Erste wirksame Behandlung für Tinnitus?

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Dirk de Pol, aktualisiert am 20. Dezember 2021, Lesezeit: 3 Minuten

Wissenschaftler haben scheinbar erfolgreich und nicht-invasiv das Gehirn von 326 Menschen neu verdrahtet, die unter Tinnitus litten, dem irritierenden und manchmal lähmenden Phantom-Klingeln in den Ohren. Tinnitus betrifft bis zu 15 Prozent der Bevölkerung.

Millionen von Menschen auf der ganzen Welt haben sich jahrelang damit abgefunden. Und einige von ihnen leiden unter einer erheblichen Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität. Das soll sich nun geändert haben.

Ein multinationale Forscherteam berichtet, dass 86 Prozent der Studienteilnehmer – von denen, die die Behandlung 12 Wochen lang durchhielten – eine erhebliche Verringerung der Schwere ihrer Symptome erfuhren. Bei der Behandlung wird eine Technik namens „bimodale Neuromodulation“ eingesetzt, bei der das Gehirn durch zwei verschiedene Arten von Stimulationen verändert werden soll.

Für das Tinnitus-Experiment entwickelten die Forscher ein Gerät, das „Klänge mit Zungenstößen“ kombiniert. Laut Hubert Lim, Mitautor der Studie und außerordentlicher Professor für biomedizinische Technik und HNO-Heilkunde an der Universität von Minnesota, zielt diese Behandlung auf eine Untergruppe von Gehirnzellen ab, die abnormal feuern“.

In Studien an Menschen und Tieren haben das Team von Dr. Lim und andere bereits berichtet, dass „die elektrische Stimulation berührungsempfindlicher Neuronen in der Zunge oder im Gesicht Neuronen im Hörsystem aktivieren kann“.

Die randomisierte klinische Studie wurde mit Patienten in Krankenhäusern in Irland und Deutschland durchgeführt. Die Teilnehmer litten an verschiedenen Arten von Tinnitus.

Die therapeutischen Ergebnisse waren in beiden Kliniken gleich, und es traten keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse auf.

Ein entsprechendes mobiles Therapie-Gerät ist gegenwärtig auch schon in Deutschland unter dem Namen L e n i r e ® auf dem Markt und wurde vom irischen Unternehmen Neuromod Devices entwickelt.
Es besteht aus kabellosen Kopfhörern, die an beide Ohren Töne mit breitbandigem Rauschen abgeben, kombiniert mit elektrischen Stimulationsimpulsen, die über 32 Elektroden auf der Zungenspitze durch ein geschütztes Gerät mit der Bezeichnung Tonguetip abgegeben werden.

Tinnitus-Betroffene müssen für das Gerät tief in die Tasche greifen. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten von rund 2700 Euro nicht.

Allerdings befasste sich der Fachliche Beirat der Deutschen Tinnitus-Liga (DTL) in seiner Jahressitzung 2021 sehr eingehend mit L e n i r e ® und gelangte zu einem vernichtenden Urteil. Der Erwerb des Gerätes wird nicht empfohlen und die Wirksamkeit und die Unabhängigkeit der zugrundeliegenden Studien sei fragwürdig.

Quelle: Treating tinnitus, Zweifel an Lenire: Tinnitus-Liga warnt vor bimodaler Neuromodulation

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