Studie: Eine neue Behandlung für Glaukom / Grüner Star?

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Torsten Lorenz, aktualisiert am 14. November 2021, Lesezeit: 4 Minuten

Forscher der Northwestern Medicine haben neue Behandlungsziele für das Glaukom identifiziert, darunter die Verhinderung einer schweren pädiatrischen Form des Glaukoms sowie die Entdeckung einer möglichen neuen Therapieklasse für die häufigste Form des Glaukoms bei Erwachsenen.

Bei Menschen, die an einem Hochdruckglaukom leiden, kann die Flüssigkeit im Auge nicht richtig abfließen und baut Druck auf den Sehnerv auf, was zu Sehkraftverlust führt.

Weltweit sind etwa 60 Millionen Menschen davon betroffen, und bei Menschen über 60 Jahren ist es die häufigste Ursache für Erblindung.

Für das Offenwinkelglaukom, die häufigste Form des Glaukoms bei Erwachsenen, gibt es zwar einige Behandlungsmöglichkeiten (Augentropfen, orale Medikamente, Laserbehandlungen), aber keine Heilung, und eine schwere Form des Glaukoms bei Kindern zwischen der Geburt und dem dritten Lebensjahr, das so genannte primär angeborene Glaukom, kann nur durch eine Operation behandelt werden.

Obwohl das primäre angeborene Glaukom viel seltener ist als das Offenwinkelglaukom, ist es für Kinder besonders schwerwiegend,

Neue Behandlungen sind nach Ansicht der Forscher dringend erforderlich, um den Sehkraftverlust bei beiden Formen zu verlangsamen.

Mithilfe von Gene Editing entwickelten die Wissenschaftler in der vorliegenden Studie neue Glaukom-Modelle bei Mäusen, die dem primären angeborenen Glaukom ähneln. Durch die Injektion einer neuen, lang anhaltenden und ungiftigen Proteinbehandlung (Hepta-ANGPT1) in Mäuse konnten die Wissenschaftler die Funktion von Genen ersetzen, die, wenn sie mutiert sind, Glaukom verursachen.

Mit dieser injizierbaren Behandlung gelang es den Forschern auch, die Entstehung eines Glaukoms in einem Mausmodell zu verhindern. Dieselbe Therapie senkte, wenn sie in die Augen gesunder erwachsener Mäuse injiziert wurde, den Druck in den Augen, was sie als mögliche neue Therapieklasse für die häufigste Ursache des Glaukoms bei Erwachsenen (Offenwinkelglaukom mit hohem Augeninnendruck) unterstützt.

Der nächste Schritt besteht darin laut Dr. Susan Quaggin an der Northwestern University Feinberg School of Medicine darin, ein geeignetes Verabreichungssystem für die erfolgreiche neue Proteinbehandlung bei Patienten zu entwickeln und es in die Fertigung zu bringen.

Darüber hinaus nutzten die Wissenschaftler Bioinformatik- und Einzelzell-RNA-Sequenzdaten, um Glaukomwege zu verstehen und zu identifizieren, die in Zukunft für zusätzliche therapeutische Ziele für die Krankheit erforscht werden können, wie zum Beispiel solche, die die Kommunikation mit einem speziellen Blutgefäß im Auge (Schlemm’scher Kanal) regulieren, das für den Abfluss von Flüssigkeit und die Aufrechterhaltung des normalen Augendrucks wichtig ist.

Dr. Susan Quaggin an der Northwestern University Feinberg School of Medicine hofft, dass diese Studie zur ersten gezielten Therapie führt, die den Abfluss des Kammerwassers aus dem vorderen Teil des Auges wirksam fördert und den zugrunde liegenden biologischen Defekt bei Patienten mit Glaukom rückgängig macht.

Die vorliegende Studie mit dem Titel „Cellular crosstalk regulates the aqueous humor outflow pathway and provides new targets for glaucoma therapies“ wurde in der Zeitschrift Nature Communications veröffentlicht.

Weitere Autoren von Northwestern sind Ben Thompson, Dr. Jing Jin, Pan Liu und Medizinstudent Raj Purohit. Diese Studie baut auf einer umfangreichen Forschungsarbeit und einer laufenden Zusammenarbeit mit den Koautoren Terri Young und Stuart Thomson von der University of Madison-Wisconsin auf.

Quellen: Northwestern Medicine / Nature Communications

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Quelle: Youtube/Springer Medizin

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# Genetik und Lebenserwartung Bis zu 50 Prozent durch Erbfaktoren bestimmt Eine bahnbrechende Studie, im Januar 2026 im Fachjournal Science veröffentlicht, zeigt, dass die genetische Erblichkeit der menschlichen Lebensspanne bei über 50 Prozent liegt, wenn äußere Todesursachen wie Unfälle oder Infektionskrankheiten aus der Berechnung herausgerechnet werden – ein Befund, der bisherige Schätzungen grundlegend korrigiert und neue Perspektiven für die Erforschung von Alterungsprozessen und Langlebigkeit eröffnet. --- ## Bisherige Schätzungen deutlich zu niedrig Jahrzehntelang galt in der Wissenschaft eine vergleichsweise bescheidene Zahl Zwillingsstudien schätzten die Erblichkeit der menschlichen Lebensspanne auf lediglich 20 bis 25 Prozent. Neuere Stammbaumanalysen mit großen Datensätzen hatten diesen Wert sogar auf unter 6 Prozent gedrückt. Diese niedrigen Zahlen führten zu einem wissenschaftlichen Widerspruch Warum sollte die menschliche Lebensspanne weitaus weniger genetisch beeinflusst sein als fast alle anderen komplexen menschlichen Merkmale, von der Körpergröße über den Intelligenzquotienten bis hin zur Herzgesundheit --- ## Die methodische Schwäche Extrinsische Sterblichkeit Forscherinnen und Forscher des Weizmann Institute of Science in Rehovot (Israel), des Karolinska Institutet in Stockholm und des Leiden University Medical Center haben nun eine entscheidende methodische Schwachstelle in den bisherigen Studien identifiziert. Das Problem Frühere Berechnungen bezogen alle Todesursachen ein, also auch solche, die nichts mit dem biologischen Alterungsprozess des Körpers zu tun haben. Unfälle im Straßenverkehr, Tötungsdelikte, Ertrinken oder tödliche Infektionskrankheiten – all das sind sogenannte extrinsische Todesursachen. Sie sind vom Zufall oder von äußeren Umständen abhängig, nicht von der genetischen Konstitution eines Menschen. Wird dieser Störfaktor nicht bereinigt, verzerrt er die statistische Schätzung der Erblichkeit erheblich nach unten. --- ## Methodik Mathematische Modellierung und Zwillingsstudien Das Forschungsteam um Ben Shenhar und Uri Alon entwickelte ein mathematisches Modell, das zwischen intrinsischer Sterblichkeit (also dem biologisch bedingten Altern) und extrinsischer Sterblichkeit unterscheidet. Anschließend wurden zwei Arten von Zwillingskohorten analysiert - Zusammen aufgewachsene Zwillinge, die ähnliche Umwelteinflüsse teilten - Getrennt aufgewachsene Zwillinge, bei denen Umwelteinflüsse stärker abweichen Durch den Vergleich dieser Gruppen und die Bereinigung um extrinsische Todesursachen gelangten die Forschenden zu einer neuen Schätzung Die Erblichkeit der intrinsischen menschlichen Lebensspanne liegt bei über 50 Prozent. --- ## Was bedeutet „Erblichkeit von 50 Prozent Ein häufiges Missverständnis muss hier ausgeräumt werden Eine Erblichkeit von 50 Prozent bedeutet nicht, dass die Hälfte des eigenen Lebens von den Genen „vorprogrammiert ist. Der Begriff beschreibt vielmehr, wie viel der Variation in der Lebensspanne innerhalb einer Population auf genetische Unterschiede zwischen Individuen zurückzuführen ist. ### Vergleichbare Werte bei anderen Merkmalen Ein Erblichkeitswert von etwa 50 Prozent gilt in der Genetik als substanziell. Zum Vergleich - Körpergröße ca. 80 Prozent - Body-Mass-Index (BMI) ca. 40–70 Prozent - Blutdruck ca. 30–50 Prozent - Typ-2-Diabetes ca. 25–50 Prozent Die neue Studie ordnet die menschliche Lebensspanne damit in die gleiche Kategorie wie viele andere medizinisch relevante komplexe Merkmale ein. Dieser Befund steht auch im Einklang mit der Erblichkeit der Lebensspanne bei anderen Spezies. --- ## Warum dieser Befund für die Medizin bedeutsam ist ### Longevity-Gene als Schlüssel zum Altern Eine hohe genetische Erblichkeit der Lebensspanne hat direkte Konsequenzen für die biomedizinische Forschung. Je stärker ein Merkmal genetisch verankert ist, desto aussagekräftiger sind genomweite Assoziationsstudien (GWAS), die nach spezifischen Genvarianten suchen. Identifizierte Langlebigkeitsgene können biologische Mechanismen des Alterns aufdecken, etwa in Bezug auf - DNA-Reparatursysteme - Entzündungsregulation (Inflammaging) - Mitochondriale Funktion - Telomerlänge und -stabilität ### Konsequenzen für die öffentliche Gesundheit Die Erkenntnis, dass rund die Hälfte der Variation in der intrinsischen Lebensspanne genetisch bedingt ist, bedeutet gleichzeitig, dass die andere Hälfte durch Umwelt- und Verhaltensfaktoren beeinflusst wird. Dazu gehören - Ernährungsweise und körperliche Aktivität - Sozioökonomischer Status und Bildung - Zugang zu Gesundheitsversorgung - Exposition gegenüber Schadstoffen und chronischem Stress Dieser Befund unterstreicht die Bedeutung sowohl der Präzisionsmedizin als auch der Public-Health-Interventionen. --- ## Kontext Wo die Forschung steht Die Studie erschien am 29. Januar 2026 in Science (DOI 10.1126science.adz1187, Band 391, Heft 6784, Seiten 504–510) und wurde von Forschenden des Weizmann Institute, des Karolinska Institutet, der Westlake University in Hangzhou sowie des Leiden University Medical Center verfasst. Die Arbeit ist eine Zwillingsstudie, klassifiziert im Rahmen der standardisierten MeSH-Terminologie der US-amerikanischen National Library of Medicine. Frühere Schätzwerte auf Basis ähnlicher Zwillingsdaten, jedoch ohne Bereinigung um extrinsische Sterblichkeit, lagen laut dem Abstract bei 20 bis 25 Prozent. Stammbaum-basierte Großstudien hatten zuletzt Werte von nur 6 Prozent gemeldet. --- ## Was bleibt offen Die Studie liefert eine methodisch fundierte Neubewertung der Erblichkeitsschätzungen. Dennoch bestehen offene Fragen - Welche spezifischen Genvarianten tragen am stärksten zur intrinsischen Lebensspanne bei - Wie interagieren genetische und epigenetische Faktoren im Alterungsprozess - Lassen sich die Befunde auf verschiedene Ethnizitäten und geographische Populationen übertragen Diese Fragen werden die Forschung in den kommenden Jahren beschäftigen. Die vorliegende Studie legt dafür ein wichtiges methodisches Fundament. --- ## Häufig gestellte Fragen (FAQs) Bedeutet eine Erblichkeit von 50 Prozent, dass mein Lebensalter zur Hälfte feststeht Nein. Erblichkeit ist ein statistisches Konzept, das die Variation innerhalb einer Population beschreibt, nicht ein Schicksal des Einzelnen. Lebensstil, Umwelt und medizinische Versorgung spielen weiterhin eine erhebliche Rolle. Warum haben frühere Studien so viel niedrigere Werte gefunden Frühere Zwillings- und Stammbaumstudien berücksichtigten keine Trennung zwischen biologisch bedingtem Altern und äußeren Todesursachen wie Unfällen. Diese Vermischung führte systematisch zu einer Unterschätzung der genetischen Erblichkeit. Was sind extrinsische Todesursachen Damit sind Todesfälle gemeint, die nicht auf das biologische Altern zurückzuführen sind Verkehrsunfälle, Gewaltverbrechen, Ertrinken oder akute Infektionskrankheiten. Diese Ereignisse hängen primär von äußeren Umständen ab, nicht von der genetischen Konstitution. Hat die Studie praktische Bedeutung für die Langlebigkeitsforschung Ja, erheblich. Ein hoher Erblichkeitswert legitimiert genomweite Studien zur Suche nach Langlebigkeitsgenen. Solche Gene können Aufschluss über Alterungsmechanismen geben und als Angriffspunkte für medizinische Interventionen dienen. 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