Studie: Einfaches Nasenspray reduziert Schnarchen und Atembeschwerden bei Kindern

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Torsten Lorenz, aktualisiert am 18. Januar 2023, Lesezeit: 5 Minuten

Laut einer wissenschaftlichen Studie werden Schnarchen (Rhonchopathie) und Atembeschwerden bei Kindern durch ein einfaches Nasenspray deutlich reduziert und die Zahl der Fälle, in denen die Mandeln entfernt werden müssen, halbiert.

Die vom Murdoch Children’s Research Institute durchgeführte Studie ergab, dass ein Nasenspray mit Kochsalzlösung (Salzwasser) ebenso wirksam ist wie ein entzündungshemmendes Steroid-Nasenspray, wenn es darum geht, Schlafstörungen bei Kindern während einer sechswöchigen Behandlung zu lindern.

Die Studie ergab, dass beide Nasensprays in etwa 40 Prozent der Fälle die Symptome im Schlaf linderten und dass die Zahl der Kinder, denen nach Einschätzung eines Chirurgen die Mandeln und/oder Polypen entfernt werden mussten, um die Hälfte reduziert wurde.

  • Die randomisierte, kontrollierte „MIST“-Studie umfasste 276 Kinder im Alter von 3-12 Jahren und wurde am Royal Children’s Hospital und am Monash Children’s Hospital durchgeführt.

Die Entfernung der Mandeln (Tonsillektomie) ist mit über 40.000 operativen Eingriffen pro Jahr die häufigste pädiatrische Operation bei Kindern in Australien. Der Eingriff, der häufig zur Behandlung des Schnarchens von Kindern eingesetzt wird, ist kostspielig, schmerzhaft und eine erhebliche Belastung für die Ressourcen der Krankenhäuser.

Nach Aussage von Dr. Alice Baker von Murdoch Children’s warteten Kinder aus dem Bundesstaat Victoria in der Regel mehr als ein Jahr auf eine Operation zur Entfernung von Mandeln und Polypen, so dass nach einer alternativen Behandlung für schlafbezogene Atmungsstörungen gesucht werden musste. Bei einigen Kindern würden die Mandeln und Rachenmandeln auch unnötigerweise entfernt, sagte sie.

Die Wirkung von Nasensprays besteht laut Dr. Baker darin, dass sie die Nase reinigen und/oder die Entzündung nicht nur in der Nase, sondern auch im hinteren Teil des Rachens bis hin zu den Mandeln und dem Mandelgewebe verringern und so die Symptome lindern.

Etwa zwölf Prozent der Kinder leiden unter Schnarchen und Atembeschwerden während des Schlafs, was langfristig zu erheblichen Problemen führen kann, die sich auf die kognitiven Funktionen, das Verhalten und die kardiovaskuläre Gesundheit auswirken.

  • Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeit wurden in der medizinischen Fachzeitschrift JAMA Pediatrics veröffentlicht.

Schnarchen bei Kindern kann ihre Gesundheit beeinträchtigen

Viele Kinder schnarchen von Zeit zu Zeit, was meist harmlos ist. Bei Kindern die häufig schnarchen und Atemprobleme im Schlaf haben, besteht jedoch ein erhöhtes Risiko für Konzentrations- und Lernschwierigkeiten.

  • Eine Studie vor Forschenden der Sahlgrenska-Akademie an der Universität von Göteborg zeigt, dass sich viele Eltern schnarchender Kinder der möglichen Risiken, die mit häufigem Schnarchen bei Kindern verbunden sind, nicht bewusst sind.

Gelegentliches Schnarchen bei Kindern ist nicht ungewöhnlich. Wenn allerdings das Schnarchen zu einer anhaltenden Erscheinung wird und das Kind unter Schlafapnoe leidet, wird die Schlafqualität beeinträchtigt.

Das kann wiederum zu Problemen wie Tagesmüdigkeit, Konzentrations- und Lernschwierigkeiten, Bettnässen und Wachstumsverzögerungen führen.

Schnarchen und Schlafapnoe bei Kindern

Aus einer schwedischen Bevölkerungsstudie, die das Auftreten von Schnarchen und Schlafapnoe bei 1300 Kindern im Alter von 0-11 Jahren untersuchte, ging hervor, dass etwa 5 Prozent der untersuchten Kinder mehrmals pro Woche schnarchten.

  • Trotz des ausgeprägten Schnarchens hatte nur etwa ein Drittel der schnarchenden Kinder ärztliche Hilfe für ihr Problem in Anspruch genommen.

Studie zeigt klaren Zusammenhang mit schlechteren Lernergebnissen bei schnarchenden Kindern

Eine umfassende, von der Universität Otago geleitete Studie mit Daten aus 12 Ländern hat ergeben, dass Kinder mit schlafbezogener Atmungsstörung (SDB), einschließlich Schnarchen, eindeutig mit schlechteren schulischen Leistungen verbunden sind.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten die Stärke des Zusammenhangs zwischen schlafbezogener Atmungsstörung und den Leistungen in den zentralen Lernbereichen Lesen, Schreiben und Rechnen sowie in den naturwissenschaftlichen Fächern und Noten.

Die Forscher fanden heraus, dass schlafbezogene Atmungsstörungen und Schnarchen bei Kindern in signifikantem Maße mit schlechteren Fortschritten in diesen Bereichen, nicht aber mit den allgemeinen Schulleistungen insgesamt verbunden waren.

Bei der Bewertung der schulischen Kernkompetenzen gaben nur wenige Studien an, dass die Leistungen der Probanden außerhalb des Durchschnittsbereichs lagen. Gleichwohl haben die Studienergebnisse Auswirkungen auf Kinder, die ihr akademisches Potenzial nicht voll ausschöpfen, so die Studienautoren.

Angesichts der Ergebnisse der Studie empfehlen die Wissenschaftler, ein Screening zur Feststellung von schlafbezogenen Atmungsstörungen in die pädiatrische und multidisziplinäre Beurteilung von Lernschwierigkeiten bei Kindern einzubeziehen, mit entsprechender medizinischer Nachsorge.

  • Die Forschungsarbeit wurde in der Fachpublikation Pediatrics veröffentlicht

Quellen

  • University of Otago
  • Alice Baker et al, Effectiveness of Intranasal Mometasone Furoate vs Saline for Sleep-Disordered Breathing in Children, JAMA Pediatrics (2023). DOI: 10.1001/jamapediatrics.2022.5258
  • G Gudnadottir et al. Healthcare provider contact for children with symptoms of sleep-disordered breathing: a population survey, The Journal of Laryngology & Otology (2015). DOI: 10.1017/S0022215115003370

vgt

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