Behandlung von Anophthalmie und Mikrophthalmie 

Krankheiten und Krankheitsbilder, Medizinische Verfahren und Medizintechnik

Medizin Doc Redaktion, aktualisiert am 26.07.2023, Lesezeit: 6 Minuten

Anophthalmie beschreibt das komplette Fehlen eines oder beider Augen und Mikrophthalmie bezeichnet das Vorhandensein eines Auges, das in der Augenhöhle zu klein ist.

Woran erkennt man, ob ein ungeborenes Baby eine Anophthalmie oder Mikrophthalmie hat? Ärzte können diese Erkrankungen während der Schwangerschaft oder nach der Geburt des Babys diagnostizieren.

Während der Schwangerschaft kann der Arzt mit diesen Tests Anophthalmus und Mikrophthalmus feststellen:

Nach der Geburt des Babys kann der Arzt durch eine Untersuchung eine Anophthalmie oder Mikrophthalmie feststellen.

Behandlung bzw. Schutzmaßnahmen

Wie werden Anophthalmie und Mikrophthalmie behandelt?

Es gibt keine Behandlung, die ein neues Auge schafft oder die Sehkraft wiederherstellt. Aber eine frühzeitige Behandlung kann Menschen mit Anophthalmus und Mikrophthalmus helfen.

Vorrichtungen: Säuglinge und Kinder mit Anophthalmus oder Mikrophthalmus benötigen möglicherweise spezielle Hilfsmittel, sogenannte Konformatoren, die das Wachstum und die Entwicklung ihrer Augenhöhle unterstützen. Sie können auch eine Augenprothese tragen, um ihr Aussehen zu verändern und das Wachstum der Augenhöhle zu unterstützen. 

Schutzbrillen: Babys, die nur auf einem Auge sehen können, müssen eine verschreibungspflichtige Brille oder Schutzbrille tragen, um dieses Auge vor Verletzungen zu schützen.

Pflaster: Kinder mit Mikrophthalmus haben möglicherweise noch ein gewisses Sehvermögen auf ihrem kleineren Auge. Das Tragen eines Pflasters auf dem anderen Auge kann helfen, die Sehkraft des kleineren Auges zu stärken, indem das Gehirn gezwungen wird, dieses Auge zum Sehen zu nutzen.

Operation: Bei Kindern mit Anophthalmus oder Mikrophthalmus kann ein chirurgischer Eingriff erforderlich sein, um die Augenhöhle zu vergrößern, die Augenhöhle zu füllen oder den Sitz von Geräten zu verbessern. Chirurgische Eingriffe können auch zur Behandlung anderer Augenprobleme, wie zum Beispiel des Grauen Stars, erforderlich sein.

Mikrophthalmus betrifft das Auge und tritt auf, wenn beide Augen oder ein Auge abnormal klein oder unterentwickelt sind. Es handelt sich in den meisten Fällen um eine erbliche Erkrankung, die beispielsweise im Zusammenhang mit verschiedenen Fehlbildungssyndromen auftritt. Die Behandlungsmöglichkeiten beschränken sich auf die Anpassung von Prothesen und damit auf kosmetische Korrekturen.

Die Behandlung der Mikrophthalmie zielt darauf ab, das vorhandene Sehvermögen und das Aussehen zu optimieren. Die Behandlung kann in Form von Anpassungsprothesen oder durch eine Umformung der Augenhöhle mit Volumenersatz (Implantate, Expander, Transplantation von subkutanem Fettgewebe) und Weichteilrekonstruktion erfolgen.

Behandlung bei Anophthalmie: Die Behandlung eines Kleinkindes mit einem angeborenen Anophthalmus (Anophthalmie) stellt eine besondere Herausforderung für Ärzte (Augenärzte und Ophthalmologen) dar. Der Ophthalmologe James H. Merritt und Randall Trawnik von Dallas Eye Prosthetics in Texas sind der Ansicht, dass der Ansatz, die Augenhöhle des Kindes so weit wie möglich zu erhalten und mit einer Prothese zu „expandieren” (oder zu “dehnen”), kombiniert mit einem späteren chirurgischen Eingriff, die beste Behandlungsmethode darstellt (hier ausführlich beschrieben).

Wenn ein Kind an Anophthalmus oder Mikrophthalmie leidet, ist es wichtig, mit allen Ärzten über den besten Behandlungsplan für das Kind zu sprechen. Babys mit Anophthalmus oder Mikrophthalmie benötigen auch Frühförderung und Therapie – spezielle Maßnahmen, die ihnen helfen, zu wachsen und sich zu entwickeln.

Ablauf und Ergebnis einer Operation bei Anophthalmie mit anschwellenden Expandern

Eine spezielle Operationsmethode mit mit „anschwellenden Expandern“ kann Kindern, die ohne Augäpfel geboren werden, zu einem natürlichen Aussehen und einer normalen Gesichtsentwicklung verhelfen.

Das Verfahren wurde  von Professor Gundlach vom Universitätsklinikum Rostock auf dem 53. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie in Krefeld vorgestellt.

  • In Deutschland kommt jedes 5.000ste Neugeborene mit nur einem oder gar keinem Auge zur Welt, waas circa 150 Neugeborenen p.a. entspricht.
  • Ursache ist eine Entwicklungsstörung im Mutterleib: Den betroffenen Säuglingen fehlt ein Augapfel, vielen fehlen sogar beide Augäpfel.
  • Der medizinische Fachbegriff für diese Fehlbildung dafür lautet Anophthalmie. Die betroffenen Kinder sind daher auf einem Auge blind oder ganz blind.

Sowohl die Lidspalte als auch die das Auge umgebenden Gesichtsknochen, die Augenhöhle, wachsen nicht mit. Dadurch wirkt die Gesichtsregion um das Auge eingefallen.

Eine Anophthalmie kann, muss aber nicht mit weiteren Fehlbildungen des Gesichts einhergehen, zum Beispiel mit Lippen- und Gaumenspalten.

Wichtig sei möglichst früh mit der operativen Behandlung zu beginnen, da die Knochen der Augenhöhle in den ersten vier Lebensjahren besonders schnell wachsen.

Anschwellende Expander

Kern der Operationstechnik, deren Grundlagen an der Universitätsklinik Göttingen gelegt wurden, sind winzige Expander aus Kunststoff, die sich mit Flüssigkeit aus dem Gewebe vollsaugen und anschwellen.

Diese „osmotischen Expander“ auf der Basis von Methylmethacrylat und Vinylpyrrolidon schaffen Platz für ein künstliches Auge.

  • Sie stimulieren vor allem das Wachstum der knöchernen Augenhöhle und sorgen so für ein weitgehend normales Aussehen.

Die Expander sind zunächst klein und hart, saugen sich aber wie Schwämme voll und werden dann gallertartig weich, genau wie der fehlende Augapfel.

Wie viel Flüssigkeit diese Expander aufnehmen, lässt sich den Medizinern zufolge chemisch steuern. Sie können um das Drei- bis Dreißigfache anschwellen.

In kleinen Schritten zum künstlichen Auge

Bis das künstliche Auge Platz hat, muss das Wachstum der Augenhöhle Schritt für Schritt angeregt werden.

Zunächst implantieren die Gesichtschirurgen einen winzigen, halbkreisförmigen osmotischen Expander in den Bindehautsack des Säuglings, um diesen zu erweitern. Das Kunststoffimplantat hat vor dem Einsetzen ein Volumen von nur 0,27 Millilitern.

Es nimmt die Tränenflüssigkeit auf und schwillt auf ein Volumen von 0,9 Milliliter an. Nach etwa zwei Monaten wird der Expander durch eine Glaskugel oder ein künstliches Auge ersetzt.

Nach weiteren drei bis vier Monaten setzen die Chirurgen einen größeren kugelförmigen Expander hinter dem Bindehautsack ein, um die Augenhöhle zu vergrößern.

Gleichzeitig erhält das Kind eine Augenprothese aus Glas. Tritt das neue Auge nicht weit genug hervor, tauschen die Ärzte den 2-Milliliter-Expander gegen einen 3-Milliliter-Expander aus.

Wenn das Augenwachstum abgeschlossen ist – etwa mit sieben Jahren – fassen die Kunststoffkugeln fünf Milliliter.

  • Wird die Anophthalmie nicht behandelt, ist die Augenhöhle nicht einmal halb so groß wie bei gesunden Kindern.

Quellen

ddp


Dieser Beitrag wurde auf der Grundlage wissenschaftlicher Fachliteratur und fundierter empirischer Studien und Quellen erstellt und in einem mehrstufigen Prozess überprüft.

Wichtiger Hinweis: Der Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

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