Studie: Zielgenauere Therapie zur Behandlung entzündlicher Darmerkrankungen

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Torsten Lorenz, Beitrag vom 18. Dezember 2021

Neuer Therapieansatz bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen: Biomediziner der Universität von Kalifornien, Riverside, haben eine Möglichkeit gefunden, Medikamente gegen chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) wie beispielsweise Morbus Crohn und Colitis ulcerosa wirksamer zu machen.

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen werden in der Regel mit einem von mehreren verfügbaren Medikamenten behandelt.

Diese Medikamente blockieren das Entzündungsmolekül Tumor-Nekrose-Faktor-Alpha (TNF-alpha), das sich an zwei Rezeptoren, TNFR1 und TNFR2, bindet. Diese Behandlungsmethode hilft auf lange Sicht betrachtet bislang jedoch nur etwa 50 Prozent der Patienten.

Der Entzündungs- und Gewebszerstörungsprozess bei chronischer Darmentzündung wird laut Dr. David D. Lo, Professor für Biomedizin an der Universität von Kalifornien und Leiter der Studie zu einem großen Teil von dem Entzündungsmolekül Tumor-Nekrose-Faktor-Alpha (TNF-alpha) angetrieben.

Aus diesem Grund wird das Entzündungsmolekül gezielt mit Medikamenten behandelt. Mit der vorliegenden Studie haben die Forscher nach einer gezielteren Therapie gesucht, die eine bessere Wirkung haben könnte als der bisherige Ansatz, der darin besteht, das gesamte TNF-alpha zu blockieren.

Menschen besitzen in jeder ihrer Zellen zwei verschiedene Rezeptoren, TNFR1 und TNFR2, die TNF-alpha binden. Die derzeit verfügbaren Medikamente, die auf TNF-alpha das Entzündungsmolekül abzielen, blockieren sowohl TNFR1 als auch TNFR2.

Die Experimente der Forscher wurden an Mäusen durchgeführt, die dieselben beiden Rezeptoren besitzen. Das Entzündungsmuster bei Mäusen ähnelt dem beim Menschen.

Das Entzündungsmolekül TNF-alpha, das von den Körperzellen produziert wird, induziert auch spezialisierte Immunzellen und andere Zellen, die die Entzündung sowohl fördern als auch unterdrücken.

Somit spielt TNF-alpha eine Rolle bei der Zerstörung und Heilung von Gewebe – ein zweischneidiges Schwert. Laut den Studienautoren gibt es Hinweise darauf, dass TNFR1 für den Großteil der zerstörerischen Auswirkungen von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) verantwortlich ist, während TNFR2 für die heilenden und wiederherstellenden Effekte verantwortlich ist.

Wenn man also beide Rezeptoren blockiert, blockiert man sowohl die zerstörerischen Wirkungen als auch die Heilung, so die Forscher. Um dies zu umgehen, haben sich die Wissenschaftler in dieser Studie für eine selektive Ausrichtung auf TNFR1 entschieden.

Die Wissenschaftler an der University of California, Riverside, wurden dabei durch zwei Indizien bestärkt, die darauf hindeuten, dass die Ausrichtung auf TNFR1 eine vorteilhaftere Strategie sein könnte.

Die Forscher verwendeten ein spezifisches TNFR1-Blockierungsreagenz des Biotechnologieunternehmens INmune Bio, einem. Wie sich zeigte, profitierten Mäuse, die mit diesem Reagenz behandelt wurden, von dieser Behandlung.

Die Forscher nahmen auch ein genetisches Targeting von TNFR1 vor, um dessen Signalwirkung zu verringern. Die Auswirkungen waren enorm:

Als das Forscherteam die TNFR1-Signalisierung reduzierte, zeigten die Mäuse einen signifikanten Vorteil im Vergleich zu Mäusen, die die volle TNFR1-Signalisierung hatten. Dieser Ansatz bietet TNFR2 möglicherweise mehr Ansatzpunkte, zur Heilung beizutragen.

Laut Dr. David D. Lo von der University of California, Riverside, erkranken Mäuse, die einen genetischen Mangel an TNFR2 aufweisen, viel schwerer, was darauf hindeutet, dass TNFR2 tatsächlich positive Auswirkungen auf die Heilung hat.

Ohne TNFR2 sind chronisch-entzündliche Darmerkrankungen deutlich schlimmer. Mehrere Krankheiten, wie rheumatoide Arthritis, Multiple Sklerose und Psoriasis, hängen mit der Wirkung des Entzündungsmoleküls TNF-alpha zusammen.

Die verschiedenen Gewebe im Körper reagieren unterschiedlich empfindlich auf die Wirkung von TNF-alpha. Die Rolle der Rezeptoren TNFR1 und TNFR2 variiert in den verschiedenen Geweben.

Das Entzündungsmolekül TNF-alpha ist eine sehr verbreitete Reaktionsweise des Körpers auf Entzündungsauslöser, wie zum Beispiel eine Infektion, so die Autoren der Studie.

Dieses Protein kann mehrere Prozesse im Körper steuern, um Entzündungen zu fördern. Die Entzündung entsteht, um eine Infektion zu beseitigen oder einen Tumor abzutöten.

Bei Autoimmunkrankheiten sind es jedoch dieselben Entzündungen und Gewebeschäden, die TNF-alpha hervorruft, die die Krankheit auslösen.

Mit anderen Worten, man braucht TNF-alpha zum richtigen Zeitpunkt, um eine bestimmte Infektion zu bekämpfen. Doch sobald diese Aufgabe abgeschlossen ist, sollte dieses Protein nicht mehr vorhanden sein. Viele Krankheiten sind mit dem Verbleiben von TNF-alpha im Gewebe verbunden.

Quellen: University of California, Riverside / Rajrupa Chakraborty et al, Selective targeting of Tumor Necrosis Factor Receptor 1 induces stable protection from Crohn’s-like ileitis in TNF ΔARE mice, Journal of Crohn’s and Colitis (2021). DOI: 10.1093/ecco-jcc/jjab222

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