Analthrombose: Ursachen, Symptome, bekannte und neue Behandlung

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M.A. Dirk de Pol, aktualisiert am 17. Mai 2023, Lesezeit: 9 Minuten

Die Analthrombose, auch bekannt als perianale Thrombose oder externe Hämorrhoidalthrombose, ist eine Erkrankung, die durch die Bildung von Blutgerinnseln in den Venen in der Nähe des Anus oder des Rektums gekennzeichnet ist. Die Analthrombose kann Unbehagen und Schmerzen verursachen, doch ein umfassendes Verständnis der Ursachen, Symptome, Diagnose, Behandlungsmöglichkeiten und Präventionsmaßnahmen ist für Betroffene von entscheidender Bedeutung.

Was ist eine Analthrombose?

Die Analthrombose bezieht sich auf das plötzliche Auftreten eines Blutgerinnsels in den subkutanen Venen des kaudalen Hämorrhoidalplexus, das in der Regel Schmerzen verursacht. Häufig tritt sie in Verbindung mit einer Phlebitis auf. Synonyme für Analthrombose sind perianale Thrombose, perianale Venenthrombose und Analvenenthrombose. Es gibt jedoch auch falsch verwendete Begriffe wie perianales oder perivenöses Hämatom, äußere Hämorrhoide, Thrombose der „äußeren Hämorrhoiden“, Pseudothrombose, akute circumanale Thrombophlebitis, akute Hämorrhoidalthrombose und Hämorrhoidalanfall.

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Begriffe ungenau sind, da es sich bei der Analthrombose spezifisch um ein Gerinnsel in einer Vene handelt und nicht mit extravasalem Hämatom verwechselt werden sollte. Darüber hinaus ist der Begriff „äußere Hämorrhoiden“ anatomisch nicht korrekt. Interessanterweise wird sie im angloamerikanischen Raum als „anal hematoma“ oder „external hemorrhoids“ bezeichnet, obwohl dies dem anatomischen Verständnis widerspricht.

Als Analthrombose bezeichnet man die Bildung von Blutgerinnseln in den Venen um den Anus oder das Rektum, die häufig mit geschwollenen Blutgefäßen oder äußeren Hämorrhoiden einhergehen. Diese Blutgerinnsel können erhebliche Beschwerden, Schmerzen und Schwellungen in dem betroffenen Bereich verursachen. Eine Analthrombose kann plötzlich und ohne Vorwarnung auftreten und zu quälenden Symptomen führen, die das tägliche Leben beeinträchtigen können.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genaue Ursache der Analthrombose ist nach wie vor unklar, doch können mehrere Faktoren zu ihrer Entstehung beitragen:

  • Erhöhter Druck auf die Venen: Anspannung beim Stuhlgang aufgrund von Verstopfung oder Durchfall oder langes Sitzen oder Stehen können Druck auf die Venen um den Anus ausüben, was zu deren Anschwellen und zur Bildung von Blutgerinnseln führt.
  • Schwangerschaft und Entbindung: Die hormonellen und körperlichen Veränderungen während der Schwangerschaft sowie der erhöhte Druck auf den Enddarmbereich während der Geburt können schwangere Personen anfälliger für die Entwicklung einer Analthrombose machen.
  • Fettleibigkeit: Übergewicht kann die Venen im Analbereich zusätzlich belasten und das Risiko der Bildung von Blutgerinnseln erhöhen.
  • Alter: Eine Analthrombose kann in jedem Alter auftreten, wird aber häufiger bei Erwachsenen über 30 Jahren beobachtet.
  • Chronische Verstopfung oder Diarrhöe: Erkrankungen, die zu häufigem oder längerem Pressen beim Stuhlgang führen, wie z. B. chronische Verstopfung oder Durchfall, können zur Entstehung einer Analthrombose beitragen.

Im subkutanen Bereich um den Anus herum befindet sich ein Netzwerk feiner Venen, bekannt als äußerer Hämorrhoidalplexus. Der Name ist irreführend, da diese Gefäße nichts mit den eigentlichen (inneren) Hämorrhoiden zu tun haben. Sie leiten sauerstoffarmes (dunkelrotes bis blaues) Blut über die Beckenvene (V. iliaca interna) in die untere Hohlvene, die durch den Bauchraum und den Thorax zum Herzen führt.

Selbst unter normalen Bedingungen fließt das Blut in diesen Gefäßen mit einem niedrigen Druck von etwa 15 mmHg. Jede Form von Druck oder erhöhtem Druck im Bauchraum kann den Blutfluss in einem dieser Gefäße stoppen. Das Gefäß schwillt an und das Blut darin gerinnt – eine Analvenenthrombose entwickelt sich.

Dies erklärt die meisten Risikofaktoren oder Auslöser solcher Ereignisse von Analthrombosen:

  • Langes Sitzen (z. B. im Büro, im Auto oder im Flugzeug)
  • Sitzen auf kalten Oberflächen
  • Pressen bei Verstopfung
  • aber auch Durchfall
  • Anhaltender Husten
  • Schweres Heben
  • Anstrengung beim Sport (Gewichtheben, Rennradfahren)

Häufigkeit des Vorkommens der Analthrombose

Exakte Zahlen liegen nicht vor. Dennoch ist Analthrombose relativ häufig und betrifft ungefähr 5% der proktologischen Patienten, insbesondere im mittleren Erwachsenenalter. Es gibt nur begrenzte Hinweise auf eine Geschlechtspräferenz. Laut einer Studie von Oh waren Männer doppelt so oft betroffen, während in unseren eigenen chirurgischen Fällen Männer 1,86-mal häufiger betroffen waren als Frauen.

Häufige Symptome

Die Symptome der Analthrombose können unterschiedlich stark ausgeprägt sein, und die Betroffenen können einige oder alle der folgenden Symptome aufweisen:

  • Starke Schmerzen: Das Hauptsymptom der Analthrombose sind starke Schmerzen im Analbereich. Der Schmerz wird oft als stechend, pochend oder als ständiger Schmerz beschrieben. Sie können sich beim Stuhlgang, beim Sitzen oder beim Gehen verschlimmern.
  • Schwellungen und Entzündungen: Der betroffene Bereich kann geschwollen, gerötet und berührungsempfindlich sein. Die Schwellung kann Unbehagen verursachen und das Sitzen oder Bewegen erschweren.
  • Klumpen oder Beule: Die Analthrombose äußert sich in der Regel durch einen festen, schmerzhaften Knoten oder eine Beule in der Nähe des Anus. Diese Beule wird durch das Blutgerinnsel innerhalb des geschwollenen Blutgefäßes verursacht.
  • Juckreiz und Reizung: Bei manchen Menschen kann es zu Juckreiz oder Reizungen im Analbereich kommen, was die Beschwerden noch verschlimmern kann.
  • Blutungen: In einigen Fällen kann die Analthrombose Blutungen verursachen, insbesondere beim Stuhlgang. Diese Blutungen sind in der Regel geringfügig und selbstlimitierend.

Die Diagnose

Um eine Analthrombose zu diagnostizieren, wird ihr Arzt in der Regel eine körperliche Untersuchung des Analbereichs durchführen. Er kann den Bereich visuell auf äußere Hämorrhoiden, Blutgerinnsel oder Anzeichen einer Entzündung untersuchen. In einigen Fällen kann eine digitale rektale Untersuchung durchgeführt werden, um die inneren Strukturen des Enddarms zu beurteilen.

In seltenen Fällen, in denen die Diagnose unsicher ist oder andere Grunderkrankungen vermutet werden, können zusätzliche diagnostische Verfahren wie eine Anoskopie oder Sigmoidoskopie durchgeführt werden. Bei diesen Verfahren wird ein kleiner, flexibler Schlauch mit einer Kamera verwendet, um das Innere des Rektums und des Anus zu untersuchen und eine umfassendere Beurteilung vorzunehmen.

Bekannte und neue Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung der Analthrombose zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, die Heilung zu fördern und Komplikationen zu verhindern. Einige gängige Behandlungsmöglichkeiten sind:

  • Selbstpflegemaßnahmen: Viele Fälle von Analthrombose lassen sich mit Selbstbehandlungsmaßnahmen in den Griff bekommen, darunter:
  • Warmwasser-Sitzbäder: Wenn Sie den Analbereich mehrmals täglich 10 bis 15 Minuten lang in warmes Wasser tauchen, können Sie Schmerzen und Schwellungen lindern und die Heilung fördern.
  • Freiverkäufliche Schmerzmittel: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAIDs) wie Ibuprofen oder Paracetamol können die Schmerzen lindern und die Entzündung reduzieren.
  • Topische Cremes oder Salben: Freiverkäufliche Cremes oder Salben können Juckreiz und Entzündungen vorübergehend lindern.
  • Verschreibungspflichtige Medikamente: In Fällen, in denen rezeptfreie Behandlungen nicht ausreichen, kann ihr Arzt stärkere örtliche Cremes, Salben oder Zäpfchen verschreiben, um die Schmerzen zu lindern und die Entzündung zu verringern.
  • Neue minimalinvasive Verfahren: Wenn konservative Maßnahmen keine Linderung bringen, können minimalinvasive Verfahren empfohlen werden. Diese Verfahren werden in der Regel von ihrem Arzt durchgeführt und können Folgendes beinhalten. Bei der Inzision und Drainage setzt der Arzt einen kleinen Schnitt in den betroffenen Bereich, um das Blutgerinnsel zu entfernen und die Schmerzen sofort zu lindern. Bei der Thrombektomie wird das Blutgerinnsel aus der betroffenen Vene entfernt, um die Symptome zu lindern. [5]

Vorbeugung

Auch wenn es nicht möglich ist, alle Fälle von Analthrombose zu verhindern, können einige Maßnahmen dazu beitragen, das Risiko zu verringern:

  • Achten Sie auf regelmäßigen Stuhlgang: Vermeiden Sie Belastungen beim Stuhlgang, indem Sie sich ballaststoffreich ernähren, viel Wasser trinken und sich regelmäßig körperlich betätigen. Diese Maßnahmen können helfen, die Regelmäßigkeit des Stuhlgangs zu fördern und Verstopfung zu vermeiden.
  • Achten Sie auf eine gute Analhygiene: Reinigen Sie den Analbereich nach dem Stuhlgang sanft mit milder Seife und Wasser oder verwenden Sie Feuchttücher, um übermäßige Reizungen zu vermeiden.
  • Vermeiden Sie langes Sitzen oder Stehen: Wenn Ihre Arbeit oder Ihr Lebensstil mit langem Sitzen oder Stehen verbunden ist, machen Sie regelmäßig Pausen und versuchen Sie, Bewegung einzubauen, um die Blutzirkulation im Analbereich zu verbessern.
  • Halten Sie ein gesundes Gewicht: Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und regelmäßiger Bewegung kann dazu beitragen, Übergewicht zu vermeiden und die Venen um den Anus zu entlasten.
  • Suchen Sie umgehend einen Arzt auf: Wenn Sie anhaltende oder schwere Symptome wie starke Schmerzen, übermäßige Blutungen oder zunehmende Schwellungen feststellen, sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen, um eine genaue Diagnose und eine angemessene Behandlung zu erhalten.

Schlussfolgerungen

Die Analthrombose kann eine sehr belastende Erkrankung sein, die erhebliche Schmerzen und Unannehmlichkeiten verursacht. Das Verständnis der Ursachen, das Erkennen der Symptome und das rechtzeitige Aufsuchen eines Arztes sind entscheidend für eine wirksame Behandlung und Linderung.

Durch die Durchführung von Selbsthilfemaßnahmen, die Einhaltung der verordneten Behandlungen und die Anwendung präventiver Strategien können die Betroffenen die Symptome lindern, die Heilung fördern und das Risiko von Komplikationen im Zusammenhang mit Analthrombose verringern. Denken Sie daran, dass es immer wichtig ist, einen Arzt für eine genaue Diagnose und einen individuellen Behandlungsplan zu konsultieren.

Quellen

  1. American Society of Colon and Rectal Surgeons. (2020).
  2. Mayo Clinic. (2023). Hemorrhoids.
  3. Cleveland Clinic. (2022). Constipation.
  4. (2023). Perianalthrombose.
  5. Medicina (Kaunas). 2020 Jun. Perirectal Hematoma and Intra-Abdominal Bleeding after Stapled Hemorrhoidopexy and STARR. Georgi Popivanov, Piergiorgio Fedeli, Roberto Cirocchi, Massimo Lancia et al.

Dieser Beitrag wurde auf der Grundlage wissenschaftlicher Fachliteratur und fundierter empirischer Studien und Quellen erstellt und in einem mehrstufigen Prozess überprüft.

Wichtiger Hinweis: Der Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

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