Interview-Reihe „Yoga, Meditation und Achtsamkeit“ (Teil 2)

Meditation, Yoga

Medizin Doc Redaktion, aktualisiert am 15. Dezember 2020, Lesezeit: 11 Minuten

Ein Gespräch mit Yogalehrerin und Mindfulness Coach Miko Ramelow:

Kann jeder meditieren lernen?

Ja. Absolut jeder. Man muss es nur wollen (wie alles im Leben).

Egal in welchem Zustand du dich körperlich, geistig, emotional, seelisch befindest, wenn du es willst, kannst du Meditation erlernen und nutzen.

Wie beginne ich zu meditieren?

Es gibt viele verschiedene Formen der Meditation die man im liegen, sitzen, stehen, gehen oder durch Bewegung ausüben kann.

Wenn man sich während des Tages wenig bewegt, sollte man sich vorm meditieren körperlich betätigen. Wenn der Körper ausgepowert ist, kann der Geist sich leichter entspannen. Vor allem wenn du Schwierigkeiten hast still zu sitzen, solltest du ausprobieren, wie körperliche Anstrengung vor deiner Meditation auf dich wirkt.

Diese Art von Meditation wurde zum Beispiel von Osho favorisiert. Falls das aber noch nicht genug ist, kannst du dich für eine “Geh-Meditation” entscheiden, die oft von Buddhistischen Mönchen praktiziert wird.

Das ist eine Mischung aus Achtsamkeit und Meditation, bei der du dich auf deine Sinne konzentrierst. Es gibt Meditationen mit geöffneten Augen, geschlossenen Augen, mit Tönen oder geleitete Meditationen. Es gibt bewegte oder stille Formen – kurz gesagt: Für jeden ist etwas dabei.

Es lohnt sich aber sehr, einfach zu tun, was einem die innere Intuition sagt oder, wenn man die Gelegenheit dazu hat, sich von einem spirituellen Meditaionslehrer beraten zu lassen, der/die das schon Jahrzehnte lang praktiziert.

Einer Studie der Bowling Green State University in Ohio (USA) zufolge, wirkt spirituelle Meditation beispielsweise deutlich intensiver als „säkulare“ Meditation. Menschen, die spirituell meditieren sind den Forschern zufolge wesentlich erholter und auch schmerzresistenter als jene, die „säkulare“ Meditation praktizieren.

Für den Anfang gilt es zunächst zu wissen, wo sich deine Meditationsreise gerade befindet. Wenn du ganz am Anfang stehst, ist eine der bekanntesten Methoden sich auf die Atmung zu konzentrieren. Dadurch hat man einen Punkt, an den man immer wieder zurück kehren kann.

Deine Intuition wird immer ausgeprägter, je mehr du meditierst und wird dich immer besser leiten können. Auch wenn du der Meinung bist dass du keinerlei Intuition besitzt. Du wirst überrascht sein, was du schon alles in dir trägst.

Was bewirkt meditieren und wie gesund ist meditieren?

Das kommt ganz auf die Person an, die Meditation praktiziert. Das Gute ist: Meditation hat keinerlei Nebenwirkungen, das heißt am besten setzt man sich hin und

Meditation kann körperliche, geistige und seelische Blockaden lösen
Meditation kann körperliche, geistige und seelische Blockaden lösen

probiert es einfach mal aus.

Hier gilt: probieren geht über studieren. Als kurze Einleitung nur so viel:

Meditation kann körperliche, geistige und seelische Blockaden lösen und dazu führen, dass man sich frei, erholt und ruhiger fühlt. Meditieren kann dabei helfen, mental stärker zu werden, zu mehr Energie verhelfen und sich intensiver mit den Elementen der Natur verbinden.

Meditation kann emotionale und physische Schmerzen verringern, manchmal sogar komplett auflösen und kann sogar Menschen dabei helfen, aus scheinbar aussichtslosen Situationen wieder herauszukommen.

Die Kraft der Arbeit an sich selbst sollte nicht unterschätzt werden. Wir geben gerne die Verantwortung ab und verfallen in eine Art Opferrolle und geben anderen die Schuld für unser Schicksal beziehungsweise für unsere momentane Situation. Es ist einfacher jede Verantwortung von sich zu weisen und die Schuld anderen zu geben, um sich nicht mit den eigenen Schwächen auseinander setzten zu müssen.

Wenn wir aber anfangen uns die Verantwortung zurück zu holen, uns mit uns selbst zu beschäftigen und tief in uns hinein horchen – vor allem in unsere dunklen Ecken – dann können wir sprichwörtlich Berge versetzen. Meditation wirkt also nicht nur auf dich selbst, sondern auf dein gesamtes Umfeld.

Ich schrieb vorhin, dass Meditation heilen kann, dazu würde ich gerne eine kurze Geschichte erzählen. Als ich in Indien, in einem ayurvedischen Retreat arbeitete, lernte ich eine Frau kennen. Sie erholte sich gerade von einer schweren Krankheit die ihr Magen-Darm System komplett lahmgelegt hatte. Sie konnte mehrere Monate nur noch künstlich ernährt werden und auch nicht mehr selbst bewegen.

Nach einer Weile sagte sie sich, dass es so nicht weiter gehen kann und beschloss nach Indien zu reisen, wo sie sich Heilung erhoffte. Sie hatte sich also ein Ziel gesetzt und auch eine genau Vorstellung davon, wie sie einen Strand in Indien entlang lief und sich gesund und glücklich fühlte. Sie stellte sich diese Dinge nicht als Wunsch vor, sondern als wäre es schon geschehen.

Monate verstrichen, in denen sie täglich mehrere Stunden meditierte. Da sie nicht sitzen konnte, fing sie im Liegen an und verspürte von Woche zu Woche nur minimale Verbesserungen. Trotzdem blieb sie dran und hörte nicht auf. I

rgendwann konnte sie sich im Bett aufrecht hinsetzten, dann langsam wieder essen, nach einer Weile gelang es ihr aufzustehen, kurze Wege zu gehen. Und schließlich fand sie den Glauben und die Kraft wieder zurück, um wieder arbeiten gehen zu können.

Sie schaffte es, die genau Summe zur Seite zu legen, die sie brauchte um nach Indien zu fliegen. Diese Frau, strahlte aus ihren Augen als ich sie sah. Sie brachte jeden zum lachen und freute sich des Lebens.

Vor kurzen wurde sie Schwanger und brachte eine wunderschöne kleine Seele zur Welt, die das gleiche strahlen wie ihre Mutter in ihren Augen trägt. Die Ärzte sagten ihr, sie würde ihre Krankheit nicht überleben und auch wenn sie es schaffen würde, sollte sie ihren Traum, Mutter zu werden, vergessen.

Ich weiß, wenn es um solche Geschichten geht, glaubt man sie oft erst, wenn man sie selbst von einer vertrauensvollen Person gehört oder selbst erlebt hat. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Fakten oft ein stärkeres Gewicht haben als Gefühle oder in der Dingen erst Glauben geschenkt wird, wenn sie vor den eigenen Augen geschehen.

Ich kenne das nur zu gut. Darum hat alles im Leben seine Zeit. Aber wenn dieser Zeitpunkt für dich gerade der richtig sein sollte, dann gib diesem Gefühl in deinem Herzen nach. Probiere es aus. Glaub an die Kraft die in dir liegt und schau was Meditation für dich bewirkt. Geh auf diese Entdeckungsreise, ohne Erwartungen und lass dich Überraschen.

Was versteht man unter Achtsamkeit und was bringt mir Achtsamkeit?

Durch Achtsamkeit lernt man, das hier und jetzt besser auszuschöpfen. Es hilft dabei, sich nicht mehr allzu sehr in der Vergangenheit oder der Zukunft zu verlieren. Eigentlich hat man auch nur jetzt gerade, in diesem Moment die Möglichkeit wirklich etwas zu verändern.

Die Vergangenheit steht geschrieben, wie man jedoch mit ihr umgeht, können wir jeder Zeit selbst entscheiden. Einige Dinge sind hierbei leichter oder schwieriger zu verarbeiten, trotz allem haben wir durchweg die Wahl wie wir uns von verflossenen Momenten beeinflussen lassen.

Diese “Wahl” haben wir jetzt. Nicht gestern, nicht morgen, sondern jetzt. Das gleiche gilt für die Zukunft. Es bringt nichts, sich über die Zukunft den Kopf zu zerbrechen. Das hindert uns daran in der Gegenwart zu leben und unser Bestes zu geben.

Durch Achtsamkeit entdeckt man auch sehr viel über sich selbst, die Menschen um einen herum, die Natur und das Leben. Sie lehrt uns alles wieder mit den Augen eines Kindes wahr zu nehmen. Als hätten wir es noch nie zuvor gesehen.

  • Der Trick dabei ist erwartungslos und ohne zu urteilen, mit all seinen Sinnen den Moment zu beobachten. Man fängt an, mehr auf alltägliche Dinge zu achten. Zum Beispiel beim Hände waschen oder beim Kaffee aufbrühen.

Später werden es dann immer mehr Momente sein, bei denen man sich ins Hier und Jetzt mit all seinen Sinnen und Gedanken zurückholt. Je mehr man das in Kombination mit Meditation praktiziert, desto besser kann man sich dann in herausfordernden Situation verhalten. Man lässt sich weniger von der Außenwelt stressen und reagiert weniger impulsiv, gestresst oder aggressiv.

Wie bist du persönlich dazu gekommen?

Mein persönlicher weg fing nicht mit Meditation an. Ich habe mich lange gesträubt, mich darauf einzulassen, weil ich das Gefühl hatte, dass mir das nichts bringen würde oder dass ich es einfach nicht hinbekomme zu meditieren.

Auch meine Sicht zu diesem Thema war von Erwartungen belastet. Grundsätzlich war ich schon immer ein sehr logisch denkender Mensch und hatte Schwierigkeiten Dinge zu verstehen, die keine Greifbaren Fakten mit sich brachten.

Durch Zufall kam ich also dazu, den Yogischen Lebensweg zu beschreiten. Es fing alles sehr “harmlos” an. Ich besuchte meinen Bruder in Indien. Von meiner Mutter hatte ich den Auftrag bekommen, mit meinem Bruder drei Wochen Yoga auszutesten, da sie der Meinung war, dass es ihm gesundheitlich sehr gut tun würde. Also machten wir das.

Während unserem Aufenthalt in einem wunderschönen Yoga Retreat in Goa, probierten wir verschiedene Yoga-Richtungen aus, wurden durch mehrere Atem- und Reinigungstechniken geführt und saßen circa eine Stunde täglich in Meditation. Nach drei Wochen hatte mein Bruder mehr als genug und ich war diejenige, die gar nicht mehr aufhören wollte.

Als ich dann auf mich alleine gestellt war, fielen die Atemübungen und Meditation jedoch immer mehr in Vergessenheit. Es ging mir erst mal nur um die Yoga Asanas (Positionen), die mir von Anfang an ein gutes Gefühl gaben.

Ich verließ meine Yogamatte mit mehr Energie, Leichtigkeit, Glück und innerer Zufriedenheit und nach einiger Zeit verflogen sogar die Symptome einer Depression, die ich seit einer Weile schon mit mir herum trug.

Je mehr ich auf meine Yogamatte stieg, desto tiefer stieg ich in die Materie ein. Ich befasste mich mit dem “Yogischen Lebensweg von Patanjali” und fing an auch Atemübungen in meine Yogapraxis aufzunehmen.

Als ich dann auch Meditation mit einbinden wollte, scheiterte ich mehrere Male, da mir der Zeitaufwand von 30 bis 60 Minuten zu lang vor kam und ich beim besten Willen nicht die Art der Mediation fand, die am besten zu mir passte. Ich fing also auch an, meine Zeitspanne stark zu kürzen und hörte am Anfang gerne dem meditativen “AUM” von Mönchen zu.

Irgendwann stieß ich dann auf andere Mantren und integrierte sie in meine Meditationen. So kam ich dann auch auf das Opportyounity Progamm. Ich merkte, dass ich als rational denkender Mensch erst mal mit dem Anfing, was ich als “greifbar” empfand. Ich merkte aber auch, dass ich mich auf dieser Reise nicht zu sehr unter Druck setzen durfte, da ich sonst schnell Verzweiflung verspürte.

Langsam aber sicher, öffneten sich dann immer mehr Türen und Wege, die ich erkunden durfte. Eine wahre Bewusstseinserweiternde Erfahrung eben. Es ist also eine sehr lange und wunderschöne Reise, solange man sich seiner Intuition hingibt und das ausübt, was man gerade braucht und sich nicht von Erwartungen leiten lässt.

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Der Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

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