Vorderer Kreuzbandriss: OP oder Rehabilitation ohne Operation?

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Medizin Doc Redaktion, aktualisiert am 30. August 2022, Lesezeit: 4 Minuten

Wie sollte ein vorderer Kreuzbandriss behandelt werden? Wissenschaftler plädieren für eine individuelle Behandlungsstrategie für Patientinnen und Patienten mit einem vorderen Kreuzbandriss.

OP oder Rehabilitation ohne Operation bei Kreuzbandriss?

Eine Gruppe von Wissenschaftlern der Hochschule für Gesundheit (HS Gesundheit) in Bochum und Australien hat in einer Metaanalyse aus mehreren randomisierten kontrollierten Studien zwei verschiedene Therapieansätze für einen vorderen Kreuzbandriss verglichen, der zu den häufigsten und schwersten Knieverletzungen zählt.

Dabei untersuchten die Forscher eine Operation kurz nach der Verletzung im Vergleich zu einem Ansatz, bei dem der Patient zunächst eine Rehabilitation erhält und nur dann operiert wird, wenn es nach der Rehabilitation noch für notwendig erachtet wird.

Das Forscher-Team konnte keine klinisch relevanten Unterschiede zwischen einer frühen operativen Rekonstruktion und einer primären Rehabilitation mit optionaler Rekonstruktion feststellen.

Wie wird ein vorderer Kreuzbandriss behandelt? Die aktuellen deutschen und US-amerikanischen Richtlinien empfehlen bei jungen, belastungsfähigen Patienten eine operative Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes.

Wie lange dauert die Genesung nach einem Kreuzbandriss?

Der Heilungsprozess eines Kreuzbandriss, bis die Patientin oder der Patient wieder fast vollständig belastbar ist, dauert mehrere Wochen bis Monate. In manchen Fällen kann es zu Komplikationen wie Blutungen, Venenthrombosen oder Nervenschäden kommen.

Ist eine Operation generell die bessere Behandlungsoption?

Für Patienten ist eine Operation immer mit Risiken verbunden. Der Heilungsverlauf ist langwierig und die finanziellen Kosten für das Gesundheitssystem sind beträchtlich.

Aus diesem Grund wollten die Forscherinnen und Forscher mit der vorliegenden Meta-Analyse überprüfen, ob ein „primär chirurgischer Ansatz“ wirklich der beste Weg ist.

In ihre Auswertung bezogen die Wissenschaftler neun wissenschaftliche Publikationen aus drei verschiedenen randomisierten kontrollierten Studien ein.

Dabei stellten sie fest, dass eine deutliche Verbesserung der Kniefunktion erreicht werden konnte, unabhängig davon, welcher der beiden Behandlungsansätze gewählt wurde.

Ferner wurde festgestellt, dass eine frühe chirurgische Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes keine schützende Wirkung gegen das spätere Auftreten von Kniearthrose hat.

Bei einem vorderen Kreuzbandriss, der nicht adäquat behandelt wird, kann das Kniegelenk instabil werden.

Aus Langzeitstudien ist bekannt, dass ein instabiles Gelenk zu einer Abnutzung des Knorpels und des Meniskus führt und sich frühzeitig eine Arthrose im Kniegelenk entwickeln kann.

Patientenzentrierte Behandlungsmethode bei vorderen Kreuzbandriss

Allerdings sind nach Auffassung der Wissenschafter weitere Forschungsarbeiten erforderlich, um die Sicherheit dieser Erkenntnisse zu verstärken.

Die Studienautoren fanden bei Patientinnen und Patienten mit Meniskusschäden im Knie einen geringfügigen Vorteil für Patienten mit sofortiger vorderer Kreuzbandrekonstruktion. Gleichwohl war die Aussagekraft ebenfalls gering.

Nachdem es keine klinisch bedeutsamen Unterschiede zwischen den beiden Therapieansätzen gab, empfehlen die Verfasser der Studie eine auf den Patienten ausgerichtete Behandlungsmethode.

Je nach der medizinischen Situation des Patienten, den individuellen anatomischen Unterschieden und den funktionellen Anforderungen im Alltag und/oder beim Sport sollte den Forschern zufolge gemeinsam mit dem behandelnden Arzt und/oder Therapeuten eine auf den Patienten zugeschnittene primäre Behandlungsstrategie festgelegt werden.

Bei einer Vielzahl von Patientinnen und Patienten mit vorderen Kreuzbandverletzungen ohne schwerwiegende Begleitverletzungen scheint ein „abgestufter Behandlungsansatz“ mit einem primär auf die Rehabilitation ausgerichteten Behandlungskonzept angemessen zu sein, besonders mit Blick auf die Kosten-Nutzen-Rechnung und die Vermeidung der häufig berichteten Operationsrisiken.

Laut den Autoren der Studie stellen die gewonnenen Forschungsergebnisse das bisherige Verständnis in Frage, dass eine anatomische Instabilität mit einer primären chirurgischen Stabilisierung behandelt werden sollte, um optimale Ergebnisse zu erzielen.

Die Ergebnisse der vorliegenden Meta-Analyse wurden im British Journal of Sports Medicine veröffentlicht. Hauptautor der Studie ist Prof. Dr. Daniel Belavy, Professor für Physiotherapie an der Hochschule für Gesundheit in Bochum.

Quellen

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