Verhaltensprobleme und übermäßige Nutzung von Gadgets

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Dirk de Pol, aktualisiert am 11. August 2022, Lesezeit: 4 Minuten

Es ist nicht das Handy, das ein Kinder hyperaktiv macht. Vielmehr gilt: Ein unruhiges Kind benutzt das Handy häufiger. Das ist das Ergebnis – einer Studie des Alpha Generation Lab am Institut für Ethologie der Eötvös Loránd Universität (ELTE).

Wie sieht der bisherige Stand der Forschung aus?

Mehrere frühere Studien deuteten darauf hin, dass früher und übermäßiger Fernsehkonsum zu späteren Aufmerksamkeitsproblemen und Hyperaktivität führen kann. Für zappelige, unruhige Kinder gilt, dass sie eher digitale Geräte nutzen, und auch die Eltern beschäftigen ihre Kinder eher mit Gadgets. Um ihr Aufmerksamkeitsniveau aufrechtzuerhalten, brauchen hyperaktive Kinder eine ständige Stimulierung, die sie in den rasanten, bunten Reizen von Videospielen und Filmen finden.

Um ihr Aufmerksamkeitsniveau aufrechtzuerhalten, brauchen hyperaktive Kinder eine ständige Stimulierung, die sie in den rasanten, bunten Reizen von Videospielen und Filmen finden.

Die Beziehung zwischen digitalen Geräten und Hyperaktivität/Aufmerksamkeitsdefiziten ist also eine Zweibahnstraße mit bidirektionalen Effekten, die sich gegenseitig beeinflussen.

Ähnlich verhält es sich mit sozialen Problemen: Schüchterne Kinder oder solche mit geringen sozialen Fähigkeiten neigen dazu, Gadgets wie Videospiele oder Fernsehen übermäßig zu nutzen. Die virtuelle Welt kann eine Flucht aus der sozialen Welt sein, die sie nur schwer verstehen oder erleben können. Aber die Nutzung digitaler Medien in der Einsamkeit verstärkt ihre Isolation noch mehr. In den ersten Jahren sind Beziehungen zu Gleichaltrigen wichtig, um gesunde soziale Fähigkeiten zu entwickeln, die durch die einsame Nutzung digitaler Medien ersetzt werden können.

Soziale Probleme und die Nutzung digitaler Medien scheinen sich also auch gegenseitig zu beeinflussen.

Bislang wurde fast nur der Zusammenhang zwischen der Nutzung älterer Medien – vor allem des Fernsehens – und der Entwicklung von Verhaltensproblemen untersucht. Heutzutage nutzen Kinder jedoch moderne Geräte (wie Tablets und Mobiltelefone) in einem immer jüngeren Alter.

Insbesondere haben nur wenige Studien die Nutzung von Mobilgeräten durch Kinder und die Entwicklung von Verhaltensproblemen im Laufe der Zeit verfolgt. Solche Studien sind jedoch sehr wichtig, weil sie uns sagen können, was zuerst da war: das Huhn oder das Ei – das Verhaltensproblem oder die Handynutzung.

Was ist der Ansatz der neuen Studie?

Das Alpha Generation Lab am Institut für Ethologie der ELTE hat versucht, diese Lücke zu schließen. Eltern von Vorschulkindern im Alter von 4 bis 6 Jahren wurden gebeten, einen Fragebogen zur Handy-/Tabletnutzung und zu Verhaltensproblemen ihres Kindes auszufüllen. Nach 3 Jahren – als die Kinder 7-9 Jahre alt waren – wurden sie gebeten, die Fragebögen erneut auszufüllen.

Zu welchen Ergebnissen gelangt die neue Studie?

Das Ausmaß der Handynutzung im Vorschulalter sagte jedoch nicht das Ausmaß der Hyperaktivität und des Aufmerksamkeitsdefizits in den ersten Schuljahren voraus. Die Forscher schlussfolgern daraus, dass die Nutzung von Mobiltelefonen in der frühen Kindheit nicht zu Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsdefiziten führt, anders als z. B. das Fernsehen. Ein Grund für die fehlende Korrelation könnte sein, dass Handy-Apps für Vorschulkinder oft entwicklungsorientiert und weniger anregend sind als beispielsweise Zeichentrickfilme oder Gewaltspiele für ältere Kinder.

Die Forscher fanden auch heraus, dass Kinder mit sozialen Problemen häufiger Mobiltelefone benutzen, was jedoch erst im Schulalter der Fall ist. Sie fanden keinen kausalen Zusammenhang, d. h. ob die frühe Handynutzung zu späteren sozialen Problemen führt oder umgekehrt. Die Frage nach Ursache und Wirkung ist daher unklar, und es ist wahrscheinlich, dass es eine wechselseitige Beziehung gibt: weder das Huhn noch das Ei waren zuerst da…

Quellen

Veronika Konok et al, Longitudinal Associations of Children’s Hyperactivity/Inattention, Peer Relationship Problems and Mobile Device Use, IN: Sustainability (2022)

Der Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

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