmen.

Im Verlauf der fünfjährigen Studiendauer erkrankten insgesamt 119 Studienteilnehmer an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bei 129 Personen wurde Krebs diagnostiziert, und 19 starben.

Die verwendeten Vitamin-D-Dosierungen erwiesen sich als sicher, da keine Unterschiede bei den Nebenwirkungen zwischen den Gruppen festgestellt wurden.

In der näher untersuchten Unterstichprobe lag zu Beginn der Studie die mittlere Vitamin-D-Konzentration (Calcidiol) im Blut bei 75 nmol/L (30 ng/ml).

Nach Ablauf eines Jahres lag die mittlere Calcidiol-Konzentration bei 100 nmol/L (40 ng/ml) in der Gruppe, die 40 Mikrogramm Vitamin D pro Tag einnahm, und bei 120 nmol/L (48 ng/ml) in der Gruppe, die 80 Mikrogramm Vitamin D pro Tag einnahm.

Innerhalb der Placebogruppe gab es keine signifikante Veränderung der Calcidiol-Konzentration. Lediglich 9 Prozent der Probanden hatten zu Beginn der Studie einen niedrigen Vitamin-D-Spiegel, er lag bei einer Calcidiol-Konzentration von weniger als 50 nmol/L (20 ng/ml) im Blut.

Die Ergebnisse der Studie von Forschenden der Universität Ostfinnland stehen im Einklang mit anderen ähnlichen Studien, die gezeigt haben, dass die Einnahme höherer Vitamin-D-Dosen als der empfohlenen Dosis über viele Jahre hinweg keine signifikante Auswirkung auf das Risiko der Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs hat, wenn der Vitamin-D-Spiegel des Körpers bereits eine ausreichende Höhe aufweist.

Die Sicherstellung der Vitamin-D-Zufuhr durch Vitamin-D-Präparate wird nach wie vor empfohlen, insbesondere im Winter, wenn die Ernährung arm an Vitamin-D-Quellen ist.

Die vorliegende Studie unterstützt jedoch nicht die Verwendung hoher Vitamin-D-Dosen zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs.

Zusätzlich zu diesen Hauptergebnissen wird die FIND-Studie umfassende Berichte über die Auswirkungen einer Vitamin-D-Supplementierung unter anderem auf Diabetes Typ 2, Knochenbrüche und Stürze, Stimmungsschwankungen, Infektionen, Schmerzzustände und andere Ergebnisse liefern.

Die finnische Regierung empfiehlt für die erwachsene Bevölkerung eine Vitamin-D-Zufuhr von 10 Mikrogramm pro Tag (400 IE); für Personen ab 75 Jahren liegt die Empfehlung bei 20 Mikrogramm pro Tag (800 IE).

University of Eastern Finland / Jyrki K Virtanen et al, Vitamin D supplementation and prevention of cardiovascular disease and cancer in the Finnish Vitamin D Trial-a randomized controlled trial, The American Journal of Clinical Nutrition (2021). DOI: 10.1093/ajcn/nqab419

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