Probiotika zeigen vielversprechende Ergebnisse bei der Verringerung von Hyperaktivität bei Kindern mit Autismus und ADHS

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M.D. Redaktion, aktualisiert am 12. Juli 2025, Lesezeit: 7 Minuten

Probiotika, auch als „gute Bakterien” bekannt, sind lebende Mikroorganismen, die die Darmgesundheit fördern. Neueste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass sie bei der Behandlung von Symptomen des Autismus-Spektrum-Störungsbildes (ASD) und der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei kleinen Kindern helfen können. Eine Studie aus dem Jahr 2024 im Journal of Autism and Developmental Disorders ergab, dass Probiotika Hyperaktivität reduzieren und das Sozialverhalten von Kindern mit diesen Erkrankungen verbessern können.

Autismus, ADHS und die Darm-Hirn-Achse verstehen

Was sind Autismus und ADHS?

Autismus-Spektrum-Störungen sind neurologische Entwicklungsstörungen, die durch Schwierigkeiten in der sozialen Kommunikation, Interaktion und repetitive Verhaltensweisen gekennzeichnet sind. ADHS ist durch Aufmerksamkeitsstörungen, Impulsivität und Hyperaktivität gekennzeichnet, die das tägliche Leben beeinträchtigen. Viele Kinder leiden unter beiden Erkrankungen, was die Behandlung der Symptome erschwert.

Die Verbindung zwischen Darm und Gehirn

Die Darm-Hirn-Achse ist ein bidirektionales Kommunikationsnetzwerk zwischen dem Verdauungssystem und dem Gehirn. Das Darmmikrobiom, das aus Billionen von Mikroorganismen besteht, beeinflusst die Gehirnfunktion und das Verhalten. Ein Ungleichgewicht der Darmbakterien, auch Dysbiose genannt, tritt häufig bei Kindern mit Autismus und ADHS auf und kann die Symptome verschlimmern.

Probiotika können das Gleichgewicht des Darmmikrobioms wiederherstellen und so möglicherweise Verhaltens- und neurologische Symptome lindern. Dieser Zusammenhang hat das Interesse an Probiotika als unterstützende Therapie geweckt.

Wichtige Erkenntnisse aus der Probiotika-Studie von 2024

Studiendesign

Die Studie von Harding et al. aus dem Jahr 2024 untersuchte die Auswirkungen eines probiotischen Nahrungsergänzungsmittels mit mehreren Stämmen auf 76 Kinder im Alter von 2 bis 5 Jahren mit Autismus, ADHS oder beidem. Die doppelblinde, placebokontrollierte Studie wurde über 12 Wochen durchgeführt und garantierte unvoreingenommene und zuverlässige Ergebnisse.

Bemerkenswerte Ergebnisse

Die Studie ergab mehrere positive Ergebnisse für Kinder, die Probiotika erhielten:

  • Verminderte Hyperaktivität: Kinder mit ADHS zeigten im Vergleich zur Placebo-Gruppe eine signifikante Verringerung der Hyperaktivität und Impulsivität.
  • Verbesserte soziale Kompetenzen: Kinder mit Autismus zeigten eine verbesserte soziale Reaktionsfähigkeit, einschließlich besserer Kommunikations- und Interaktionsfähigkeiten.
  • Verbesserte Emotionsregulation: Die Eltern berichteten von einer besseren Emotionskontrolle ihrer Kinder, insbesondere in Stresssituationen.
  • Minimale Nebenwirkungen: Das probiotische Präparat wurde gut vertragen, es wurden keine signifikanten Nebenwirkungen festgestellt.

Diese Ergebnisse unterstreichen, dass Probiotika eine potenziell sichere und natürliche Option zur Unterstützung von Kindern mit Autismus und ADHS darstellen.

Wie Probiotika Kindern mit Autismus und ADHS helfen

Verbesserung der Darmgesundheit

Viele Kinder mit Autismus und ADHS leiden unter Magen-Darm-Problemen wie Verstopfung oder Durchfall, die mit einer Dysbiose des Darms zusammenhängen. Probiotika, darunter Stämme wie Lactobacillus und Bifidobacterium, können die Verdauung verbessern und Entzündungen im Darm reduzieren.

Unterstützung der Gehirnfunktion

Probiotika können die Produktion von Neurotransmittern wie Serotonin und Dopamin beeinflussen, die Stimmung und Verhalten regulieren. Ein ausgeglichenes Darmmikrobiom könnte indirekt die kognitiven und emotionalen Fähigkeiten von Kindern verbessern.

Stärkung der Immunabwehr

Ein gesundes Darmmikrobiom unterstützt die Immunfunktion und kann Entzündungen reduzieren, die Autismus- und ADHS-Symptome verschlimmern können. Dieser umfassende Nutzen macht Probiotika für eine ganzheitliche Behandlung attraktiv.

Praktische Schritte zur Einbeziehung von Probiotika

Eltern und Betreuer können die folgenden Schritte unternehmen, um Probiotika sicher einzuführen:

  1. Konsultieren Sie einen Kinderarzt: Holen Sie vor der Einnahme von Probiotika immer fachlichen Rat ein, insbesondere bei Kindern mit Autismus oder ADHS.
  2. Wählen Sie hochwertige Produkte: Wählen Sie Probiotika mit mehreren Stämmen, die klinisch untersucht wurden, wie Lactobacillus und Bifidobacterium.
  3. Beginnen Sie mit einer niedrigen Dosis: Beginnen Sie mit einer kleinen Dosis, um die Verträglichkeit zu beobachten, und erhöhen Sie die Dosis gemäß den Empfehlungen eines Arztes.
  4. Fügen Sie probiotische Lebensmittel hinzu: Ergänzen Sie Nahrungsergänzungsmittel durch natürliche Quellen wie Joghurt, Kefir oder fermentiertes Gemüse.
  5. Verfolgen Sie Veränderungen: Führen Sie ein Tagebuch, um Veränderungen im Verhalten, in der Verdauung oder in der Stimmung festzuhalten und die Wirksamkeit zu bewerten.

Einschränkungen und Überlegungen

Einschränkungen der Studie

Die Studie aus dem Jahr 2024 liefert ermutigende Ergebnisse, hat jedoch Einschränkungen. Die geringe Stichprobengröße (76 Teilnehmer) und die Dauer von 12 Wochen erfordern größere, längerfristige Studien, um die Ergebnisse zu bestätigen. Darüber hinaus konzentrierte sich die Studie auf Kleinkinder, sodass die Ergebnisse möglicherweise nicht auf ältere Altersgruppen übertragbar sind.

Individuelle Unterschiede

Die Reaktionen auf Probiotika variieren je nach Faktoren wie Ernährung, Genetik und Ausgangszustand der Darmgesundheit. Eltern sollten mit Ärzten zusammenarbeiten, um die Einnahme von Probiotika individuell anzupassen und realistische Erwartungen zu setzen.

Warum Probiotika zunehmend im Fokus stehen

Probiotika gewinnen aufgrund ihrer Sicherheit, Verfügbarkeit und minimalen Nebenwirkungen im Vergleich zu Medikamenten zunehmend an Beliebtheit. Ihr Potenzial zur Unterstützung der Darm- und Gehirngesundheit macht sie zu einer vielversprechenden ergänzenden Therapie bei neurologischen Entwicklungsstörungen wie Autismus und ADHS.

Häufige Fragen zu Probiotika bei Autismus und ADHS

1. Können Probiotika Autismus oder ADHS heilen?

Probiotika können Autismus oder ADHS nicht heilen, da es sich hierbei um komplexe neurologische Entwicklungsstörungen handelt. Allerdings deuten Forschungsergebnisse, darunter auch die Studie aus dem Jahr 2024, darauf hin, dass sie Symptome wie Hyperaktivität lindern und das Sozialverhalten verbessern können und somit neben anderen Therapien unterstützend wirken.

2. Sind Probiotika für kleine Kinder mit Autismus oder ADHS unbedenklich?

Probiotika sind für Kinder unter ärztlicher Aufsicht in der Regel unbedenklich. Die Studie aus dem Jahr 2024 berichtete über keine signifikanten Nebenwirkungen, aber Eltern sollten einen Kinderarzt konsultieren, um die für die Bedürfnisse ihres Kindes geeigneten Stämme und Dosierungen auszuwählen.

3. Wie lange dauert es, bis sich die Einnahme von Probiotika bemerkbar macht?

Die Studie aus dem Jahr 2024 beobachtete Vorteile nach 12 Wochen, aber die individuellen Zeiträume variieren. Bei einigen Kindern können sich bereits nach wenigen Wochen Verbesserungen im Verhalten oder in der Verdauung zeigen, während andere länger brauchen. Eine konsequente Einnahme und Überwachung sind entscheidend.

4. Sollte ich probiotische Nahrungsergänzungsmittel oder probiotikareiche Lebensmittel wählen?

Beide Optionen können vorteilhaft sein. Nahrungsergänzungsmittel liefern höhere, gleichmäßigere Dosen bestimmter Stämme, während Lebensmittel wie Joghurt, Kefir und Sauerkraut natürliche Quellen für Probiotika sind. Eine Kombination unter Anleitung eines Arztes kann am wirksamsten sein.

5. Was sind die möglichen Nebenwirkungen von Probiotika bei Kindern?

Probiotika werden in der Regel gut vertragen, aber bei einigen Kindern können leichte Nebenwirkungen wie Blähungen, Gasbildung oder Verdauungsbeschwerden auftreten, insbesondere zu Beginn der Einnahme. Diese Nebenwirkungen klingen oft ab, aber konsultieren Sie einen Arzt, wenn sie anhalten.

6. Wie wähle ich das richtige Probiotikum für mein Kind aus?

Achten Sie auf Produkte mit klinisch untersuchten Stämmen wie Lactobacillus rhamnosus oder Bifidobacterium longum. Achten Sie darauf, dass das Produkt von einer unabhängigen Stelle auf Qualität und Wirksamkeit geprüft wurde. Ein Kinderarzt kann Ihnen bestimmte Marken oder Formulierungen empfehlen.

7. Können Probiotika zusammen mit anderen Behandlungen bei Autismus oder ADHS angewendet werden?

Ja, Probiotika können oft Verhaltenstherapien, Medikamente oder Ernährungsmaßnahmen ergänzen. Informieren Sie Ihren Arzt immer über alle Behandlungen, die Ihr Kind erhält, um mögliche Wechselwirkungen zu vermeiden.

8. Gibt es bestimmte Probiotika-Stämme, die sich am besten für Autismus und ADHS eignen?

Die Studie aus dem Jahr 2024 verwendete ein Probiotikum mit mehreren Stämmen, darunter Lactobacillus– und Bifidobacterium-Arten. Diese Stämme werden häufig auf ihre positiven Auswirkungen auf die Darm-Hirn-Verbindung untersucht, aber es sind weitere Forschungen erforderlich, um die wirksamsten Stämme für Autismus und ADHS zu identifizieren.

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

Quellen:

Harding, K. L., Judah, H., Sadler, C. M., Mills, N., Goldman, S. E., Siriprakash, M., … & Luna, R. A. (2024). Probiotic supplementation reduces hyperactivity and improves social behaviors in young children with autism spectrum disorder and attention-deficit/hyperactivity disorder. Journal of Autism and Developmental Disorders. Advance online publication. https://doi.org/10.1007/s10803-024-06624-8

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