Hypertrophe Kardiomyopathie: Studie zeigt Wirksamkeit eines Medikaments bei HCM

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Torsten Lorenz, Veröffentlicht am: 03.04.2022, Lesezeit: 4 Minuten

Neue Behandlung einer hypertrophen Kardiomyopathie (HCM) mit Medikamenten: Laut den Ergebnissen einer von der Cleveland Clinic geleiteten klinischen Studie konnte durch den Einsatz eines experimentellen Medikaments bei Patientinnen und Patienten mit schwerer symptomatischer hypertropher Kardiomyopathie der erforderliche Bedarf an operativen Eingriffen deutlich verringert werden.

In der Studie wurde untersucht, ob der Wirkstoff Mavacamten als Alternative zu einer Herzoperation oder einer Alkohol-Septum-Ablation eingesetzt werden kann, also zu Therapien, mit denen die Verdickung des Septums, der Trennwand zwischen der rechten und der linken Herzhälfte, reduziert werden kann.

Die Befunde aus der “VALOR-HCM Study: Myosin Inhibition as an Alternative to Surgical Myectomy or Alcohol Septal Ablation in Obstructive Hypertrophic Cardiomyopathy” wurden während einer Late Breaking Science Session auf der 71. wissenschaftlichen Jahrestagung des American College of Cardiology in Washington D.C. vorgestellt.

Bei der hypertrophen Kardiomyopathie handelt es sich um eine komplexe Herzerkrankung, die eine Verdickung des Herzmuskels, eine Versteifung der linken Herzkammer und Veränderungen der Mitralklappe verursacht.

Da die Ursache der hypertrophen Kardiomyopathie nicht bekannt ist oder auf genetische Faktoren, Bluthochdruck oder Alterung zurückgeführt wird, ist es schwierig, eine Risikogruppe zu identifizieren. 

Mögliche Symptome sind Brustschmerzen, Herzklopfen, Kurzatmigkeit, Müdigkeit und Synkopen (Ohnmachtsanfälle). Die meisten Betroffenen haben ein geringes Risiko für einen plötzlichen Herztod. Allerdings ist die Erkrankung die häufigste Ursache für den plötzlichen Herztod bei Menschen unter 30 Jahren.

Zur Behandlung der Symptome der hypertrophen Kardiomyopathie und zur Vorbeugung weiterer Komplikationen werden häufig Medikamente wie Betablocker, Kalziumkanalblocker und Antiarrhythmika verschrieben. Bei anhaltenden Symptomen kann auch eine Septum-Myektomie durchgeführt werden, bei der ein Chirurg einen kleinen Teil der verdickten Septumwand entfernt, um den Ausflusstrakt (den Weg des Blutes) von der linken Herzkammer zur Aorta zu erweitern. 

Eine andere Behandlungsmöglichkeit ist die Alkoholablation, ein Herzkatheterverfahren, bei dem eine winzige Menge reinen Alkohols in die Herzscheidewand injiziert wird, wodurch diese wieder auf eine normalere Größe schrumpft und der Durchgang für den Blutfluss erweitert wird.

Für die Phase-3-Studie Valor HCM wurden 112 symptomatische Patienten mit hypertropher Kardiomyopathie an 19 Standorten in den Vereinigten Staaten aufgenommen. Bei allen Patienten war eine chirurgische Myektomie oder eine Alkoholablation vorgesehen. 

Die Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip entweder einem oralen Myosin-Inhibitor, Mavacamten (5 bis 15 mg täglich) oder Placebo zugeteilt. Der Wirkstoff Mavacamten reduziert die übermäßige Kontraktion des Herzmuskels, so dass dieser effizienter arbeiten kann. Außerdem verringert der Wirkstoff die Steifheit des Herzmuskels.

Die Studie ergab, dass nach einem Zeitraum von 16 Wochen 43 der 56 mit Placebo behandelten Patienten (76,8 Prozent) weiterhin die Leitlinienkriterien für einen chirurgischen Eingriff erfüllten oder sich für eine entsprechende Operation entschieden.

Nach Ablauf von 16 Wochen erfüllten 77 Prozent der mit Placebo behandelten Patienten weiterhin die Leitlinienkriterien für eine Operation oder entschieden sich für eine entsprechende OP, verglichen mit 18 Prozent der mit dem Wirkstoff Mavacamten behandelten Patienten. 

In der Studie konnte bei den mit Mavacamten behandelten Patienten eine signifikante Verringerung des Druckgradienten im linksventrikulären Ausflusstrakt sowie eine Verbesserung der Lebensqualität nachgewiesen werden. Die Langzeitsicherheit und die Ergebnisse von Mavacamten werden weiter untersucht.

Laut Dr. Milind Desai, Director of Clinical Operations im Heart Vascular & Thoracic Institute der Cleveland Clinic und leitender Prüfarzt der Studie, könnten diese Ergebnisse einer sehr kranken Patientengruppe eine nicht-invasive Therapiealternative bieten. 

Die überwiegende Mehrheit der Patientiien und Patienten, auch in der Placebogruppe, entschied sich nach 16 Wochen für eine Fortsetzung der Behandlung, was darauf hindeutet, dass ein starker Wunsch nach dieser Art von Behandlungsoption besteht, erklärte Dr. Steven E. Nissen, Chief Academic Officer des Heart, Vascular & Thoracic Institute an der Cleveland Clinic und leitender Autor der Studie.

Quelle: Cleveland Clinic

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