Studie: Neue Antikörpertherapie senkt das LDL-Cholesterin um die Hälfte

Studie: Neue Antikörpertherapie senkt das LDL-Cholesterin um die Hälfte

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Ein Beitrag der Medizin Doc Redaktion vom 15. November 2020

Icahn School of Medicine of Mount Sinai – Der Wirkstoff Evinacumab reduzierte das LDL-Cholesterin (Low-Density-Lipoprotein)-Cholesterin – das so genannte “schlechte” Cholesterin – um 50 Prozent bei Patienten mit schwerer Hypercholesterinämie, deren Krankheitszustand gegen Standardbehandlungen resistent ist, wie eine Phase-2-Studie der Icahn School of Medicine of Mount Sinai und weiterer internationaler wissenschaftlicher Forschungseinrichtungen ergeben hat.

Die Ergebnisse der von Regeneron geförderten Studie wurden im New England Journal of Medicine veröffentlicht.


Evinacumab ist ein vollständig menschlicher monoklonaler Antikörper, der durch einen anderen Wirkmechanismus als vorhandene Medikamente einen gefährlich hohen Cholesterinspiegel auf ein normales Niveau bringt, wenn er mit maximal verträglichen lipidsenkenden Therapien bei Menschen mit familiärer Hypercholesterinämie kombiniert wird. Dies ist eine häufige erbliche Erkrankung, die schwer zu behandeln ist.

Die Ergebnisse der Studie zur Bewertung der Sicherheit und Wirksamkeit von Evinacumab zeigen nach Aussage von Robert Rosenson, Professor für Medizin (Kardiologie) an der Icahn School of Medicine am Mount Sinai, dass der Wirkstoff den LDL-Cholesterinspiegel bei Patienten, die trotz einer maximal verträglichen Lipidsenkungstherapie die angestrebten Ergebnisse nicht erreichen können, um die Hälfte senken kann.

Evinacumab ist ein vollständig menschlicher monoklonaler Antikörper. Er hemmt Angiopoietin-ähnliches Protein 3 (ANGPLT3) und senkt das LDL-Cholesterin über einen von LDL-Rezeptoren unabhängigen Weg. In genetischen Studien wurde nachgewiesen, dass Menschen, denen ANGPTL3 fehlt oder die einen niedrigen ANGPTL3-Spiegel aufweisen, ein Leben lang bekanntermaßen einen sehr niedrigen LDL-Cholesterinspiegel haben.

In den USA beispielsweise wurde bei etwa sieben Prozent der Erwachsenen eine schwere Hypercholesterinämie diagnostiziert, die als unbehandeltes LDL-Cholesterin mit Werten von mindestens 190 mg pro Deziliter definiert ist.

Familiäre Hypercholesterinämie tritt bei ungefähr einem von 300 bis 500 Menschen auf, weitaus häufiger jedoch bei Patienten mit früh einsetzenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die bei einem von 15 Personen auftreten.

Die American Heart Association/American Congress of Cardiology empfahl 2018 einen LDL-Cholesterin-Zielwert von höchstens 70 mg pro Deziliter bei Patienten mit einem sehr hohen Risiko für atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die European Society of Cardiology hat darüber hinaus noch strengere Zielwerte festgelegt und empfiehlt, den LDL-Cholesterinspiegel auf 55 mg/dL oder darunter zu senken.

Diese Zielvorgaben haben sich für die betroffenen Patienten mit Hypercholesterinämie als schwierig zu erreichen erwiesen, wenn sie mit der Standard-“Dreifachtherapie” aus einem hochintensiven Statin, einem PCSK9-Inhibitor, und Ezetimib, einem Medikament, das die Aufnahme von Cholesterin aus dem Darm begrenzt, behandelt werden.

Den Wissenschaftlern zufolge besteht ein hoher Bedarf an Wirkstoffen, die die refraktäre Hypercholesterinämie über einen vom LDL-Rezeptor unabhängigen Weg bekämpfen. Wenn es von der U.S. Food and Drug Administration zugelassen wird, kann Evinacumab möglicherweise diese klinische Lücke für Patienten füllen, indem es stark erhöhtes LDL-Cholesterin reduziert, so die Forscher.

Die multizentrische, doppelblinde, plazebokontrollierte Phase-2-Studie mit Evinacumab schloss 272 Patienten mit primärer Hypercholesterinämie ein. Die Mehrheit von ihnen hatte die Diagnose einer heterozygoten familiären Hypercholesterinämie (HeFH). HeFH ist eine erbliche Form der Hypercholesterinämie, die am häufigsten durch Mutationen im LDL-Rezeptor-Gen hervorgerufen wird.

Das Forschungsteam konnte feststellen, dass die subkutane Verabreichung des Mittels bei 450 mg wöchentlich zu einer Senkung des LDL-Cholesterins um 56 Prozent und bei 300 mg wöchentlich um 52,9 Prozent im Vergleich zur Placebo-Gruppe führte. Bei einer monatlichen intravenösen Verabreichung von Evinacumab mit 15 mg/kg betrug die Senkung des LDL-Cholesterins 50,5 Prozent im Vergleich zur Placebogruppe. Alle Patienten, die Evinacumab erhielten, unterzogen sich gleichzeitig einer Lipidsenkungstherapie.

Bei den meisten Patienten war Evinacumab gut verträglich. Ein mit subkutanem Evinacumab behandelter Patient hatte Atembeschwerden, ein weiterer hatte eine leichte anaphylaktische Reaktion. Beide brachen die Medikation ab, ihre Symptome besserten sich mit einer anderen Behandlung. Im Rahmen der Studie wurden zwei Todesfälle gemeldet, die jedoch mit gesundheitlichen Grunderkrankungen zusammenhingen.

Die Studie zeigt, dass eine Behandlung mit subkutanem oder intravenösem Evinacumab einen signifikanten Einfluss auf das LDL-Cholesterin haben kann, so die Autoren der Studie. Sollte Evinacumab für den Einsatz unter den gegebenen Bedingungen zugelassen werden, könnte Evinacumab Kardiologen möglicherweise mit einer wichtigen neuen Zusatztherapie unterstützen, um Patienten mit HeFH auf oder näher an ihr cholesterinsenkendes Ziel zu bringen, so die Forscher.

Evinacumab wird derzeit in den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union als Zusatztherapie zu anderen lipidsenkenden Therapien bei Patienten mit homozygoter familiärer Hypercholesterinämie, einer anderen Form der familiären Hypercholesterinämie, von den Behörden geprüft.

(Quellen: Icahn School of Medicine of Mount Sinai / New England Journal of Medicine)

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