Sind von Klatsch und Tratsch Besessene weniger intelligent?

Gesundheitsnews, Medizin und Forschung, Psychische Gesundheit

M.A. Dirk de Pol, aktualisiert am 9. Januar 2022, Lesezeit: 3 Minuten

Die Boulevardpresse ist eine der florierendsten Branchen: „Wer hat wen geheiratet?“, „Wer hat sich getrennt und warum?“ Doch Klatsch und Tratsch werden allerdings oftmals als negative Angewohnheit betrachtet, aber er scheint bis zu einem gewissen Grad in der menschlichen Natur verankert zu sein und kann in manchen Fällen sogar zum Aufbau von Beziehungen beitragen.

„Klatsch und Tratsch im weitesten Sinne spielt eine Reihe verschiedener Rollen bei der Aufrechterhaltung sozialer Gruppen im Laufe der Zeit“, erklärt R.I.M. Dunbar, ein britischer Anthropologe und Evolutionspsychologe.

Doch so alltäglich Klatsch auch sein mag, eine aktuelle internationale Studie hat kontroverse, aber amüsante Ergebnisse zum Thema Klatsch zutage gefördert. Umstritten deshalb, weil die Studie Menschen, die sich dem Klatsch über Prominente hingeben, praktisch als weniger intelligent einstuft. Amüsant, weil auch die Ergebnisse der Studie selbst zum Gegenstand von Klatsch und Tratsch geworden sind.

Die an 1.763 Erwachsenen durchgeführte Studie wurde in der Fachzeitschrift BMC Psychology unter dem Titel Celebrity worship and cognitive skills revisited: applying Cattell’s two-factor theory of intelligence in a cross-sectional study veröffentlicht.  Die so genannte fluide Intelligenz wurde anhand eines 30-Wörter-Wortschatztests und eines Tests zur Ersetzung von Ziffern und Symbolen bewertet. Die fluide Intelligenz bezieht sich auf grundlegende Denkprozesse und ist weitgehend unabhängig von Erfahrungen, d.h. es wird angenommen, dass sie genetisch bedingt ist.

Das Interesse am Thema Prominentenverehrung erstreckt sich über fast zwei Jahrzehnte, erklären die Autoren der Studie. In mehreren Studien über diesen Zeitraum zeigte sich eine schwache bis moderate Tendenz, dass diejenigen, die die größte Bewunderung für ihren Lieblingsprominenten zeigten, bei einer Reihe von kognitiven Messungen geringere kognitive Fähigkeiten aufwiesen.

Die Forscher fanden eine schwache Tendenz, dass diejenigen, die die größte Bewunderung für ihren Lieblingsprominenten zeigten, geringere kognitive Fähigkeiten aufwiesen. Das deutet darauf hin, dass die früheren Ergebnisse nicht nur zufällig waren. Die Ergebnisse der Studie unterstützen also auch frühere Befunde, die zeigen, dass exzessive Verhaltensweisen wie die Verehrung von Prominenten die kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigen können, vermutlich aufgrund der erhöhten Konzentration und Energie, die in diese Verhaltensweisen investiert wird, die im Leben des Einzelnen dominant werden.

Interessant in diesem Zusammenhang: Studien zur Weisheit und Bildung haben erst kürzlich auf den positiven Einfluss von gut entwickelten kognitiven Fähigkeiten auf die Langlebigkeit hingewiesen. 

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

Zwei Menschen im Gespräch am Welttag der psychischen Gesundheit 2026 Zuhören und Erfahrungen Betroffener im Fokus

Welttag der psychischen Gesundheit 2026: Betroffene im Fokus

Entdecken Sie den Welttag der psychischen Gesundheit 2026 und die Bedeutung betroffener Stimmen für Veränderungen in der Versorgung....

Blutprobe und Laborröhrchen zur Untersuchung von Entzündungsproteinen als Biomarker bei Zöliakie

Zöliakie: Blutproteine könnten Aufschluss über Darmschäden geben

Neuartige Ansätze zur Diagnose von Zöliakie: Blutproteine könnten wichtige Informationen über Ihren Darm geben....

Optogenetik Nobelpreis für Medizin 2026 für Deisseroth, Hegemann und Nagel, Lichtsteuerung von Nervenzellen im Gehirn

Nobelpreis für Medizin 2026: Gewinner und Bedeutung der Optogenetik

Karl Deisseroth, Peter Hegemann und Georg Nagel erhielten den Nobelpreis für Medizin 2026 für ihre Arbeit zur Optogenetik....

Chronische Beckenschmerzen: Mögliche Hinweise schon im Jugendalter

Chronische Beckenschmerzen: Mögliche Hinweise schon im Jugendalter

Chronische Beckenschmerzen betreffen viele. Erfahren Sie, wie frühe Anzeichen in der Jugend erkannt werden können....

Junge Erwachsene beim Salsa-Gruppenkurs Studie zu depressiven Symptomen

Salsa und depressive Symptome: Studie bei jungen Erwachsenen

Die Studie der Universität Oxford zeigt, wie Salsa bei jungen Erwachsenen depressive Symptome effektiv reduzieren kann....