Leistenschmerzen: Forschung, Ursachen und Behandlung

Gesundheitsnews, Medizin und Forschung, Krankheiten und Krankheitsbilder, Symptome

M.A. Dirk de Pol, aktualisiert am 25. Mai 2024, Lesezeit: 10 Minuten

Leistenschmerzen können ein äußerst unangenehmes und beeinträchtigendes Symptom sein. Sie treten im Bereich der Leistengegend auf und können verschiedene Ursachen haben. Es ist wichtig, die genaue Ursache der Leistenschmerzen von einem Arzt abklären zu lassen, um eine angemessene Behandlung zu erhalten. Der Arzt kann eine gründliche Untersuchung durchführen und gegebenenfalls weitere diagnostische Tests empfehlen, um die Ursache der Schmerzen festzustellen.

Was sind Leistenschmerzen?

Leistenschmerzen sind Schmerzen, die im Bereich der Leistengegend auftreten. Die Leistengegend wird durch das Leistenband dominiert, welches den Beckenknochen mit dem Schambein verbindet. Es gibt jedoch auch viele weitere Strukturen in diesem Bereich, weshalb Leistenschmerzen verschiedene Ursachen haben können.

Die Schmerzen können sich durchstechende und stark bewegungseinschränkende Schmerzen äußern. Sie können einseitig oder beidseitig auftreten. Häufig lassen sich die Schmerzen auf ein auslösendes Ereignis, wie eine „falsche“ Bewegung, zurückführen. In einigen Fällen entwickeln sich die Schmerzen jedoch langsam.

In der Leistengegend befinden sich nicht nur viele Strukturen, sondern auch verschiedene Gefäße und Nerven. Bei Männern gehört der Samenstrang zu diesen Strukturen, während bei Frauen das sogenannte Mutterband vorhanden ist. Probleme in diesem Bereich können daher zu den typischen Schmerzsymptomen führen.

Ursachen von Leistenschmerzen

Es gibt verschiedene Ursachen für Leistenschmerzen. Eine der häufigsten und bekanntesten Ursachen ist ein Leistenbruch. Dabei kann das Leistenband und das Gewebe der unteren Bauchwand dem Druck nicht mehr standhalten und gibt stellenweise nach. Dies führt zu äußerlich sichtbaren Schwellungen, die durch nach außen drückendem Gewebe, meistens Darmanteile, verursacht werden.

Eine Zerrung des Leistenbandes oder eine Verletzung der in der Leistengegend befindlichen Nerven oder Gefäße kann ebenfalls zu Leistenschmerzen führen. Ein Knochenbruch im Bereich der Leiste, Arthrose oder Hüftgelenksentzündungen sind weitere mögliche Ursachen für Schmerzen in der Leistengegend. Bei einer Hüftgelenksentzündung können Rötung, Erwärmung oder Schwellung beobachtet werden.

Auch urologische Störungen wie Harnsteine, Prostatitis oder Harnwegsinfekte können Leistenschmerzen verursachen. Tumore, Blockaden des Kreuz-Darmbein-Gelenks, Hodenveränderungen, Abszessbildung oder Entzündungen können ebenfalls zu Schmerzen in der Leistengegend führen. In weniger schwerwiegenden Fällen können Leistenschmerzen auch durch normale Wachstumsprozesse oder Menstruationsbeschwerden ausgelöst werden.

Krankheiten mit Leistenschmerzen

Leistenschmerzen können ein Symptom für verschiedene Krankheiten sein. Zu den Krankheiten, die mit Leistenschmerzen einhergehen können, gehören: Leistenbruch, Leistenzerrung, Harnwegsinfekt, Nebenhodenentzündung, Eileiterschwangerschaft, Ermüdungsbruch, Oberschenkelhalsbruch, Prostataentzündung, Harnleiterstein, Zyklusstörungen, Hüftgelenksentzündung, Arthrose, Hodenentzündung, Hodentorsion, Lymphknotenentzündung.

Diagnose und Verlauf

Die Diagnose von Leistenschmerzen erfordert eine gründliche Untersuchung. Neben der Anamnese und der Sichtdiagnostik ist auch das Abtasten der Leistengegend wichtig. Bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomografie (MRT), Computertomografie (CT), Röntgendiagnostik oder Sonografie können helfen, Ursachen wie Fehlstellungen, Tumore oder Krankheiten zu identifizieren.

Der Verlauf von Leistenschmerzen kann je nach Ursache variieren. In einigen Fällen können die Schmerzen von selbst abklingen oder durch konservative Maßnahmen wie Ruhe, physikalische Therapie oder Schmerzmittel gelindert werden. In anderen Fällen kann eine spezifische Behandlung erforderlich sein, wie zum Beispiel eine Operation bei einem Leistenbruch.

Komplikationen

Unbehandelte Leistenschmerzen können zu verschiedenen Komplikationen führen. Wenn ein Leistenbruch nicht behandelt wird, kann sich der Bruch vergrößern und zu einem Einklemmungsbruch führen, bei dem Gewebe in den Bruchraum eingeklemmt wird. Dies kann zu starken Schmerzen und einem medizinischen Notfall führen, der sofortige ärztliche Hilfe erfordert.

Bei anderen Ursachen von Leistenschmerzen können Komplikationen auftreten, wenn die zugrunde liegende Erkrankung nicht behandelt wird. Zum Beispiel kann eine unbehandelte Hüftgelenksentzündung zu dauerhaften Schäden am Gelenk führen oder eine unbehandelte Prostatitis kann zu Komplikationen wie Abszessen oder Unfruchtbarkeit führen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn Leistenschmerzen auftreten und länger als ein paar Tage anhalten oder sich verschlimmern. Ein Arzt kann eine genaue Diagnose stellen und die geeignete Behandlung empfehlen. Es ist auch wichtig, sofort einen Arzt aufzusuchen, wenn starke Schmerzen auftreten, begleitet von Symptomen wie Fieber, Erbrechen oder einer sichtbaren Schwellung.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung von Leistenschmerzen hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. Bei einem Leistenbruch kann eine Operation erforderlich sein, um den Bruch zu reparieren. Bei anderen Ursachen können konservative Maßnahmen wie Ruhe, physikalische Therapie, Schmerzmittel oder entzündungshemmende Medikamente zur Linderung der Schmerzen eingesetzt werden.

In einigen Fällen kann eine gezielte Therapie erforderlich sein, wie zum Beispiel Antibiotika bei einer Infektion oder eine Hormontherapie bei hormonellen Störungen. Bei schwerwiegenden Erkrankungen wie Tumoren kann eine umfassendere Behandlung erforderlich sein, einschließlich Operation, Strahlentherapie oder Chemotherapie.

Aussicht und Prognose

Die Aussicht und Prognose bei Leistenschmerzen hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. In vielen Fällen können die Schmerzen erfolgreich behandelt und gelindert werden. Bei einem Leistenbruch kann eine Operation eine dauerhafte Lösung bieten. Bei anderen Ursachen kann eine angemessene Behandlung zu einer Verbesserung der Symptome führen.

Es ist wichtig, die Anweisungen des Arztes zu befolgen und die empfohlene Behandlung fortzusetzen, um die besten Ergebnisse zu erzielen. In einigen Fällen kann eine langfristige Behandlung oder eine regelmäßige Überwachung erforderlich sein, um Rückfälle oder Komplikationen zu vermeiden.

Vorbeugung

Es gibt keine spezifische Möglichkeit, Leistenschmerzen vollständig zu verhindern, da die Ursachen vielfältig sein können. Es gibt jedoch einige Maßnahmen, die das Risiko von Leistenschmerzen verringern können. Dazu gehören:

  • Vermeidung von übermäßiger körperlicher Belastung und schwerem Heben
  • Aufwärmen vor dem Sport oder körperlicher Aktivität
  • Verwendung der richtigen Technik beim Heben oder Sporttreiben
  • Stärkung der Muskulatur in der Leistengegend durch gezieltes Training
  • Vermeidung von plötzlichen Bewegungen oder Verdrehungen des Körpers

Es ist auch wichtig, auf den eigenen Körper zu hören und bei auftretenden Schmerzen oder Unwohlsein nicht zu überlasten. Regelmäßige ärztliche Untersuchungen können dazu beitragen, potenzielle Komplikationen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Leistenschmerzsyndrom (Sporthernie)

Leistenschmerzen bei aktiven Personen und Sportlern ohne klinische Anzeichen einer Hernie oder pathologische Befunde in der Hüfte sind für Ärzte eine Herausforderung und für die Betroffenen eine Belastung. Die häufig als Sporthernie oder athletische Pubalgie bezeichnete Diagnose wird, wie eine Übersichtstudie von 2020 feststellt, von vielen Chirurgen weiterhin abgelehnt, da kein Konsens und kein klares Verständnis der grundlegenden pathophysiologischen Merkmale dieses Leistenschmerzsyndroms besteht.

Um dieses Problem angemessen behandeln zu können, ist es notwendig, die anatomischen und pathophysiologischen Befunde des Leistenschmerzsyndroms zu verstehen. Im Allgemeinen ist die Evidenzqualität der Literatur relativ niedrig. Eine übungsbasierte Therapie kann eine wirksame Erstlinientherapie bei Personen sein, die ein Leistenschmerzsyndrom entwickeln. Chirurgische Therapien sind normalerweise Patienten vorbehalten, bei denen eine nichtoperative Behandlung fehlschlägt. Zu den gemeinsamen Merkmalen der verschiedenen chirurgischen Eingriffe gehören die daraus resultierenden Veränderungen der Zugvektoren am Schambein oder Gelenk, die Defekte im Leistenkanal und die Kompression oder Sehneneinschnürung des sensorischen Leistennervs.

Die Diagnose chronischer Leistenschmerzen, die nicht auf die Hüfte oder einen Leistenbruch zurückzuführen sind, ist häufig. Das Verständnis der Diagnose und der Behandlungsmöglichkeiten kann die Genesung erleichtern und die Rückkehr zu einem aktiven Lebensstil und Sport ermöglichen.

Leistenschmerzen sind ein häufiges Symptom bei Sportlern. Doch die komplexe Anatomie der Region und die verschiedenen Begriffe zur Beschreibung der Ätiologie von Leistenschmerzen haben zu einer verwirrenden Nomenklatur geführt. Bei Betrachtung der neueren Forschungsliteratur wird deutlich, dass die Verwendung nicht-anatomischer Begriffe nach wie vor üblich ist und die Diagnosen „Sporthernie“, „Sportlerhernie“, „Sportlerleiste“, „Gilmore-Leiste“, „Sportlerpubalgie“ und „Rumpfmuskelverletzung“ immer noch von vielen Autoren verwendet werden. Um diese verwirrende Terminologie zu klären, untersucht eine Konzeptstudie von 2023, auf welche anatomischen Strukturen sich die Autoren bei der Verwendung jedes Begriffs jeweils beziehen. Außerdem wird die komplexe Anatomie des Bereichs, einschließlich der Adduktoren, der flachen und vertikalen Bauchmuskeln, des Leistenkanals und der angrenzenden Nervenäste, erneut betrachtet, um schließlich einen anatomischen Ansatz vorzuschlagen, der die Grundlage für eine verbesserte Kommunikation zwischen medizinischem Fachpersonal und evidenzbasierte Behandlungsentscheidungen bietet.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauern Leistenschmerzen in der Regel an?

Leistenschmerzen können je nach Ursache und individueller Situation unterschiedlich lange anhalten. In einigen Fällen können sie nach einigen Tagen oder Wochen von selbst abklingen, während sie in anderen Fällen länger anhalten können. Es ist wichtig, einen Arzt aufzusuchen, wenn die Schmerzen länger als üblich anhalten oder sich verschlimmern.

Kann man Leistenschmerzen selbst behandeln?

Leistenschmerzen können verschiedene Ursachen haben, wie Muskelzerrungen, Leistenbrüche oder Entzündungen. Die Behandlung von Leistenschmerzen hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. Es ist wichtig, die genaue Ursache der Schmerzen von einem Arzt abklären zu lassen, um eine angemessene Behandlung zu erhalten. In einigen Fällen können leichte Leistenschmerzen durch Ruhe, Eispackungen und Schmerzmittel vorübergehend gelindert werden. Es ist jedoch wichtig, die Schmerzen nicht selbst zu behandeln, sondern einen Arzt aufzusuchen, um eine genaue Diagnose zu erhalten und eine angemessene Behandlung zu planen. Ein Arzt kann eine gründliche Untersuchung durchführen, um die Ursache der Leistenschmerzen festzustellen und entsprechende Maßnahmen zu empfehlen. Dies kann physikalische Therapie, Medikamente, Injektionen oder in einigen Fällen sogar eine Operation beinhalten. Es ist wichtig, bei Leistenschmerzen nicht allein auf Selbstbehandlung zu vertrauen, da dies zu einer Verschlechterung des Zustands führen kann. Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, um eine genaue Diagnose und eine angemessene Behandlung zu erhalten.

Welche Rolle spielt die Ernährung bei Leistenschmerzen?

Eine gesunde Ernährung kann dazu beitragen, Entzündungen zu reduzieren und den Heilungsprozess zu unterstützen. Es wird empfohlen, eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und magerem Protein zu sich zu nehmen. Es kann auch hilfreich sein, entzündungshemmende Lebensmittel wie Kurkuma, Ingwer und Omega-3-Fettsäuren in die Ernährung einzubeziehen.

Kann man Leistenschmerzen durch gezieltes Training vorbeugen?

Ja, gezieltes Training kann dazu beitragen, die Muskulatur in der Leistengegend zu stärken und das Risiko von Verletzungen zu verringern. Übungen wie Beinheben, Ausfallschritte und Beckenstabilisationsübungen können helfen, die Stabilität und Flexibilität in der Leistengegend zu verbessern. Es ist jedoch wichtig, die Übungen korrekt auszuführen und bei Schmerzen oder Unwohlsein einen Arzt zu konsultieren.

Wann sollte man einen Spezialisten aufsuchen?

Es wird empfohlen, einen Arzt aufzusuchen, wenn die Leistenschmerzen länger als ein paar Tage anhalten, sich verschlimmern oder von anderen Symptomen begleitet werden. Ein Spezialist wie ein Orthopäde, Urologe oder Gynäkologe kann eine genaue Diagnose stellen und eine geeignete Behandlung empfehlen.

Fazit

Leistenschmerzen können verschiedene Ursachen haben und ein Symptom für verschiedene Erkrankungen sein. Eine genaue Diagnose ist wichtig, um die richtige Behandlung zu erhalten und mögliche Komplikationen zu vermeiden. Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn Leistenschmerzen auftreten oder anhalten. Durch gezieltes Training, eine gesunde Ernährung und die Vermeidung von übermäßiger Belastung kann das Risiko von Leistenschmerzen verringert werden.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Leistenbruch, Wikipedia 2024.
  2. Zuckerbraun BS, Cyr AR, Mauro CS. Groin Pain Syndrome Known as Sports Hernia: A Review. JAMA Surg. 2020 Apr 1;155(4):340-348. doi: 10.1001/jamasurg.2019.5863.
  3. Mitrousias V, Chytas D, Banios K, Fyllos A, Raoulis V, Chalatsis G, Baxevanidou K, Zibis A. Anatomy and terminology of groin pain: Current concepts. J ISAKOS. 2023 Oct;8(5):381-386. doi: 10.1016/j.jisako.2023.05.006

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