Medizin Doc Redaktion, aktualisiert am 2. März 2024, Lesezeit: 6 Minuten

Tanzen ist nicht nur eine unterhaltsame Aktivität, sondern hat auch zahlreiche positive Auswirkungen auf unsere Gesundheit. Insbesondere für das Gehirn können Tanzprogramme eine Vielzahl von Vorteilen bieten. Studien haben gezeigt, dass Tanzen bei älteren Menschen sogar dazu beitragen kann, Demenz im frühen Stadium zu bekämpfen.

Tanzen als Stimmungsregulator

Tanzen ermöglicht es uns, unsere Gefühle auszudrücken, sei es alleine zu Hause oder in einer Tanzgruppe. Eine interessante Studie hat gezeigt, dass das Imitieren der Bewegungen einer tanzenden Person, die entweder traurige oder fröhliche Stimmung ausdrückt, auch unsere eigene Stimmung beeinflusst. Die Ergebnisse dieser Studie deuten darauf hin, dass Tanzen eine effektive Methode zur Stimmungsregulation sein kann. Es ist faszinierend zu sehen, wie Tanzbewegungen eine direkte Auswirkung auf unsere Emotionen haben können.

Tanzen für das Herz und die Fitness

Neben den emotionalen Vorteilen hat Tanzen auch positive Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit. Eine Studie aus Italien hat gezeigt, dass Walzertanzen bei chronischer Herzschwäche genauso vorteilhaft sein kann wie ein spezielles Aerobic-Programm. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Walzertrainings waren nicht nur körperlich fitter, sondern auch emotional besser gestimmt und motivierter, das Programm fortzusetzen. Dies legt nahe, dass Tanzen eine großartige Ergänzung zu Herzsportprogrammen sein kann oder sogar eine Alternative für diejenigen darstellt, die mehr Spaß am Tanzen als an herkömmlicher Gymnastik haben.

Tanzen und das Gehirn

Für Anita Hökelmann, Professorin für Sportwissenschaft an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, ist Tanzen eine Art Allheilmittel. Sie betont, dass Tanzen nicht nur Sport ist, sondern sogar Hochleistungssport, insbesondere im Profibereich. Tanzen hat positive Auswirkungen auf das Herzkreislauf– und Atemsystem sowie auf den Gleichgewichtssinn. Besonders interessant sind die positiven Auswirkungen des Tanzens auf das Gehirn, insbesondere bei älteren Menschen.

An der Universität Magdeburg wurde ein Tanzprogramm für Senioren entwickelt, das aus zwei 90-minütigen Einheiten pro Woche besteht. Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die regelmäßig an diesem Programm teilnahmen, zeigten eine Verbesserung ihrer Konzentrationsfähigkeit, Auffassungsgabe und Reaktionsschnelligkeit. Selbst bei Menschen mit Demenz der Stufe eins oder zwei konnten positive Effekte des Tanzens auf die kognitiven Fähigkeiten festgestellt werden.

Vergleich mit anderen Sportarten

In einer Studie wurden die Effekte eines Tanzprogramms mit den Effekten klassischer Fitness- und Kraftübungen verglichen. Nach sechs Monaten zeigte sich in der Tanzgruppe eine Verbesserung der Aufmerksamkeit, Wachsamkeit, des Gleichgewichtssinns und der Flexibilität. In der Fitnessgruppe verbesserte sich lediglich die Wachsamkeit. Nach einem weiteren Jahr zeigten die Tänzerinnen und Tänzer auch eine Verbesserung ihrer verbalen Fähigkeiten. Mithilfe von Gehirnaufnahmen konnte nachgewiesen werden, dass sich das Volumen der weißen Masse im Gehirn der Teilnehmenden der Tanzgruppe vergrößert hatte. Dies ist besonders interessant, da die weiße Masse aus den Nervenbahnen besteht und für das Wachstum und den Erhalt der Nerven und Nervenbahnen verantwortlich ist.

Tanzen und die Kommunikation im Gehirn

Tanzen fördert eine bessere Kommunikation zwischen den verschiedenen Hirnarealen. Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Tanzprogramms zeigten eine erhöhte Konnektivität zwischen dem motorischen, sensorischen und kognitiven Bereich des Gehirns. Diese verbesserte Kommunikation kann dazu beitragen, dass das Gehirn effizienter arbeitet und kognitive Prozesse wie das Lernen, Erinnern und Problemlösen unterstützt.

Tanzen als Prävention von Demenz

Eine besonders spannende Erkenntnis ist, dass Tanzen als Präventionsmaßnahme gegen Demenz eingesetzt werden kann. Eine Studie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg hat gezeigt, dass ein Tanzprogramm bei älteren Menschen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen positive Auswirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten hatte. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigten eine Verbesserung des Arbeitsgedächtnisses, der Aufmerksamkeit und des räumlichen Denkens. Dies deutet darauf hin, dass Tanzen eine vielversprechende Möglichkeit sein könnte, das Risiko von Demenz zu verringern oder den Krankheitsverlauf zu verlangsamen.

FAQ

Wie oft sollte man tanzen, um von den gesundheitlichen Vorteilen zu profitieren?

Idealerweise sollte man mindestens zwei- bis dreimal pro Woche tanzen, um von den gesundheitlichen Vorteilen zu profitieren. Regelmäßiges Tanzen ermöglicht es dem Körper und dem Gehirn, sich an die Bewegungen zu gewöhnen und die positiven Effekte zu verstärken.

Kann Tanzen auch jüngeren Menschen helfen?

Ja, Tanzen kann auch bei jüngeren Menschen positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Es fördert die körperliche Fitness, verbessert die Koordination und stärkt das Selbstbewusstsein. Darüber hinaus kann Tanzen auch Stress reduzieren und die Stimmung verbessern.

Gibt es bestimmte Tanzstile, die besonders empfehlenswert sind?

Es gibt keine spezifischen Tanzstile, die besser sind als andere. Jeder Tanzstil hat seine eigenen Vorteile und es kommt darauf an, welcher Stil am besten zu den individuellen Vorlieben und körperlichen Fähigkeiten passt. Ob Salsa, Tango, Walzer oder Hip-Hop – das wichtigste ist, Spaß an der Bewegung zu haben.

Kann Tanzen auch bei neurologischen Erkrankungen wie Parkinson helfen?

Ja, Tanzen kann auch bei neurologischen Erkrankungen wie Parkinson positive Auswirkungen haben. Durch die rhythmischen Bewegungen und die Koordination beim Tanzen können motorische Fähigkeiten verbessert und die Symptome von Parkinson gelindert werden. Es ist jedoch wichtig, vor Beginn eines Tanzprogramms mit einem Arzt oder Therapeuten zu sprechen.

Gibt es spezielle Tanzprogramme für Menschen mit Demenz?

Ja, es gibt spezielle Tanzprogramme, die für Menschen mit Demenz entwickelt wurden. Diese Programme konzentrieren sich auf einfache und wiederholende Bewegungen, um die motorischen Fähigkeiten zu erhalten und das Wohlbefinden zu verbessern. Tanz kann auch eine Möglichkeit sein, Erinnerungen zu wecken und die soziale Interaktion zu fördern.

Fazit

Tanzen ist nicht nur eine unterhaltsame Aktivität, sondern hat auch zahlreiche positive Auswirkungen auf die Gesundheit des Gehirns. Es kann helfen, Demenz im frühen Stadium zu bekämpfen, die Stimmung zu verbessern, das Herz-Kreislauf-System zu stärken und die kognitive Funktion zu unterstützen. Egal ob jung oder alt, Tanzen bietet für jeden etwas und kann eine wunderbare Möglichkeit sein, sowohl körperlich als auch geistig fit zu bleiben.

Quellen und weiterführende Informationen

1.     Mood induction through imitation of full-body movements with different affective intentions. Eva-Madeleine Schmidt, Rebecca A. Smith, Andrés Fernández, Birte Emmermann, Julia F. Christensen. BJOP September 2023. https://doi.org/10.1111/bjop.12681

2. Dance for Health, IAlzheimerMS 2023.

ddp


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Wichtiger Hinweis: Der Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

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