Erdnussallergie: Eine Immuntherapie kann das Risiko schwerer allergischer Reaktionen bei Kindern senken

Allergien und Unverträglichkeiten, Gesundheitsnews, Medizin und Forschung

Medizin Doc Redaktion, aktualisiert am 4. Dezember 2020, Lesezeit: 3 Minuten

Was tun bei einer Erdnussallergie? Eine wissenschaftliche Studie von Forschern der Universität von British Columbia und des BC Children’s Hospital lässt sich bei Kindern mit einer Erdnussallergie das Risiko einer schweren allergischen Reaktionen mit einer einfachen Erdnuss-Immuntherapie deutlich senken.

Auch wenn das Risiko einer tödlichen Reaktion auf Erdnüsse bei Patienten mit einer Erdnussallergie gering ist, hat sie dennoch einen erheblichen negativen Einfluss auf die Lebensqualität.

Erdnuss-Immuntherapie bei Erdnussallergie

Behandlung einer Erdnussallergie: Die Forschungsarbeit, die kürzlich im Journal of Allergy and Clinical Immunology veröffentlicht wurde, ist die erste Studie, die zeigt, dass die Verabreichung einer kleinen, regelmäßigen Dosis eines Allergens (in diesem Fall Erdnüsse) an Kinder in einer Alltagsumgebung (außerhalb einer klinischen Studie) das Risiko allergischer beziehungsweise anaphylaktischer Reaktionen wirksam reduziert.

Behandlung und Therapieansatz

Bei der Behandlungsmethode für eine Erdnussallergie, die als orale Immuntherapie bezeichnet wird, wird die verabreichte Menge an Erdnüssen (oder Erdnussprodukten) schrittweise erhöht. Ein Ziel der Behandlung ist es, bei Kindern mit einer Erdnussallergie eine Desensibilisierung zu erreichen und das sie eine größere Portion Erdnüsse (Erdnussprotein) zu sich nehmen können, ohne dass eine gefährliche allergische beziehungsweise anaphylaktische Reaktion ausgelöst wird.

Ein weiteres Ziel besteht darin, das Kind im Falle einer versehentlichen Exposition mit Erdnüssen zu schützen und die Abhängigkeit von Epinephrin-Injektionen als Gegenmaßnahme zu reduzieren oder ganz zu vermeiden. Um das Immunitätsniveau aufrechtzuerhalten, muss das Kind weiterhin regelmäßig Erdnussprodukte essen.

Im Verlauf dieser Studie erhielten insgesamt 117 Kinder im Vorschulalter mit einer Erdnussallergie eine tägliche Dosis von 300 mg Erdnussprotein, was etwa einer Erdnuss oder einem viertel Teelöffel Erdnussbutter entspricht.

Wirkung der Erdnuss-Immuntherapie

Nach Ablauf eines Jahres stellten die Forscher der Universität von British Columbia und des BC Children’s Hospital fest, dass fast 80 Prozent der Vorschulkinder 15 Erdnüsse (entspricht 4000 mg Erdnussprotein) ohne eine allergische beziehungsweise anaphylaktische Reaktion während einer allergikerüberwachten oralen Einnahme essen konnten. Fast jedes Kind (mehr als 98 Prozent), das im Rahmen der Studie an der Erdnuss-Immuntherapie teilnahm, konnte drei bis vier Erdnüsse ohne eine allergische beziehungsweise anaphylaktische Reaktion essen, was ausreicht, um sich vor 99 Prozent der versehentlichen Expositionen mit Erdnüssen (Erdnussprotein) zu schützen.

Auch wenn einige Kinder in der Studie (21,4 Prozent) während der vom Allergologen überwachten oralen Aufnahme von Erdnussprotein eine allergische Reaktion zeigten, waren die Reaktionen schwach (14,5 Prozent) oder mäßig (sechs Prozent). Bei zwei Kindern wurde bei mässigen allergischen Reaktionen Medikamente verabreicht. Es traten keine schweren allergischen Reaktionen auf.

Die vorliegende Untersuchung folgt einer im Vorjahr von denselben Forschern durchgeführten Analyse, die als erste die Sicherheit einer oralen Erdnuss-Immuntherapie für eine große Gruppe von Kindern im Vorschulalter nachweisen konnte, wenn diese als Routinebehandlung in einem Krankenhaus oder einer Klinik und nicht im Rahmen einer klinischen Studie durchgeführt wurde.

Je früher sich Kinder einer oralen Erdnuss-Immuntherapie unterziehen, desto besser die Aussichten bei einer Erdnussallergie, so die Forscher. Wenn sie nicht behandelt werden, bleiben Erdnussallergien meist lebenslang bestehen und die allergischen Reaktionen können sich verschlimmern.

Zusammenfassung

Behandlung einer Erdnussallergie: Die orale Erdnuss-Immuntherapie für Vorschulkinder in einer Alltagsumgebung hat sich als sicher erwiesen; 0,4 Prozent der Patienten zeigten eine schwere Reaktion und 4,1 Prozent erhielten während des Behandlungsaufbaus Epinephrin.

Die orale Erdnuss-Immuntherapie ist bei Vorschulkindern wirksam und sollte den Forschern zufolge als Alternative Behandlung zu den derzeitigen Empfehlungen zur Vermeidung von Erdnüssen in Betracht gezogen werden.

(Quellen: Universität von British Columbia / Journal of Allergy and Clinical Immunology)

Der Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

Wie erkennt man dass man eine Katzenallergie hat? Die Symptome einer Katzenallergie werden zum Teil missverstanden. Die Mehrheit glaubt, dass Katzenallergien durch Allergene aus dem Fell oder aus Katzenschuppen (Hautschuppen) hervorgerufen werden, obwohl die meisten der starken Allergene in Wirklichkeit hauptsächlich aus dem Speichel und dem…
Ursachen und Symptome von Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) behandeln: Wissenschaftler der McMaster University in Hamilton, Kanada, haben herausgefunden, dass Tryptophan, eine Aminosäure, die zum Beispiel in Sojabohnen, Parmesankäse, Fisch und Fleisch vorkommt, zusammen mit bestimmten Probiotika bei der Heilung von Zöliakie helfen und die Verträglichkeit einer glutenfreien Diät…
Weizenallergie und Ernährung: Ein Gemeinschaftsprojekt der australischen Edith-Cowan-Universität (ECU) und der CSIRO (Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation) hat wichtige Erkenntnisse zu Proteinen erbracht, die zwei der häufigsten Formen der Weizenunverträglichkeit beziehungsweise Weizenintoleranz verursachen – die nicht-zöliakische Gluten-Überempfindlichkeit- / Weizenempfindlichkeit und Berufs-Asthma (auch Bäcker-Asthma genannt). Allergen-arme…
Gluten und Zöliakie: Berichte über die gesundheitsschädlichen Auswirkungen einer Gluten-Allergie (Zöliakie oder auch Glutenunverträglichkeit) haben viele Menschen veranlasst, Gluten (Weizen) vollständig aus ihrer Ernährung zu streichen. Ein großer Teil der Sorge um Gluten-Allergie und Gluten-Unverträglichkeit ist jedoch unbegründet und unnötig, da viele Aspekte dieser beiden Erkrankungen…
Glutenunverträglichkeit: Neue Behandlungs-Methode für Zöliakie-Patienten? Die Ergebnisse einer neuen klinischen Phase-2-Studie mit einer von Northwestern Medicine (Chicago) entwickelten Technologie zeigen, dass es möglich ist, bei Personen mit Zöliakie eine Immuntoleranz gegenüber Gluten zu entwickeln. Die Ergebnisse können den behandelten Zöliakie-Patienten den Weg ebnen, Gluten in Lebensmitteln…

Forschung: Wie sich das Darmmikrobiom und der Blutdruck verbessern lassen

Forschung: Wie sich das Darmmikrobiom und der Blutdruck natürlich verbessern lassen

Wie kann man sein Darmmikrobiom verbessern? In zwei Studien untersuchten Ernährungswissenschaftler die Auswirkungen von kleinen Veränderungen in der Ernährung...

Studie: Warum die Haut bei Allergien eine viel größere Rolle spielt

Studie: Welche Rolle die Haut bei Allergien spielt

Wie entstehen Allergien und was löst sie aus? Die Immunzellen in der Haut spielen bei der Entstehung von Allergien eine viel größere Rolle ......

Allergien bei Kindern: Was das Risiko einer Lebensmittelallergie verringern kann

Allergien bei Kindern: Was das Risiko einer Lebensmittelallergie verringern kann

Risiko von Allergien bei Kindern vorbeugen: Bei Kindern von Müttern, die während des Stillens verhältnismäßig viel Kuhmilch trinken, ist das...

Wie äußert sich eine Medikamentenallergie, worauf sollte man achten

Wie äußert sich eine Medikamentenallergie, worauf sollte man achten

Medikamentenallergie: Grundsätzlich kann jedes Medikament eine Allergie beziehungsweise allergische Reaktion auslösen. Auslöser ......

Forschung - Toxoplasma: Psychoserisiko durch Katzen

Toxoplasma-Infektion: Psychose-Risiko durch Katzen

Der Kontakt mit Toxoplasma, einer von Katzen übertragenen Krankheit, kann die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass junge Menschen, die bereits gefährdet sind, eine Psychose entwickeln....

Lungenkrebsforschung Der Naturstoff Berberin, der in Pflanzen wie Berberitze und Kurkuma vorkommt, unterdrückt im Laborversuch die Vermehrung von Lungenkrebszellen, so eine wissenschaftliche Studie der University of Technology, Sydney. Gleichzeitig verringert Berberin die Entzündung der Atemwege und die Schädigung gesunder Lungenzellen, die den Chemikalien des Zigarettenrauchs ausgesetzt sind.…
Zu den typischen allgemeinen Nebenwirkungen von Psychopharmaka zählen Magen- und Darmbeschwerden, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Blutdruckprobleme, Herzrhythmusstörungen, Libidoverlust (vermindertes sexuelles Verlangen) und Gewichtszunahme. Risiken von Psychopharmaka Laut Forschern des Copenhagen University Hospitalwerden Antidepressiva und andere Psychopharmaka zudem mit einem fast doppelt so hohen Risiko eines vorzeitigen Todes…